Digitalisierung

Freiburger Friedrich-Gymnasium ist für digitales Lernen ausgezeichnet worden

Constantin Hegel

Von Constantin Hegel

Di, 20. März 2018

Freiburg

2015 bekam das Friedrich-Gymnasium den deutschen Lehrpreis. Momentan läuft der nächste Schritt der Digitalisierung: Tablets für Lehrer und Schüler. Und prompt folgt die nächste Auszeichnung: Die Schule wurde als „Smart-School“ prämiert.

FREIBURG-HERDERN. Ein Klassenzimmer im Friedrich-Gymnasium. Doch irgendwas fehlt: der Tageslichtprojektor. Das technische Hilfsmittel, durch das Generationen von Schülern Geometrie, Geographie und Geschichte an die Wand geworfen bekamen, ist hier selbst Geschichte. 2015 führte Patrick Bronner mit Kollegen probeweise das Smartphone als Lehrmittel im Unterricht ein. Dafür bekamen sie den deutschen Lehrerpreis. Jetzt läuft der nächste Schritt der Digitalisierung: Tablets für Lehrer und Schüler. Und prompt folgt die nächste Auszeichnung: Die Schule wurde am Montag von Bitkom, dem Verband der Informations- und Telekommunikationsbranche, als eine von 20 Schulen in Deutschland als "Smart-School" prämiert. Als Preis gibt es Glasfaserkabel für das gesamte Gebäude.

Lehrer benutzen an der Schule schon seit Juni Tablets. Im Dezember kamen die Geräte für zwei siebte Klassen dazu – gestellt als Modellversuch vom Kultusministerium. 60 Schülerinnen und Schüler verwenden seitdem das digitale Hilfsmittel im Unterricht. Für Matheaufgaben, als Vokabeltrainer oder zum Abspielen von Musikstücken sind sie vielseitig einsetzbar. Auch die Hausaufgaben schickt der Lehrer direkt auf die Geräte der Schüler. Er kann überprüfen, welcher Schüler welche Aufgabe richtig gelöst hat. Und zum Leidwesen manchen Drückebergers auch, ob Hausaufgaben gar nicht gemacht wurden. Auf einer Halterung befestigt machen die Tablets sogar den Tageslichtprojektor überflüssig. Auch den Tafeln geht es wohl in naher Zukunft an den Kragen. Die neue Technik benötigt lediglich WLAN und einen Beamer – und die sind am Friedrichgymnasium bereits in jedem Klassenzimmer installiert.

Projektleiter Patrick Bronner weiß um die Bedenken vieler Digitalisierungs-Kritiker. Die Schule setzt auf die Koexistenz mit traditionellen Unterrichtsmethoden. "Wir möchten eine gesunde Mischung", sagt der Lehrer für Mathe und Physik. Im Durchschnitt werden die Tablets 15 Minuten pro Doppelstunde eingesetzt. Für Schreibaufgaben benutzen die Schüler weiterhin das klassische Heft. "Wir wollen nicht", erklärt Bronner, "dass das Schreiben verlernt wird." Insgesamt sind vier weitere seiner Kollegen damit beschäftigt, die Technik mit eigenem Server im Keller am Laufen zu halten.

Die Förderung durch den jetzt erhaltenen Preis kommt ihnen deshalb gerade recht. Die Auszeichnung wurde an 20 deutsche Schulen während der Bildungskonferenz in Berlin verliehen. Auch FDP-Chef Christian Lindner hielt dort eine Rede zu seinem Spezialgebiet, der Digitalisierung. Die Förderung gliedert sich in drei Bereiche: IT-Experten bieten Workshops am Gymnasium für Schüler, Lehrer und Eltern an, um den Umgang mit Tablets schulen. Die Server der Schule werden an das Hasso-Plattner-Institut in Berlin ausgelagert, was eine erhebliche Arbeitserleichterung für Bronner und seine Kollegen ist. Und drittens: das gesamte Gebäude wird mit modernen Glasfaserkabeln für eine schnellere Verbindung ausgestattet.

Schulleiter Stefan Gönnheimer und Stellvertreterin Jutta Winnes-Goller sind zufrieden. "Unser Slogan ist: die Kinder fit für die Zukunft zu machen", sagt Winnes-Goller. Vor allem freuen sie sich darüber, dass alle Lehrer von dem Konzept überzeugt werden konnten. Manche der Lehrkräfte sprechen von einer "Revolution", einige wenige nutzen die neuen Angebote nur bedingt. Umgestellt wird der Unterricht ohnehin nicht. "Die Tablets sind nur ein ergänzendes Element", erklärt Gönnheimer, "wo man mit klassischen Lehrmethoden nicht weiterkommt." Auch in Zukunft gilt: Der Schlüssel zum erfolgreichen Unterricht ist nicht der Einsatz von Tablets, sondern bleibt der motivierte Lehrer.