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03. Dezember 2016 18:20 Uhr

Nach Fahndungserfolg

Freiburgs OB Salomon warnt vor Pauschalurteilen

Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon zeigt sich nach der Festnahme im Mordfall Maria L. erleichtert. Er warnt davor, die Herkunft des Täters für Pauschalurteile zu missbrauchen.

  1. OB Dieter Salomon: „Ein solcher Fahndungserfolg ist wichtig für den weiteren Umgang mit solchen Ereignissen und für das Sicherheitsgefühl der Bürger.“ Foto: Thomas Kunz

Mit Erleichterung hat die Stadt Freiburg die Nachricht aufgenommen, dass die Polizei im Mordfall der 19 Jahre alten Studentin an der Dreisam den Tatverdächtigen festgenommen hat. "Es ist ein großer Fahndungserfolg für die Polizei, dass sie diesen grausamen und schrecklichen Mord so schnell aufklären konnte", sagte Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon am Samstagnachmittag gegenüber der BZ im Rathaus.

OB warnt vor Pauschalurteilen

Salomon bedankte sich bei der Polizei, die damit ein großes Zeichen des Vertrauens in ihre Arbeit gesetzt habe. "Ein solcher Fahndungserfolg ist wichtig für den weiteren Umgang mit solchen Ereignissen und für das Sicherheitsgefühl der Bürger." Seine Gedanken, so Salomon, seien bei der Familie der Studentin sowie ihren Freunden und Kommilitonen. Er mahnte aber auch, mit dem Ergebnis der Fahndung besonnen umzugehen und die Herkunft des Täters nicht für Pauschalurteile heranzuzuziehen, sondern den Einzelfall zu betrachten.

Erleichterung auch in der Uni Freiburg

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Mit Erleichterung hat auch die Universität die Nachricht aufgenommen, dass die Polizei einen Tatverdächtigen gefasst hat. "Die Erinnerungen an unsere Studentin, aber auch an das schreckliche Verbrechen, dem sie zum Opfer gefallen ist, werden in unserem Gedächtnis bleiben. Wir hoffen aber, dass der Fahndungserfolg der Polizei uns allen eine Hilfe beim Umgang mit dem, was geschehen ist, sein wird", sagt Rektor Hans-Jochen Schiewer. "Unsere Gedanken sind bei der Familie, den Freunden und den Kommilitonen unserer Studentin.

Schock in afghanischer Community

Die Nachricht, dass ein junger Flüchtling aus Afghanistan die Studentin Maria L. getötet haben soll, schockiert auch die Menschen afghanischer Herkunft, die in Freiburg leben. "Meine Familie ist bis ins Mark erschüttert und mir fehlen die Worte", sagte am Samstagabend der Unternehmer, Rapper und SPD-Kommunalpolitiker Ismael Hares, der in Kabul zur Welt gekommen ist. Hares spricht von einer grausamen Tat an einer unschuldigen, jungen Frau. Dafür werde sich der mutmaßliche Täter vor dem Gericht, aber auch vor der Familie des Opfers verantworten müssen. Er könne nicht verstehen, dass man aus einem Land mit so viel Krieg wie Afghanistan fliehe und dann in dem Land, das einen aufnehme, eine solchen Mord begehe. Diese Vorstellung sei schwer erträglich.

Dass die Tat weitere Auswirkungen haben wird, schließt der 37-Jährige nicht aus: Menschen, die etwas gegen Flüchtlinge haben, werden sich in ihren Vorurteilen bestätigt fühlen und sagen: "Seht ihr, wir haben das gleich gesagt." Es schlage wohl jetzt die nicht die Stunde der Differenzierten, fürchtet er.

Es sei schwer, sich immer zu sagen, dass die Menschen verschieden seien und dass man nicht alle über einen Kamm scheren dürfe, so Ismael Hares: "Aber am Ende bleibt es ein UMA aus Afghanistan, der tatverdächtig ist - und das trifft die Menschen afghanischer Herkunft, die hier leben, besonders hart."

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Autor: Joachim Röderer