Freiburger messen mit Radarwellen extrem genau

Ursula Thomas-Stein

Von Ursula Thomas-Stein

Di, 30. Oktober 2018

Freiburg

BZ-SERIE FREIBURGER START-UPS (8): Smarte Sensoren von Ondosense stoßen in der Industrie auf lebhaftes Interesse.

FREIBURG-HASLACH. Radartechnik ist nicht neu. Man kennt sie zum Beispiel von der Geschwindigkeitsmessung bei Verkehrskontrollen und der Distanzmessung bei Einparkhilfen. Jetzt hat ein Freiburger Start-up Radarwellen als Basis für die Industriesensorik weiterentwickelt. Das Innovative dabei: extreme Genauigkeit, selbstlernende Algorithmen und die Netzwerkfähigkeit.

"Unsere Sensoren sind bis zu einem Mikrometer genau", erklärt Axel Hülsmann (59), einer der drei Gründer von Ondosense und Entwickler der Hardware. "Wir haben die Signalverarbeitung mit selbstlernenden Algorithmen optimiert." Ein Mikrometer ist ein Tausendstel eines Millimeters. Dies mache Ondosense-Radarsensoren für die Industrie besonders interessant, führt der Elektrotechniker weiter aus – für präzise Distanzmessungen, Werkstoffprüfungen, die Analyse von Flüssigkeiten und sogar beim Arbeitsschutz, wenn Menschen mit Maschinen umgehen. Zudem sei die Radarantenne sehr tolerant gegenüber Schmutz und könne auch bei schwierigen Lichtverhältnissen zuverlässig messen, etwa wenn Rauch oder Dampf im Spiel sind. Optische Sensoren seien da mit ihrer Linse deutlich empfindlicher.

"Es ist eine Marktlücke und wir haben praktisch keine Konkurrenz", freut sich Hülsmann. Er war jahrelang Forscher am Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik (IAF) in Freiburg, im Februar hat er dort als Gruppenleiter aufgehört. "Du bist ja verrückt, du gehst doch in ein paar Jahren in Rente, haben mir viele gesagt, auch in der Familie", erzählt der Gründer. Nur der Physiker Mathias Klenner, der auch beim IAF promoviert hat, war ebenso von der Idee überzeugt – schließlich hat er auch die Software entwickelt. Fürs Marketing holten die beiden noch Bernhard Schöne-Remmeau dazu, einen Wirtschaftsingenieur. Das Trio hatte schon im Herbst 2017 erste Vorversuche gemacht. "Wir sind keine Garagenfima, sondern eine Kinderzimmerfirma", sagt Hülsmann lachend – in Erinnerung des damaligen Treffpunkts.

Später fanden sich an der Christastraße geeignete Räume, wo die Firma heute sieben Mitarbeiter beschäftigt. Im Februar 2018 wurde die Exist-Förderung bewilligt, mit dem Gründerbüro der Uni Freiburg ein Businessplan erarbeitet, ein Lizenzvertrag mit dem IAF geschlossen und wenig später die Ondosense GmbH gegründet. Zu jedem Anwendungsbereich gebe es inzwischen Prototypen. Zu den ersten Kunden gehöre ein Hersteller von Blockheizkraftwerken, bei dem die Ondosense-Sensoren der Zustand des Motoröls analysieren. Mit Werkverträgen seien bislang bereits 60 000 Euro Umsatz erzielt worden. Das Start-up geht von einer großen Auftragswelle aus. "Anfragen haben wir viele, wir können gar nicht schnell genug wachsen", sagt Axel Hülsmann.