Pilotprojekt

Freiburg will beim Wohnraum mit Umland kooperieren

Sebastian Wolfrum

Von Sebastian Wolfrum

Do, 22. Juni 2017 um 18:11 Uhr

Freiburg

Nicht nur Freiburg, die ganze Region boomt. Immer mehr Menschen ziehen hier her. Die Stadt ist an die Grenzen ihres Wachstums gestoßen. Nun startet ein Pilotprojekt mit dem Umland.

Der Druck lastet schon lang nicht mehr allein auf Freiburg. Seit Jahren ist der Zuzug in die gesamte Region enorm. Das mag viele gute Gründe haben, die Wirtschaftskraft ist hoch, ebenso die Lebensqualität – doch das Wachstum hat Folgen. Besonders zu spüren bekommen das Menschen, die auf der Suche nach einer Mietwohnung oder einer Immobilie sind. Die Preise sind hoch und steigen weiter. Und die Wohnungsnot macht nicht an Gemarkungsgrenzen Halt.

Freiburg und sechs Gemeinden in den Landkreisen Breisgau-Hochschwarzwald und Emmendingen starten jetzt ein Pilotprojekt, bei dem dem Problem regional begegnet werden soll. Beteiligt sind außerdem das Land sowie das Regierungspräsidium und der Regionalverband Südlicher Oberrhein. Ein Kniff dabei ist, dass Freiburg seinen überschüssigen Wohnbedarf sozusagen an Gemeinden abtreten kann.

Pläne für neue Baugebiete

Denn eigentlich sind im Regionalplan und im Landesentwicklungsplan festgeschrieben, welche Gemeinde wie viele Flächen für neue Baugebiete ausweisen darf. Nach diesen Plänen dürfte Freiburg mehr Flächen bebauen, als es überhaupt zur Verfügung hat. Gleichzeitig dürften kleine Gemeinden so gut wie keine Baugebiete schaffen. Und das, obwohl viele Menschen auf das Umland ausweichen, weil sie in Freiburg keinen Wohnraum finden. Heitersheim etwa ist per Definition eine Gemeinde im ländlichen Raum, entsprechend beschränkt ist die Möglichkeit zu wachsen.

Dabei ist man von hier aus mit der Bahn in 15 Minuten am Freiburger Hauptbahnhof. Mit dem Kooperationsmodell könnte Abhilfe geschaffen werden. Die Planer haben mit den sechs Gemeinden Potential von bis zu 35 Hektar Baugebiet ausgemacht. Diese Zahl ist allerdings nicht ganz trennscharf, sie beinhaltet bestehende Erweiterungsflächen und solche, die zusätzlich hinzukommen könnten. Das Projekt kostet zunächst 70.000 Euro, 35.000 Euro übernimmt das Land, der Rest wird unter den Teilnehmern aufgeteilt. Zu dem Projekt können noch weitere Gemeinden hinzustoßen.

"Wir können die Probleme nur gemeinsam lösen" Heinz-Rudolf Hagenacker
"Wir können die Probleme nur gemeinsam lösen", sagt Teningens Bürgermeister Heinz-Rudolf Hagenacker. Auch seine Gemeinde ist von den Entwicklungsplänen eingeschränkt, was Wachstum angeht. Der Gemeinderat Teningens hat nahezu einstimmig dafür gestimmt, sich an dem Projekt zu beteiligen. In anderen Gemeinden trifft die interkommunale Zusammenarbeit auf mehr Skepsis. Vielerorts wird befürchtet, es würde einfach Bauland an den großen Nachbarn abtreten.

"Die Planungshoheit bleibt bei den einzelnen Kommunen", sagt Freiburgs Baubürgermeister Martin Haag. Es sei nicht so, dass Gemeinden an Freiburger Bauvorschriften gebunden wären. Folgekosten, etwa für Kinderbetreuung, könnten geteilt werden. Jede Gemeinde könnte ihre eigene Vereinbarung mit der Stadt treffen, hieß es bei der Vorstellung des Konzepts am Mittwoch. Beide Seiten sollen profitieren. Den Beteiligten ist klar, dass es eine Weile dauern wird, bis aus dem Projekt auch Wohnraum entsteht.

Regionales Ökokonto angedacht

Bei dem Projekt geht es aber nicht allein um Wohnraum. Es geht auch darum, die regionale Zusammenarbeit zu verbessern. Denn Gemarkungsgrenzen verlieren in der Region auch in anderen Bereichen an Bedeutung, etwa bei der Schulentwicklung. Auch ein regionales Ökokonto wird angedacht sowie eine Zusammenarbeit bei Ausgleichsflächen.

Und das Projekt soll auch ein politisches Signal in Richtung Stuttgart sein. Die Landespolitik soll Freiburg und das Umland als die verwobene Region wahrnehmen, die sie ist. Das politische Gewicht der Region soll gesteigert werden, so die Hoffnung.

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