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04. Oktober 2017

Film und Diskussion bei der Bundesjugendkonferenz der Roma und Sinti in Zähringen

Gleiche Chancen für alle? Damit das wahr wird, müsste sich an den Schulen viel tun. Das war ein Fazit der teils emotional verlaufenen Diskussion „Was für eine Schule wollen wir?“ im Bürgerhaus Zähringen bei der Bundesjugendkonferenz der Roma und Sinti, die am Wochenende und am Montag in Freiburg stattfand.

Wann ist Schule gut? Und wann nicht? Beim Sommercamp des Freiburger Vereins "Roma-Büro" auf Usedom haben sich 25 Jugendliche aus 15 Freiburger Schulen darüber Gedanken gemacht – zwei Drittel von ihnen waren Roma, die anderen Syrer. So entstand ein rund 30 Minuten langer Film: Zu sehen sind tanzende Jugendliche und Ostseewellen, während junge Roma und Syrer von ihren Einschätzungen erzählen. Was zu sehen und zu hören ist, sei extra nicht aufeinander abgestimmt, sagt Tomas Wald, der Leiter des Roma-Büros: Dadurch sollen die Inhalte stärker wirken. Die Jugendlichen sagen, dass Schule gut ist, wenn alle zusammenhalten und Nationalitäten keine Rolle spielen – einige kennen das. Aber da sind auch andere, die von Mobbing und Streit auf dem Schulhof erzählen, von rivalisierenden Gruppen verschiedener Nationalitäten. Ein Mädchen sagt: "In der Pause sitzen die Roma zusammen und sprechen Romanes. So lernen wir nichts!"

Für Tomas Wald ist klar: Die deutschen Lehrer seien überfordert und zu wenig für die zunehmende Internationalität in ihren Klassen ausgebildet. Das Roma-Büro wolle deshalb Bildungsberater an den Schulen verankern – Roma, die bei Konflikten vermitteln, den deutschen Lehrern erklären, was für Roma-Familien wichtig ist und Roma-Eltern die Scheu vor der deutschen Schule nehmen. Außerdem fordert Tomas Wald, Roma sollten als Quereinsteiger Lehrer werden können, damit junge Roma Vorbilder bekämen. Das Schulsystem lasse sich kaum ändern, egal unter welcher Regierung, ist die bittere Bilanz von Daniela Körner, der stellvertretenden Vorsitzenden des Gesamtelternbeirats: "Außer an Privatschulen."

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Sie verteidigt Tomas Wald, als er mit Carlos Santos-Nunier, dem Leiter der Pestalozzi-Realschule in Haslach, aneinanderprallt: Carlos Santos-Nunier findet, dass Tomas Wald "zu pauschal und polemisierend" über Schulen und Lehrer spreche. Auch eine Frau im Publikum kann mit der Forderung nach nicht-deutschen Lehrern nichts anfangen und fragt, wo denn das Problem sei bei deutschen Lehrern. Das stößt auf Kritik: "In deutschen Schulen werden wir nicht gesehen – wir brauchen Lehrer, mit denen wir uns identifizieren können", versucht eine Roma-Frau, die selbst Lehrerin geworden ist, die Situation zu verdeutlichen. Einige Jugendliche im Publikum erzählen von Mobbing-Erlebnissen, gegen die ihres Erachtens zu wenig getan werde. Eine junge Frau sagt, dass ihre Mutter so viel Rassismus erlebt habe, dass sie mit Deutschen wenig zu tun haben wolle – als Antwort auf die Frage von Carlos Santos-Nunier, warum kaum Roma-Eltern zu Elternsprechstunden und anderen Beteiligungsformen an die Schulen kommen.

Eine angehende Historikerin kritisiert den Alltagsrassismus gegenüber Roma, der nie groß Thema werde: "Wenn wir Zigeuner genannt und verprügelt werden, interessiert das niemanden." Einiges betreffe nicht nur Roma, sondern alle Kinder in den längst vielsprachig gewordenen Klassen, betont Daniela Körner: Es wäre gut, wenn stärker von den Schülern aus gedacht werde – auch deutschen Kindern schade es nicht, Grammatik im Konzept von "Deutsch als Fremdsprache" vermittelt zu bekommen. Die Schulen müssten für alle da sein: "Aber es scheitert ganz viel am System."

Autor: Anja Bochtler