Leseförderung

Fast alle Freiburger Grundschulen haben jetzt eine Bibliothek

Leonie Möck

Von Leonie Möck

Mi, 05. Oktober 2016

Freiburg

An Freiburger Grundschulen wird gelesen, was das Zeug hält – und das in vielen Sprachen. Fast alle städtischen Grundschulen verfügen mittlerweile über ein breites und mehrsprachiges Angebot an Lesestoff. Dafür wurden entsprechende Räume, Ecken oder Bücherkisten eingerichtet. Finanziert werden die Bibliotheken von der Stadt.

Seit sieben Jahren gibt es das Konzept "Lebendige Schulbibliotheken" des Amts für Schule und Bildung (ASB) in Kooperation mit der Stadtbibliothek und wird jährlich mit 200 000 Euro bezuschusst. Anfangs waren sieben Schulen dabei, mittlerweile sind es 26 der insgesamt 30 städtischen Grundschulen, außerdem fünf Förderschulen und fünf weiterführende Schulen. Ziel sei es, so Schulbürgermeisterin Gerda Stuchlik, alle Freiburger Grundschulen mit ins Boot zu holen. An Geld fehle es dafür zwar nicht, Platzmangel in den Schulen sei aber häufig ein Problem.

Ein Schwerpunkt des Projekts: Mehrsprachigkeit – "Bibliotheken der Kulturen", nennt sie Stuchlik. Die Bibliothek der Adolf-Reichwein-Schule beispielsweise verfüge über Kinderbücher in 25 verschiedenen Sprachen, berichtet Lehrerin Sylvia Bohn. Das Lesematerial erhalten die Schulen hauptsächlich von der Stadtbibliothek oder durch Spenden, "manchmal bringen auch Eltern Bücher aus dem Urlaub mit", sagt Bohn. Vor allem sogenannte "sprechende Bücher", die sich selbst vorlesen, seien beliebt bei den Kindern. Damit das Angebot möglichst vielfältig bleibt, erstellt Lisa Wiedenhöfer von der Stadtbibliothek regelmäßig Auswahllisten. Über Neuanschaffungen entscheiden letztendlich die Schulen. "So können wir auch Literaturwünsche von Schülern berücksichtigen", sagt Sylvia Bohn.

Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache profitieren besonders von dem breiten Angebot. "Um die Sprachkompetenz richtig zu fördern, muss auch die Primärsprache gelebt werden können", sagt Hermann Maier, Leiter des ASB. Außerdem helfe es den Kindern dabei, sich mit der Schule zu identifizieren, wenn sie ihre Kultur dort vertreten finden, was vor allem im Zuge der Flüchtlingsthematik wichtig sei.

"Es geht darum, in den Kindern Neugierde aufs Lesen und auf Geschichten wecken", sagt Maier. "Die Bibliothek soll Begegnungsort sein." Maier verweist auf die Initiative der "Leselernpatenschaften". Im Moment betreuen an 33 Schulen 280 ehrenamtliche Leselernpatinnen und -paten rund 700 Kinder.

Außerdem holt sich das ASB Unterstützung von der Freiburger Schulprojektwerkstatt. Beim Projekt "Erzählen, Zuhören, Weitererzählen" kommen einmal pro Woche professionelle Erzählerinnen und Erzähler in die ersten Klassen und bringen jedes Mal neue Geschichten für die Kinder mit. Ab der zweiten Klasse übernehmen dann die gecoachten Lehrkräfte. 13 Schulen machen bereits mit. "Kaum etwas macht mich so nervös wie das Erzählen", berichtet Edgar Bohn, Schulleiter der Anne-Frank-Grundschule. Er ist überzeugt von den "Lebendigen Schulbibliotheken". Die Kinder seiner Schule sprächen rund 44 verschiedene Sprachen. Trotzdem hätten sie landesweiten Vergleich überdurchschnittlich abgeschnitten. "Das hat uns verblüfft."