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24. Juni 2015

Existenzgründer-Wettbewerb Elevator Pitch

Forschergruppe des Zentrums für Biosystemanalyse gewinnt Preis für Molekül-Kopierer

Forschergruppe des Zentrums für Biosystemanalyse gewinnt den "Elevator Pitch" / Biochemiker Günter Roth hat große Ziele.

  1. Günter Roth steht im Labor vor dem „Kopierer“. Allerdings geht es hier um Biomoleküle. Foto: Thomas Kunz

Eine Forschergruppe der Universität Freiburg hat den baden-württembergischen "Elevator Pitch" gewonnen. Bei diesem Wettbewerb der Initiative für Existenzgründungen (Ifex) des Ministeriums für Finanzen und Wirtschaft geht es darum, die Jury innerhalb von drei Minuten von einer Idee zu überzeugen. Das Team des Zentrums für Biosystemanalyse (ZBSA) mit Sitz in Herdern stieß mit einem außergewöhnlichen Vorhaben auf Interesse.

Die Forscher um den 39-jährigen Physiker und Biochemiker Günter Roth haben eine Art Fotokopierer entwickelt, mit dem man Biomoleküle kopieren kann. Bei der Anwendung "immune2day" wird die Virus-DNA eingefüttert und dessen Protein herauskopiert – so könnte theoretisch innerhalb von Tagen ein potenzieller Impfstoff gefunden und mit dessen Produktion begonnen werden.

"Hehre Ziele zum Wohle der Menschheit", weiß auch Günter Roth. Wer bei ihm im Labor und vor dem "Kopierer" steht, fühlt sich wie am Anfang eines Hollywoodfilms: Die kleine Forschergruppe hat eine bahnbrechende Idee, und die Industrie wird wenig später alles daran setzen, diese Idee für sich zu nutzen. Wenn alles klappt, wird es später einmal um Millionen Euro gehen.

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Forscher hoffen auf
Interesse der Pharmafirmen

Das Grundpatent für den Biomolekül-Kopierer ist bereits im Jahr 2010 erteilt worden, ein Sammelpatent für weitere 40 Anwendungen ist eingereicht. Beim Sammelpatent geht es um besagte Impfstoffe, aber auch um neue Medikamente bis hin zur Optimierung von Waschmittel-Enzymen.

Günter Roth erklärt die Idee anhand eines Farbkopierers: Die Druckvorlage ist eine "Flusszelle" – ein Stück aus Silikon mit vielen kleinen Kanälchen an der Oberfläche –, das Kopierpapier eine kleine Glasscheibe, die Tinte die Biochemie, die in den Kopierer hineingefüllt wird. Am Computer lesen die Forscher Ergebnisse ab, die auf dem "Biochip" gespeichert wurden. Das moderne Untersuchungssystem erlaubt ihnen die parallele Analyse von mehreren tausend Einzelnachweisen in einer kleinen Menge biologischen Probenmaterials.

Das "immune2day"-Verfahren soll zunächst an der Schweinegrippe getestet werden, erklärt Roth. Sofern der Impfstoff die Schweine schützen kann, soll das Verfahren zur Herstellung für Impfstoffe für Menschen angewendet werden. Angefangen von der jährlich wiederkehrenden Grippe bis hin zu einem Ebola-Impfstoff, so die Vision von Roth und seinen Kollegen. "Man könnte durch das Verfahren viel schneller reagieren, wenn etwas Gefährliches kommt", sagt er – ganz einfach deshalb, weil man schneller mehr austesten könnte. Langfristig erhofft sich Roth das Interesse von großen Pharmafirmen. "Wir liefern die Impfstoffkandidaten", sagt er – die Milliarden Impfdosen könnten aber nur von der Pharmaindustrie produziert werden. "Wer jetzt mit in das Abenteuer einsteigt, wird später auch beteiligt sein", sagt Roth und lacht. Strategische Partnerschaften seien derzeit in Aufbau. Zwei Prototypen der Molekül-Kopierer stehen bislang in Roths Labor, einer davon koste zusammengebaut etwa 60 000 Euro. "Wenn man weiß, wie es geht, könnte man ihn auch nachbauen", sagt Roth – aber keiner habe ein Team mit so viel Erfahrung, deshalb habe er keine Angst vor Ideenklau.

Beim Projekt "immune2day" sind neben Günter Roth ein Ingenieur dabei (Jürgen Burger), vier Biologen (Christin Rath, Tobias Herz, Normann Kilb und Stefan Krämer) und zwei Mikrosystemtechniker (Philipp Meyer und Johannes Wöhrle). Neben einer Trophäe in Form eines bunten Aufzugs freute sich das Team auch über einen Scheck in Höhe von 3 000 Euro. Nach dem Gewinn eines Regional Cups in Stuttgart war es bereits der zweite Erfolg für das ZBSA.

Internationale Aufmerksamkeit erhoffen sich die Forscher nächste Woche bei einem Wettbewerb der "Royal Society of Chemistry" in England, wo sie zwei Mal nominiert sind; einmal im Bereich der DNA-Kopie, einmal im Bereich der Protein-Kopie. Denn auch sogenannte Aptamere, Nukleinsäuren, lassen sich mit dem Verfahren einfacher herstellen als bisher.

Autor: Adrian Hoffmann