Freiburg

Fall Maria L.: Polizei prüft, ob Hussein K. vorbestraft ist

Felix Lieschke, Stefan Hupka, Dietmar Ostermann

Von Felix Lieschke, Stefan Hupka & Dietmar Ostermann

Di, 13. Dezember 2016 um 20:00 Uhr

Freiburg

Der afghanische Flüchtling Hussein K., der Maria L. getötet haben soll, ist Berichten zufolge bereits 2013 in Griechenland straffällig geworden. Seine Vorgeschichte gibt Rätsel auf.

Wer ist Hussein K.? Wie alt ist der Tatverdächtige im Fall Maria L. wirklich? Und mit welcher Vorgeschichte ist der unbegleitete minderjährige Ausländer (UMA) in Freiburg angekommen? Recherchen des Magazins "Stern" zeichneten am Dienstag ein neues Bild des Jugendlichen.

Bereits im Mai 2013 soll der Tatverdächtige im Fall Maria L. straffällig geworden sein. In griechischen Medien erregte der Fall Aufsehen, als ein 17-jähriger Afghane auf der Insel Korfu versucht haben soll, einer jungen Frau die Tasche zu stehlen. Als die 20-Jährige sich weigerte – Berichten zufolge, weil sich ein Auto näherte – griff der Jugendliche ihr um Hüfte und Beine und stieß sie über ein Geländer eine etwa zehn Meter hohe Klippe hinunter. Die Frau überlebte, verletzte sich aber schwer. Der Afghane soll daraufhin im Februar 2014 zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren verurteilt worden sein, heißt es beim "Stern" weiter. Ob der Täter von 2013 auch der Täter im Fall Maria L. ist, kann nicht mit Sicherheit beantwortet werden. Das Magazin stützt sich in der Recherche auf zwei Flüchtlinge, die damals Kontakt zu dem Mann hatten. Wenn er es wäre, müsste geklärt werden, ob er vorzeitig aus der Haft entlassen oder eventuell abgeschoben wurde.

Sonderkommission kannte die Hinweise

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Freiburg bestätigte auf Anfrage der BZ, dass der zuständigen Sonderkommission diese Hinweise schon vor der Veröffentlichung des Artikels am Dienstag bekannt waren. "Die Hinweise gingen bei uns ein, kurz nachdem die ersten Bilder des Verdächtigen veröffentlicht wurden", hieß es. Auch die Polizei bestätigte, dass die Informationen des Blattes bereits vorlägen und auch geprüft würden, dazu sei die Mithilfe griechischer Behörden nötig, eine solche Auslandsrecherche könne dauern.

Der seit zwei Wochen in Untersuchungshaft sitzende 17 Jahre alte Hussein K. habe bisher keine Angaben gemacht, sagte Riske, auch den Namen seines Anwalts gibt die Staatsanwaltschaft bisher nicht bekannt.

Zu der Frage, ob deutschen Behörden eine etwaige Verurteilung und Vorstrafe in Griechenland nicht bereits hätte bekannt werden müssen, äußerte sich der Lörracher Bundestagsabgeordnete und Innenexperte Armin Schuster (CDU) skeptisch. Solche Überprüfungen und Abfragen europäischer Fahndungssysteme fänden zwar im Zuge von Asylverfahren statt, sagte Schuster der Badischen Zeitung. Für unbegleitete minderjährige Ausländer (UMA) gebe es aber in der Regel keine Asylverfahren. Sie würden von der Polizei den Jugendämtern übergeben. Der bestellte Vormund könne dann zwar einen Asylantrag stellen, das passiere aber fast nie. Erst wenn ein UMA volljährig wird, werde in der Regel ein Asylantrag gestellt.

UMA genießen besonderen Schutz

Bis dahin gelte, so Schuster: "Das Jugendamt ist keine Polizeibehörde. Die Wahrscheinlichkeit, dass solche Überprüfungen stattfinden, geht gegen null." Abfragen bei anderen EU-Staaten fänden bei UMA nicht statt, "weil kein Asylverfahren stattfindet". Der Gesetzgeber gehe davon aus, dass es sich bei UMA um eine besonders schutzwürdige Gruppe handelt. Hinter ihnen werde nicht hinterher recherchiert, "weil niemand Verdachtschöpfung betreibt". Eine Überprüfung des Verfahrens bei UMA sei dringend erforderlich unter Sicherheitsaspekten, argumentiert der CDU-Politiker: "Es sind eben nicht alles Kinder im Sinne Schutzbedürftiger."

Allerdings hätte womöglich eine Abfrage in einschlägigen EU-Datenbanken der Sicherheitsbehörden kurz nach seiner Einreise nach Deutschland 2015 im Fall des Hussein K. ebenfalls keine Treffer ergeben. Ein europaweiter Abgleich der DNA des Tatverdächtigen nach dessen Verhaftung jedenfalls hat laut Polizei keinen Eintrag in anderen Ländern ergeben.

Mehr zum Thema: