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31. Dezember 2014

Vorbereitung

Freiburger Methodos-Schüler pauken in der Ferienzeit aufs Abi

Hambacher Fest statt Partynacht

  1. Geschichte statt Piste: Hier wird in den Ferien gelernt. Foto: Bamberger

  2. Sieht aus wie Schule, ist aber ein Teil der selbstorganisierten Methodos-Lerngruppe. Foto: Thomas Kunz

Zehn der derzeit 17 autonomen Abi-Lerner von "Methodos" machen lieber selbstorganisierten Geschichtsunterricht als Weihnachtsferien. Für diese Zeit muss der Veranstaltungsraum vom Weingut Dilger als Klassenzimmer herhalten: Die beiden Schulräume im Haus der Jugend sind während der Schulferien geschlossen. Vor sieben Jahren war in Freiburg das erste Dutzend auf dem Weg zum Abitur aus allen bislang vorhandenen Angeboten ausgeschert und hatte sich ohne Schule aufs Externen-Abi vorbereitet. Die Idee kommt immer besser an: Allmählich platzt Methodos aus allen Nähten.

Ideal ist eine so große Lerngruppe nicht immer, gibt Jonas Kimmig zu bedenken: "Da geht viel Zeit mit Absprachen drauf. Auf der anderen Seite verteilt sich alles besser." Jedes Jahr fand sich bislang eine neue Gruppe, rückte zusammen aus freien Schulen, Waldorfschulen, Gymnasien: Junge Leute, die in eigener Regie und Verantwortung für alles sorgen, was es in den zwei Jahren vor dem Abitur braucht. Gleichgesinnte. Räume. Unterstützer. Auch Lehrer. Und Geld. In manchen Jahren kamen fünf, sechs Leute zum gemeinsamen Lernen. 17 – das ist neu. Und es konfrontiert die aktuelle Gruppe mit Überlegungen, die bislang nicht nötig waren. Nach den Lernsequenzen folgen deshalb Struktur-Debatten.

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Zuerst jedoch büffeln kurz vorm Jahreswechsel alle miteinander Geschichte. Was in Büchern gelesen wurde, ist auf Karteikarten zusammengefasst und wird von zweien referiert. Die anderen sind gut vorbereitet und fragen nach, wenn die Erklärung wackelt. Einmal in der Woche kommt auch zum Geschichtsunterricht ein Lehrer dazu – den stellt der Verein "Methodos" ein. Für jedes Haupt- und Nebenfach gibt es je einen Lehrer, erklärt Celia Härtl – der allerdings nicht nach Lehrplan ein Pensum vorgibt, sondern die Themen mit den Methodos-Schülerinnen und -Schülern bespricht.

"Wir sind uns einig, dass wir nicht blindlings die prüfungsrelevanten Sachen pauken", erklärt Noah Rees, "sondern den Dingen nachgehen, die uns besonders interessieren." So haben etliche von ihnen schon in ihren Schulen gelernt: In eigener Verantwortung – und entsprechend, betont Pina Haas, auch sehr motiviert. Wer hier arbeitet, ist ganz bei der Sache, sucht nach Zugängen, die für alle nachvollziehbar sind. Zum Beispiel das politische Klima in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Wie hat man sich das vorzustellen? Biedermeierlich. Politikverdrossen. Veränderung liegt in der Luft, gar Revolution. Die gilt es zu verhindern. Ein Fürst Metternich, österreichischer Staatskanzler, verbietet "deutsche" Burschenschaften. Da muss zunächst geklärt werden, wie Grenzen verliefen, wie Nationalstaaten organisiert waren. Finn Dietrich nickt und stellt fest: "Burschenschaften verbieten, das klingt doch aber ganz gut." Da jedoch legen Arianna Rehder und Pina Haas nach: "Zu der Zeit waren die Burschenschaften hochpolitisch und freiheitlich eingestellt." Sie berichten vom Wartburgfest und vom Hambacher Fest, oppositionellen Veranstaltungen in einer Zeit bürgerlicher Restauration.

Die beiden 18-jährigen gehören zu den fünf Methodos-Leuten, die in drei Monaten zum Externen-Abitur antreten. In etlichen Fächern referieren sie das Erlernte für die 12 Mitschüler, die erst im Jahr darauf Abi machen. "Wenn man anderen was erklärt, merkt man genau, was wirklich gut sitzt", sagt Arianna Rehder. Oft teilt sich die große Gruppe auch zum Lernen auf. An diesem Nachmittag bleiben alle zusammen. Es gibt etliches zu bereden. Zum Beispiel: Wie umgehen mit dem steten Wachstum? Schon Wochen vor den nächsten Anmeldeterminen im Februar gibt es eine Handvoll Anfragen. Keinem soll diese Möglichkeit, aufs Abi zu lernen, verwehrt werden, finden alle, aber schon 17 sind fast zu viel. Die Hoffnung: Vielleicht finden sich engagierte Leute, die eine neue Gruppe gründen, neue Räume und Lehrer suchen und Sponsoren. Methodos jedenfalls werden ihr Knowhow aus sieben Generationen auf einer Webseite bündeln für alle, die ihr Lernen selber in die Hand nehmen wollen. Nicht nur in Freiburg.

Am Mittwoch, 28. Januar, findet um 18.30 Uhr in der Cafeteria im Haus der Jugend, Uhlandstraße 2, ein Infoabend statt. Mehr Infos auf http://www.methodos-ev.org

Autor: Julia Littmann