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07. Dezember 2010

Freiburger Bildungsbericht: Gute Note für die Bildung

Der zweite Freiburger Bildungsbericht zeigt prima Fortschritte auf, benennt aber auch neuen Handlungsbedarf.

  1. Von kritischer Masse kann keine Rede sein: Die Probleme im Bereich Schule sind kleiner. Foto: thomas kunz

Freiburg hat seine Hausaufgaben gemacht. Das sagte Bildungsforscher Hans Döbert gestern bei der Präsentation des zweiten Bildungsberichts der Stadtverwaltung. Der zeigt klare Fortschritte für Schüler mit Migrationshintergrund. "Wir sind auf dem Weg, so etwas wie Bildungsgerechtigkeit herzustellen, ein Stück weiter", so OB Dieter Salomon. Der Bericht zeigt auch, dass viel zu tun ist – auf alten und neu entdeckten Problemfeldern.

Die Studie bildet die Entwicklung seit dem ersten Bildungsbericht 2008 ab. Der hatte unter anderem offenbart, dass Migrantenkinder auch im grünen Freiburg schlechtere Bildungschancen haben als ihre deutschen Mitschüler, und Freiburg die Stadt der Sitzenbleiber ist. Jetzt liegt die Version 2010 vor. Die gute Nachricht: Ein Drittel weniger Schüler ist sitzen geblieben. Die richtig gute: Der Anteil ausländischer Jugendlicher, die ohne Abschluss von der Schule gehen, hat sich halbiert (innert zwei Jahren auf 12,5 Prozent 2009; das sind noch 40 Jugendliche). Und ausländische Viertklässler haben gleich oft aufs Gymnasium gewechselt wie auf die Hauptschule. Das bricht einen langjährigen Trend. Die schlechte Nachricht: Die Hauptschule bleibt bei allen ausländischen Schülern die meist besuchte Schulart.

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Noch Entwicklungsbedarf bei den Ganztagsangeboten

Auch bei den Angeboten in Kindertagesstätten hat sich eine Menge getan, stellte Döbert fest, Professor vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung in Berlin. Gleichwohl sieht er wie die anderen Studienmacher das Ausbauziel für die unter Dreijährigen in Freiburg nicht erreicht. "Da muss ein Akzent gesetzt werden", sagte Döbert. Entwicklungsbedarf bestehe auch für Ganztagsangebote an Grund- und weiterführenden Schulen. Diese seien zentral, um benachteiligte Jugendliche zu fördern. Döbert riet der Stadt: "Machen Sie viel mehr in der frühkindlichen Förderung. Und wir brauchen nicht nur Ganztagsschulen, sondern auch pädagogische Konzepte." Schulbürgermeisterin Gerda Stuchlik nickte, sagte aber auf die Frage nach der Finanzierung: "Da tun wir uns schwer." Die Verwaltung hat ein Konzept für den Ausbau der Ganztagsschulen ausgearbeitet. Salomon zeigte sich zuversichtlich, dass der Gemeinderat in den Etatberatungen einen Schwerpunkt bei Bildung setzen wird.

Weiteren Handlungsbedarf für mehr Bildungsgerechtigkeit deckt der neue Bericht mit einem Blick in die Stadtteile auf. In acht Quartieren hat jedes zweite Kind Migrationshintergrund. Und wo viele Menschen mit Hartz IV oder Migrationshintergrund leben, wechseln wenig Grundschüler auf Realschulen oder Gymnasien. Hotspots liegen im Westen der Stadt (die BZ wird berichten).

Stuchlik kündigte an, dass nun diskutiert werde, welche Konsequenzen gezogen werden müssten. Als Folge des ersten Berichts stehen jährlich 400 000 Euro für Sprachförderung in Kitas bereit. "Aber wir können auch stolz sein." Die Gründe für die Erfolge seien vielfältig: Probleme erkennen, mit Schulen Lösungen suchen, Fortbilden und das Bemühen von Lehrern über Leselernpaten bis zum Landesbeamten. "Die Richtung stimmt ganz eindeutig", sagte Günter Weng vom Regierungspräsidium. Auch Döbert stellte ein Gesamtzeugnis aus: "Alle in der Stadt haben ihre Hausaufgaben gemacht, sogar gut."

BILDUNGSBERICHT 2010: Die Studie in Zahlen

Der Freiburger Bildungsbericht ist erstmals 2008 herausgekommen und wird teils noch heute diskutiert. Er bietet eine Basis für die städtische Bildungspolitik. Der Bericht 2010 ist 130 Seiten dick (ohne das umfassende Tabellenmaterial), wurde vom Regionalen Bildungsbüro und der Initiative Leif (Lernen erleben in Freiburg) in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung in Berlin und der Uni Göttingen erstellt. Er schreibt den ersten Bericht fort – wobei zum Teil unterschiedliche Zeiträume ausgewertet werden – und hat nun auch Daten zur sonderpädagogischen Förderung und beruflichen Schulen aufgenommen.

Ausgewählte Zahlen:

Bei den Kindertageseinrichtungen

wurden dieses Jahr 146 Plätze für die drei- bis siebenjährigen Kinder geschaffen und 240 neue Plätze für unter Dreijährige. Das bleibt hinter dem Ausbauziel für 2010 zurück.

In Freiburg besuchten 2009/10 rund 25 000 Schüler allgemeinbildende Schulen, 18 000 gingen auf berufliche Schulen (öffentliche und private).

Übergangsquoten Grundschule 2009/10 (2007/08):
Hauptschule: 13 Prozent (16 Prozent)
Realschule: 23 Prozent (21)
Gymnasium: 54 Prozent (51)
Sonst (Gesamt-, Waldorfschule): 10 (12)
Übergang ausländischer Kinder:
Hauptschulen: 36 Prozent (46)
Realschulen: 28 Prozent (26)
Gymnasien: 36 Prozent (28)
Wiederholer 2008/09 (2007/08):
Hauptschule: 1,8 Prozent (2,9)
Realschule: 4,2 (5,6)
Gymnasium: 1,5 (2,6)

absolute Zahl: 276 Schüler (423 Schüler)

Der nächste Bericht soll 2012 erscheinen.

Der Bildungsbericht im Netz unter: http://www.freiburg.de/bildungsbericht
 

Autor: sh

Autor: Simone Höhl