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03. April 2011 20:15 Uhr

Läufer mit Down-Syndrom

Freiburg-Marathon 2011: Mit Spaß und Wassergürtel ins Ziel

Beim Freiburg-Marathon 2011 gibt es viele Gewinner – ganz gewiss nicht nur Judith Iseler und Nils Schallner, die das Rennen über die 42,195 Kilometer für sich entschieden. Wir haben zwei ganz besondere Starter begleitet.

  1. Konstantin Thiel und Carolin Kögel (linkes Bild in der Mitte) sind gestern mit Trainer Thomas Münnich (links) und Anita Kinle (rechts) beim Halbmarathon mitgelaufen. Foto: Rita Eggstein

Beim Freiburger Halbmarathon liefen auch zwei Läufer mit Down-Syndrom ins Ziel. Sie gehören zum "Laufclub Down-Syndrom Marathonstaffel e.V." ("Laufclub 21") aus dem bayerischen Fürth und sind nur zwei von über 30 Mitgliedern deutschlandweit. Mit der Teilnahme an Laufveranstaltungen wollen sie in der Öffentlichkeit zeigen, dass sie mitten in die Gesellschaft gehören.

"Gib’ mir Five" ruft Konstantin Thiel in den Startblock B an der Neuen Messe. Er ist heiß auf seinen zweiten Halbmarathon und klatscht beim Countdown vorm Startschuss am lautesten mit. Gut ausgerüstet geht auch seine Laufclubkameradin Carolin Kögel auf die 21 Kilometer lange Strecke. Für beide Down-Syndrom-Läufer ist der Wassergürtel Pflicht, da sie viel trinken müssen. Die 26-jährige Carolin ist mit Apfelschorle versorgt und Konstantin hat Magnesium in den kleinen Flaschen dabei. "Das macht gute Laune", erklärt er die Vorteile. Genauso wie die Musik. Immer wieder wippt und rappt der 28-Jährige mit den Bands auf der Strecke mit. So singt er im Laufen ein Lied von Peter Fox, und meint später: "Ich steh auf Hip Hop." Für Späße ist er immer zu haben. Auf der "Blauen Brücke" ruft er in Richtung Café Velo: "Ein Kaffee bitte, aber extra schwarz."

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Sein Trainer Thomas Münnich begleitet ihn. Zuhause in Fürth trainieren sie immer am Wochenende – wenn gerade keine Laufveranstaltung ist. Seit 2008 ist Konstantin Thiel beim "Laufclub 21", den Anita Kinle vor vier Jahren zusammen mit ihrem Ehemann gründete. Die engagierte Läuferin hatte gelesen, dass ein Engländer mit Down Syndrom einen Marathon absolvierte. Daraufhin ergriff sie die Initiative und rief den Laufclub ins Leben. Das Ziel ist, bei den Läufen in ganz Deutschland ein zeitgemäßes Bild von Menschen mit Down-Syndrom zu vermitteln. Es gehe nicht darum Mitleid zu erzeugen, erzählt Anita Kinle, sondern zu beweisen, dass sie dazu gehören. Dabei ist das Laufen der beste Integrationssport. Um den Menschen die Angst zu nehmen und bei Down-Syndrom zu helfen, hat Kinle 2010 eine Beratungsstelle eröffnet. Beim (Halb)Marathon werden dafür Spenden gesammelt. Organisatoren unterstützen den Laufclub mit Freistarts, kostümierte Marathoni wie "Pumuckl" Dietmar Mücke und andere verteilen Infos und Süßes an die Zuschauer und sammeln so Geldspenden auf der Strecke.

Dort konzentrieren sich Carolin Kögel, die bereits zum fünften Mal bei einem Halbmarathon startet und Konstantin Thiel ganz auf ihren Lauf. Der Halb-Grieche ist vom Freiburger Publikum begeistert. In der Innenstadt winkt er und ballt die Faust: "Alle Leute mögen mich!" Kein Wunder, bei einer solchen Ausdauerleistung. Wenn er nicht gerade an einem Lauf teilnimmt, arbeitet er in der Küche bei der Lebenshilfe in Nürnberg, wo er auch wohnt. An der ganzen Strecke applaudieren Zuschauer, in Herdern stehen Anwohner mit Gartenschläuchen: Für die Genussläufer vom "Laufclub 21", eine willkommene Erfrischung.

Carolin Kögel und Konstantin Thiel, laufen ganz ruhig ihr Tempo. Letzterer ist noch bei Kilometer 18 so fit, dass er einer Zuschauerin Komplimente machen kann. "Hallo schöne Frau", ruft er ihr zu, verbeugt sich und hebt seine Laufmütze zum ersten Mal im Rennen. Neben ihm quälen sich andere Läufer schon Richtung Ziel. Dort freut er sich, genau wie Carolin Kögel, auf die Medaille und ein leckeres Eis, das sich beide an diesem Sonntag mehr als verdient haben.

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Autor: Fabian Vögtle