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06. September 2009 18:08 Uhr

Nimburger Baggersee

Freiburger knackt Rekord im Apnoe-Tauchen

Der deutsche Rekord im Apnoe-Streckentauchen im See ist gebrochen. Im Nimburger Baggersee purzelten am Sonntag die Bestmarken. Ganz vorne dabei: Christophe Eisenhauer – eine Freiburger Lunge.

  1. Unter Wasser: Die nächsten 132 Meter geht’s ohne Luft! Foto: Tauchcenter Freiburg / Holger Hambrecht

  2. Lichtpunkte dienen der Orientierung. Foto: Tauchcenter Freiburg / Holger Hambrecht

TENINGEN-NIMBURG. Der deutsche Rekord im Apnoe-Streckentauchen im See ist gebrochen - und das gleich dreimal. Christophe Eisenhauer hat am Sonntagmorgen im Nimburger Baggersee eine Strecke von 132 Metern zurückgelegt, nur beim Start durfte er einmal tief Luftholen. Seine Kollegin Barbara Jeschke lag mit 128 Metern nur knapp dahinter. Dafür holte sie gar zwei neue Rekorde der Frauen.

Das Prinzip Apnoe-Tauchen ist eigentlich ziemlich einfach. "Wer kann am längsten die Luft anhalten", ist die einfache Formel hinter den zahllosen Disziplinen dieses langsam bekannter werdenden Tauchsports, so auch am Sonntagmorgen im 22 Grad warmen Nimburger Baggersee. Zwei Athleten waren angetreten, um den deutschen Rekord im Streckentauchen ohne Luft zu holen in einem See zu knacken. Für Männer lag er in der Disziplin mit Schwimmflosse bei 126 Metern, für Frauen bei 112 Metern.

"In einem See werden in der Regel kürzere Strecken als in einem Becken erreicht", erklärt Nik Linder, Rekord-Organisator des Tauchcenters Freiburg, die Tücken der Disziplin. Während im Becken nämlich immer gleiche Temperaturen und vor allem gute Sicht herrschen, ist beides im See unwägbar. So kommt es, dass der Weltrekord mit Flossen im Becken bei 250 Metern liegt, deutlich mehr als die jetzt im See erbrachte Leistung.

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Trotzdem ist der Taucherfolg von Christophe Eisenhauer eine Höchstleistung. Am frühen Sonntagmorgen war der Freiburger mit seiner Kollegin Barbara Jeschke aus Leinfelden-Echterdingen angereist, um den Rekord zu knacken. Fünf Monate Training waren dem Versuch vorangegangen. Mit dabei waren die Organisatoren der Veranstaltung, ein paar Dutzend Zuschauer, ein Vertreter des Verbandes der Freitaucher, genannt Aida. Rettungsschwimmer und ein Arzt des DLRG sorgten für die nötige Sicherheit. "Apnoe-Tauchen ist nicht ganz ohne Gefahren" gab dann auch Organisator Linder zu. Manche Sportler gehen so an ihre Grenzen, dass sie wegen Sauerstoffmangels ohnmächtig werden. Da muss schnell Hilfe zur Stelle sein.

Am Sonntag ging es zum Glück ohne solche Zwischenfälle. Kurz nach halb neun machte sich Rekordversuchler Eisenhauer auf einem Brett zum Startpunkt in der Mitte des Sees auf. Dort hieß es dann nochmal volle Konzentration und vor allem tief Luftholen. Dann ging es los. Begleitet von einem Juror, der darauf achtete, das sich Eisenhauer nicht an dem zur Orientierung gespannten Seil entlang hangelt oder gar zwischendurch Luft holt, tauchte Eisenhauer in Richtung Ufer. Für alle Fälle legte auch ein Rettungstaucher parallel die Strecke zurück. "Nach etwa 30 Metern kam dann der Atemreiz", sagt Eisenhauer nach dem geglückten Rekordversuch. Da hieß es mit eisernem Willen dem Drang zu Atmen zu widerstehen. Erst nachdem mehr als das Dreifache dieser Strecke zurückgelegt war, hielt er es nicht mehr aus. "Ich habe gewusst, dass die 125 Meter vorbei waren", sagt Eisenhauer später, der sich während des Versuchs an Entfernungsmarken unter Wasser orientieren konnte.

Für einen geglückten Versuch ist aber noch etwas mehr nötig: Eisenhauer musste auch zeigen, dass er noch gut bei Sinnen ist. Binnen 15 Sekunden nach dem Tauchgang musste er die Taucherbrille abnehmen und die Worte "I'm okay" sprechen. Dann erst bekam er die weiße Karte zu sehen.

Eisenhauer kam am Sonntag ganz schön ins Schwitzen, als er seine Kollegin in derselben Disziplin der Frauen loslegen sah. Mit atemberaubendem Tempo legte Barbara Jeschke am Ende 128 Meter unter Wasser hin - und kam Eisenhauer damit gefährlich nahe. Die 54-jährige stellte somit den gültigen deutschen Rekord der Frauen auf. Und wagte sich gleich nochmal ins Wasser. Ohne Flossen tauchte Jeschke luftlos ganze 77 Meter. Das war als Sahnehäubchen ein weiterer deutscher Rekord. Für flossenloses Tauchen lag dieser zuvor bei 69 Metern.

Autor: Hagen Schönherr