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05. April 2016 19:01 Uhr

Kriminalitätsstatistik 2015

Freiburg bleibt die kriminellste Stadt Baden-Württembergs

Die Zahl der Straftaten hat in Freiburg 2015 um 6,3 Prozent zugenommen. Bei den Raubüberfällen gab es mit 210 Taten einen neuen Höchststand. Besonders stark gestiegen ist jedoch die Zahl der Schwarzfahrer.

  1. 210 Raubüberfälle hat die Polizei 2015 in Freiburg gezählt – ein neuer Höchststand (Symbolbild). Foto: Thomas Kunz

Die Polizei sieht sich am Anschlag: "Wenn wir mehr Personal und mehr Finanzmittel hätten, könnten wir mehr Sicherheit produzieren", erklärte Polizeipräsident Bernhard Rotzinger am Dienstag bei der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik.

Zieht man die Verstöße gegen das Aufenthalts- und das Asylgesetz ab, hat die Polizei in Freiburg im vergangenen Jahr insgesamt rund 28 450 Straftaten registriert. Das sind gut 1700 Fälle mehr als im Jahr davor. Ein ganz deutlicher Teil der Kriminalitätszunahme in Freiburg resultiert aus der gestiegenen Zahl der Schwarzfahrer, dort wurden rund 1300 Fälle mehr registriert.

Aber: Freiburg führt die Kriminalitätstabelle im Land weiter deutlich an. Auf 100 000 Einwohner kommen 12 296 Straftaten. Zum Vergleich: In Mannheim liegt diese sogenannte Häufigkeitszahl bei 11 654, in Karlsruhe 11 106 und in Stuttgart 10 850 Straftaten. "Der Trend hat sich fortgesetzt, wir wollen nichts beschönigen", kommentierte Polizeipräsident Rotzinger die neuen Zahlen, die er mit seinen Stellvertretern Alfred Oschwald und Berthold Fingerlin präsentierte.

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Leichter Rückgang bei den Diebstählen

Zwei positive Nachrichten konnte die Polizei vermelden. Zum einen konnten im Stadtkreis Freiburg 60,3 Prozent der Straftaten aufgeklärt werden – die Quote stieg damit auf den höchsten Wert der vergangenen zehn Jahre. Deutlich nach unten ging die Zahl der Wohnungseinbrüche in Freiburg. 92 Fälle für 2015 weist die Statistik aus, was einem Rückgang von knapp 19 Prozent entspricht. Aufgeklärt wurde aber nur etwa jeder achte Einbruch.

Einen leichten Rückgang gab es bei den Diebstählen insgesamt. Zugenommen um 52 auf jetzt 958 Fälle hat die Gewaltkriminalität – es war im Übrigen das vierte Jahr in Folge, dass es in Freiburg in diesem Bereich ein Plus in der Bilanz gegeben hat. Von den 210 Raubüberfällen (plus 16 Fälle) konnten die Ermittler 90 (42,5 Prozent) aufklären. Die Erfolgsquote hier ist leicht gesunken. Bei 62 Prozent der Überfälle hatten die ermittelten Tatverdächtigen einen ausländischen Pass. Vier von zehn Tatverdächtigen waren jünger als 21 Jahre. Die meisten Opfer fanden die Räuber nachts auf deren Nachhauseweg, wie Kripochef Peter Egetemaier berichtete. Im Rückblick auf die vergangenen zehn Jahre bedeuten die 210 Raubüberfälle einen neuen Rekordwert. Im Vergleich zum Jahr 2006 beträgt die Zunahme sogar genau 50 Prozent.

Polizeipräsident Rotzinger: "Ressourcen sind erschöpft"

Die Stadtteile sind unterschiedlich von Kriminalität betroffen. Das heißeste Pflaster bleibt die Altstadt. Hier ereignen sich auf engem Raum knapp ein Drittel aller Straftaten in Freiburg. Auf den weiteren Plätzen als kriminellste Stadtteile folgen Haslach, der Stühlinger und die Wiehre. Bei der nach wie vor hohen Zahl der Körperverletzungsdelikte in der Altstadt waren 56,6 Prozent der Tatverdächtigen alkoholisiert – auch damit liegt Freiburg deutlich über dem Landesdurchschnitt.

Der Anteil der ausländischen Tatverdächtigen bei den Straftaten insgesamt in der Stadt liegt bei 38 Prozent, wenn man auch hier wieder die Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz herausrechnet. 4200 tatverdächtige Ausländer (im Vorjahr 3372) ermittelte die Polizei, rund 1160 davon Asylbewerber und Flüchtlinge. In dieser Personengruppe wurden 363 Fälle von Gewaltkriminalität aufgeklärt. 752 Fälschungsdelikte sind registriert – dahinter verbergen sich wieder die Schwarzfahrer.

Was kann die Polizei gegen die steigende Kriminalität tun? "Unsere Personalressourcen sind erschöpft", klagt Polizeipräsident Rotzinger und führt die 130 000 Überstunden, welche die Polizeibeamten präsidiumsweit angesammelt haben. Mit Blick auf die künftige Landesregierung formulierte er: "Wenn die innere Sicherheit eine Rolle spielen soll, muss bei Personal und Finanzen etwas passieren." Die Polizei in Freiburg brauche dringend Unterstützung, so ihr Chef.

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Autor: rö