Erneuerbare Energien

Freiburg plant Windräder an flauen Orten

Joachim Röderer

Von Joachim Röderer

Mo, 05. Oktober 2015 um 11:03 Uhr

Freiburg

Die Stadt Freiburg will den Anteil der Windkraft an der Stromerzeugung bis 2020 verzehnfachen. Dafür müssten etwa zehn neue Windräder gebaut werden. Doch die Aussichten sind nicht rosig.

Im Gemeinderat werden am Dienstag 18 mögliche Standorte mit Potenzial für Windkraftnutzung vorgestellt. Viele dieser Flächen halten Experten aber für ungeeignet und unwirtschaftlich, weil dort zu wenig Wind weht. Der Knackpunkt: Windstarke Standorte wurden wegen Konflikten mit dem Artenschutz ausgeschlossen.

"Das Vorhaben ist ambitioniert, aber angesichts der technischen Entwicklung nicht unmöglich." Eckart Friebis
Sechs Windräder drehen sich derzeit am Rosskopf und am Schauinsland. Fünf dieser Windkraftwerke stehen auf Freiburger Gemarkung und liefern derzeit 10,2 Gigawattstunden (GWh) Strom pro Jahr. Bezogen auf den Stromverbrauch in Freiburg von 1010 GWh pro Jahr decken die Mühlen lediglich ein dünnes Prozent des Bedarfs ab. Viel zu wenig – wenn die Stadt ihre ehrgeizigen Klimaschutzziele erreichen will. Deswegen plant die Stadtverwaltung nun die große Windkraftoffensive. In fünf Jahren sollen zehn Prozent des Stromverbrauchs durch die Windenergie gedeckt werden, bis zum Jahr 2030 dann sogar 15 Prozent.

"Das Vorhaben ist ambitioniert, aber angesichts der technischen Entwicklung nicht unmöglich", sagt Grünen-Stadtrat und Windkraft-Fachmann Eckart Friebis. Moderne Windräder seien viel leistungsfähiger als die, die heute an Rosskopf und Schauinsland stehen. Diese Mühlen sind 133 Meter hoch, die neuen kommen auf 200 Meter. "Eine einzige Anlage des modernen Typs kann an einem guten Standort auf den Berghöhen eine ähnliche Stromausbeute bringen wie alle fünf bisherigen Anlagen zusammen", rechnet Friebis vor. Um die angepeilten zehn Prozent bis 2020 zu erreichen, müssten zehn neue Windmühlen errichtet werden. Möglich wäre theoretisch auch ein "Repowering" – also ein Ersetzen der alten durch leistungsstärkere Windräder der neuen Generation. Doch dafür sind die Freiburger Windmühlen noch zu jung.
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Die Stadtverwaltung jedenfalls hat mit Hilfe externer Gutachter nun neue potentielle Standorte untersucht. In die vorläufige Auswahl schafften es acht Flächen am Schauinsland, sieben am Rosskopf, zwei am Lorettoberg und eine am nördlichen Tuniberg. Ausgeschlossen wurden die Flächen, bei denen es Konflikte mit dem Artenschutz gibt. Ein Beispiel: Der auf 1100 Metern Höhe gelegene Ochsenberg am Schauinsland – vor Jahren schon dem Umweltminister bei dessen Freiburg-Besuch als neuer Windkraftstandort vorgeführt – flog von der Liste. Dort in der Nähe brütet ein Wanderfalkenpaar.

Was bei der Prüfung übrig blieb, befriedigt die Windkraftbetreiber nicht: "Ein erheblicher Teil der Flächen ist zu windschwach", urteilt Andreas Markowsky, Geschäftsführer der Ökostromgruppe Freiburg, die zahlreiche Windkraftanlagen in der Region betreibt. Er nennt als Beispiel den vorgeschlagenen Standort am Rosskopf, der im Schatten der bestehenden Anlagen stehe und deswegen miserable Werte haben: "Wir haben dort gemessen", so Markowsky. Viele gute Flächen seien mit Blick auf den Artenschutz aussortiert worden. Am meisten Wind bläst auf dem Schauinsland-Gipfel am Keidel-Turm. Aber der Standort ist – wie andere auch – tabu, weil sich dort ein Naturschutzgebiet befindet. Übrig geblieben seien viele "halblebige Standorte", bei denen es weniger Konflikte gebe, so Markowsky: "Die Frage ist, welchen Weg will Freiburg gehen?"

"Die Frage ist, welchen Weg will Freiburg gehen?" Andreas Markowsky
Die benötigte Mindestwindgeschwindigkeit in 100 Metern Höhe über dem Boden muss 5,5 Meter pro Sekunde betragen. Stadtrat Friebis hat angeregt, die Windgeschwindigkeiten aus dem Windatlas in die Flächenvorschläge der Verwaltung einzutragen, um so eine bessere Grundlage für den Abwägungsprozess zu schaffen. "Ein höheres Windpotenzial rechtfertigt ein höheres Konfliktpotenzial", meint Friebis. Er fordert auch, dass mögliche Investoren frühzeitig eingebunden und beim Beurteilen der Flächen gehört werden sollen.

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