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31. Januar 2014 22:00 Uhr

Mobile Imbisse

Freiburg hat seinen ersten "Food Truck"

In Amerika gibt es sie schon lange, in Deutschland werden sie gerade bekannt – und Freiburg hat auch schon einen: einen Food Truck. Doch die hippen Imbisse ein Problem: Gute Standplätze sind in Freiburg schwer zu finden.

  1. Die Imbisspioniere der neuen Generation: Anika Mundinger, Geoff de Forest und die kleine Lulu Foto: Thomas Kunz

Seit Mai vergangenen Jahres stehen Anika Mundinger und Geoff de Forest mit ihrem "Holy Taco Shack" auf dem Wochenmarkt im Rieselfeld. Aus einem aufwendig umgebauten Imbisswagen heraus verkaufen sie echtes mexikanisches Essen: alles frisch zubereitet, alles selbstgemacht, mit mexikanischer Tortillapresse und grüner Sauce aus selbstgezogenen Tamarillos. Schmeckt toll – so gar nicht nach Fastfood, obwohl es das ist. #

"Street Food", nennt es Geoff de Forest, gebürtiger US-Amerikaner. In Amerika gibt es das schon lange, in Deutschland wird es gerade bekannt. Ob veredelte Imbissbuden, umgebaute Transporter oder umgewidmete VW-Busse, Food Trucks gibt es inzwischen in vielen Städten. Der Name ist meist Programm: "Guerilla Gröstl" brutzelt in Nürnberg, "Möhren Milieu" serviert Suppe in Mainz, "Erna & Co." verkauft Maultaschen in Stuttgart und "Heißer Hobel" Kässpatzen in Berlin. Von normalen Imbissen unterscheiden sie sich im Aussehen, im Marketing und oft auch in der Qualität.

Zweiter Food Truck steht in der Startlöchern

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In Freiburg möchte neben dem "Holy Taco Shack" auch ein zweiter Food Truck an den Start gehen: Im Internet sammeln Claire Allgeier und Craig Walsh Geld für ihr "Streat Kitchen"-Projekt; sie wollen feine Suppen, Sandwiches und Burger anbieten. Wenn’s klappt, werden sie wahrscheinlich auf die gleichen Probleme stoßen wie die Kollegen vom mexikanischen Essen. Anika Mundinger: "Es ist unheimlich schwierig, einen guten Stellplatz zu kriegen." Denn nach internationalem Vorbild einfach am Straßenrand zu halten und auf Kunden zu warten, das geht gar nicht, sagt das Amt für öffentliche Ordnung.

Wer wo verkaufen darf, ist in Verordnungen geregelt. Auf privatem Gelände ist es kein Problem, wenn der Eigentümer die Erlaubnis dazu gibt. Das haben die klassischen Imbisse schon lange entdeckt. So hat etwa Mehmet Ulumaskan für seine "Grillstation IBO" mit Obi einen Vertrag geschlossen. Seit vier Jahren steht er von montags bis samstags vor dem Eingang des Obi-Markts in der Basler Landstraße in St. Georgen. Vorteil: Ihm ist sein Standplatz sicher.

Schwierige Suche nach einem Platz

Auch auf Wochenmärkten können sich Imbisse dazugesellen – falls noch Platz ist und die Konkurrenz nicht schneller war. Der "Holy Taco Shack" steht mittwochs und samstags auf dem Rieselfeld-Markt, "beim Stühlinger Markt und auf dem Wiehre-Markt ist es voll, und beim Vauban-Markt hat uns die Zuständige ziemlich unfreundlich abgebügelt", erzählt Anika Mundinger. Sie ist ein wenig entmutigt von der vergeblichen Suche. Auf dem Münstermarkt sind bei Imbissen ohnehin nur sieben Wurststände und ein Tofustand zugelassen – die Lange Rote ist ja traditionelles badisches Street Food.

Wer auf öffentlichen Plätzen stehen will, braucht eine Sondernutzungserlaubnis. Die zu bekommen ist nicht einfach. Da haben die großen Food Trucks die gleichen Probleme wie mobile Kaffeestände. Natalie Geiger und ihr Freund haben anderthalb Jahre lang versucht, für ihr selbstgebautes Kaffeefahrrad "Chuchu Coffee" eine solche Genehmigung zu bekommen. Etwa für den Augustinerplatz, wo sie an zwei Tagen zwei bis drei Stunden lang hochwertigen Kaffee zum Mitnehmen ausschenken wollten. "Es hieß, kein Kaffeeausschank möglich zum Schutz der umliegenden Gastronomen", sagt Geiger frustiert. "So war das überall. Ich hatte das Gefühl, wenn man keine persönlichen Beziehungen hat, kommt man nicht ins Geschäft." Auch Wochenmärkte waren mit mobilen Kaffeeanbietern bereits versorgt, ob mit "Apecafe", "Kaffee-Kiste" oder "Biosk-Mobil". Nun hat sich "Chuchu Coffee" auf Events wie Hochzeiten und Firmenfeiern verlegt: "Wenigstens das klappt super."

"Noch einen Tag auf einem anderen Wochenmarkt, das wäre schon schön", meint Anika Mundinger. Auf dem Rieselfeld-Markt kommt ihr "Street Food" jedenfalls prima an – die samstäglichen Schlangen vor dem "Holy Taco Shack" zeigen das. Zur Straßenfasnet vom 3. bis 5. März wird der hippe Imbiss erstmals auf der Kaiser-Joseph-Straße stehen und Tacos, Burritos und Quesadillas an die Narren ausgeben. Und die ersten Betriebe haben auch schon angefragt: Deren Mitarbeiter fuhren in der Mittagspause extra ins Rieselfeld – nun kommt das Mittagessen auf den Betriebsparkplatz.

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Autor: Simone Lutz