Kriminalstatistik 2017

Freiburger Polizei klärt mehr Fälle auf

Joachim Röderer

Von Joachim Röderer

Mo, 19. März 2018 um 16:40 Uhr

Freiburg

Es gab 2017 weniger Straftaten, aber Freiburg bleibt bei der Kriminalität Nummer eins im Land. Gestoppt werden konnte der steile Anstieg ausländischer Straftäter. Sorge machen dafür Enkeltrick & Co.

Freiburg bleibt die kriminellste Stadt im Land – trotz eines Rückgangs um 626 auf 26.656 Straftaten. Die Altstadt bleibt auch in der Kriminalitätsstatistik 2017 der Hotspot. Hier hat die Polizei nahezu jede dritte Gewaltstraftat in Freiburg erfasst. Die Ermittler konnten insgesamt 60,4 Prozent der Straftaten aufklären. Gestoppt werden konnte laut Polizeipräsident Bernhard Rotzinger der steile Anstieg der vergangenen Jahre bei den ausländischen Straftätern. Sorgen macht der Polizei die starke Zunahme der Fälle, bei denen Senioren Opfer skrupelloser Betrüger werden.

Weiter Erster im Landesvergleich

Um 2,4 Prozent ist die Zahl der Straftaten zurückgegangen – damit liegt das Ergebnis deutlich unter dem Landesschnitt (Minus 5,1 Prozent). In Freiburg werden 11.712 Straftaten auf 100.000 Einwohner verübt. Zum Vergleich: In der Landeshauptstadt Stuttgart liegt diese so genannte Häufigkeitszahl bei 8451. Freiburg bleibt also auf Platz eins: Rotzinger: "Ich habe gehofft, dass wir den Spitzenplatz an Mannheim abgeben können. Aber das hat nicht geklappt."



Mehr Fälle aufgeklärt

Erstmals seit langem liegt die Aufklärungsquote in Freiburg über der 60-Prozent-Marke. Das entspricht einem Plus gegenüber 2016 um drei Prozentpunkte.

Etwas weniger Raubüberfälle

Die Gewaltkriminalität in Freiburg insgesamt ist um 5,2 Prozent zurückgegangen, die Straßenkriminalität um 11,2 Prozent, wie der Leitende Polizeidirektor Berthold Fingerlin berichtete. Höher ist der Rückgang in der Altstadt, was die Polizei auch auf die Sicherheitspartnerschaft zwischen Stadt und Land zurückführt (die BZ berichtete). Die Zahl der Rauschgiftfälle ist um 27,4 Prozent gestiegen – das liegt an der erhöhten Zahl der Kontrollen. Die Zusatzkräfte der Polizei haben rund 1000 Straftaten aufgenommen. Auch das spiegelt sich natürlich in der Statistik wieder. 195 Raubüberfälle wurden registriert, das sind sechs weniger als im Jahr davor. 119 Fälle konnten aufgeklärt werden. 152 Sexualstraftaten wurden registriert. Laut Kripochef Peter Egetemaier musste die Polizei 14 Mal wegen Straftaten gegen das Leben ermitteln, 13 Fälle wurden aufgeklärt. Es gab 2017 keinen Mordfall in Freiburg. Abgenommen haben die Diebstähle. Wohnungseinbrüche nahmen um 332 Fälle ab: ein Minus von 25,6 Prozent.

Tatverdächtige und ihre Herkunft

Es gab 4526 ausländische Tatverdächtige. Sei 2008 hat sich diese Zahl mehr als verdoppelt. Ihr Anteil lag 2017 bei 42,2 Prozent, gegenüber 57,8 Prozent der deutschen Tatverdächtigen. 17 Prozent der Wohnbevölkerung in Freiburg hat keinen deutschen Pass. Aber: Die Statistik erfasst auch die Tatverdächtigen, die nicht in Freiburg leben, warnte der Polizeipräsident vor möglichen falschen Schlussfolgerungen. 1675 tatverdächtige Asylbewerber oder Flüchtlinge wurden gezählt, das ist gegenüber dem Vorjahr (1755) ein Rückgang. Rund 15 Prozent der Tatverdächtigen stammen aus dieser Gruppe (Zwei Prozent Anteil der Wohnbevölkerung). Gezählt werden auch leichtere Delikte wie etwa schwarzfahren. Aber auch bei den aufgeklärten Gewaltdelikten liegt laut Polizeipräsident den Anteil nichtdeutscher Verdächtigen bei über 40 Prozent. Die Ermittler kümmern sich vor allem um die Intensivtäter und wollen, dass bei Ermittlungserfolg die "Sanktionskette" funktioniert – bis hin zur Abschiebung. Auch bei der Jugendkriminalität liegt der Anteil der ausländischen Verdächtigen bei 40 Prozent.



Enkeltrick & Co. machen Sorgen

Deutlich zugenommen von 112 auf 194 Fälle hat der Betrug zu Lasten älterer Menschen. Durch den so genannten Enkeltrick, durch Schockanrufe oder Anrufe falscher Polizeibeamter ist 2017 den Opfern allein in Freiburg rund 119 000 Euro Schaden entstanden. Die Aufklärungsquote liegt hier nur bei 35 Prozent. "Wir haben einen explosionsartigen Anstieg, das Vorgehen der Täter ist besonders perfide", so Polizeipräsident Rotzinger. Am Polizeipräsidium gibt eine eigene Ermittlungsgruppe für diese Fälle. Diese wird auch eine Präventionskampagne starten. Bei der Polizei geht man davon aus, dass es zu den registrierten Fällen noch eine hohe Dunkelziffer gibt. Oft gingen Opfer aus Scham nicht zur Polizei.

Sicheres Waltershofen

Am kriminellsten in Freiburg ist es in der Altstadt (6286 Straftaten). Mit weitem Abstand folgen Haslach, der Stühlinger und die Wiehre. Am sichersten lebt es sich, abgesehen vom Ministadtteil Mundenhof, in Waltershofen (38 Straftaten).


Hinweis: Aus den Zahlen sind die Verstöße gegen das Ausländerrecht herausgerechnet.