Platz der Alten Synagoge

Freiburg kündigt Vorschläge für den Gedenkbrunnen an – nach der Sommerpause

Uwe Mauch

Von Uwe Mauch

Do, 12. Juli 2018 um 17:17 Uhr

Freiburg

Es gibt eine Einigung: die Fundamentreste der Alten Synagoge sollen in einem NS-Dokuzentrum ausgestellt werden. Für einen würdevollen Umgang mit dem Brunnen kündigte die Stadt Vorschläge an.

Die Erleichterung unter den Mitgliedern des Gemeinderats war spürbar. Alle Fraktionen dankten den beiden jüdischen Gemeinden, dass sie bereit sind, den Streit um die Steine der Alten Synagoge beizulegen. Die Stadträte begrüßten die Lösung, zu der das monatelange Dialogverfahren geführt hat: die Präsentation der Fundamentreste in einem neuen NS-Dokumentationszentrum. Ungelöst ist nach wie vor, wie ein würdevoller Umgang mit dem Erinnerungsbrunnen gewährleistet werden könnte. Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach kündigte Vorschläge nach der Sommerpause an.

Entschuldigung für den Mangel an Nachdenklichkeit

Das Dialogverfahren habe nachgeholt, was im Herbst 2016 nicht habe geleistet werden können, sagte SPD-Stadträtin Türkan Karakurt in der Sitzung am Dienstagabend. Damals wurden bei der Umgestaltung des Platzes zwischen Stadttheater und Kollegiengebäude II die Fundamentreste der Alten Synagoge entdeckt, die von Nazis am 9. November 1938 niedergebrannt worden war. Es folgte ein Baustopp – der Gemeinderat gab schließlich mehrheitlich der Stadtverwaltung politische Rückendeckung, die aus technischen und finanziellen Gründen die Arbeiten fortsetzen wollte. Am 2. November ging es weiter.

Dafür entschuldigte sich Grünen-Fraktionschefin Maria Viethen: "Ich bedauere, dass wir nicht zumindest bis zum 9. November gewartet haben." Dem Tag, an dem die jüdische Gemeinde an die Reichspogromnacht erinnert. Es habe Verletzungen gegeben trotz Bemühens auf allen Seiten. Klaus-Dieter Rückauer (Freiburg Lebenswert / Für Freiburg) attestierte einen "gravierenden Mangel an kultureller Empfindung und Nachdenklichkeit". Er könne nicht verstehen, warum der Baustopp gerade mal eine Woche vor dem 9. November aufgehoben wurde.



Nun also sollen die gefundenen Steine in einem noch zu realisierenden NS-Dokumentationszentrum aufbewahrt werden. Quer durch die Fraktionen gab es Lob für die jüdischen Gemeinden und den konstruktiven Dialog. Wären die Reste des Synagogenfundaments auf dem Platz verblieben, hätte das einen respektvollen Umgang keinesfalls gewährleistet, fürchtet CDU-Stadträtin Carolin Jenkner.

OB Horn lehnt ein Betretungsverbot für den Brunnen ab

Wie die Menschen zu einem würdevollen Umgang mit dem Brunnen zu bewegen sind, dessen Grundriss die Synagoge darstellt, will Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach in wenigen Monaten vorstellen. In der Sitzung äußerte er sich optimistisch. Nach dem großen BZ-Bericht vom vergangenen Samstag sei während des Tags der Musik drei bis vier Stunden lang niemand im Brunnen gewesen. Die Fraktionen, die verschiedene Forderungen formuliert hatten wie zum Beispiel Symposium oder Kunstwettbewerb, stellten die entsprechenden Anträge erst einmal zurück.



"Die Frage des Erinnerns ist im Interesse der Gesamtstadt und keineswegs nur der jüdischen Gemeinden", sagte Stadtrat Michael Moos (Unabhängige Listen). Es brauche einen Lernort, der zeigt, "wohin die Zerstörung von Demokratie und Rechtsstaat, wohin Rassismus und Nationalismus führen".

Und der neue Oberbürgermeister Martin Horn? Auf Nachfrage der BZ teilte er mit, er unterstütze das Konzept, die Steine als zentralen Bestandteil eines NS-Dokumentationszentrums zu präsentieren. Ein Betretungsverbot für den Synagogenbrunnen lehne er ab. Das wollten auch die jüdischen Gemeinden nicht.

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