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14. März 2016 10:29 Uhr

Wahl-Analyse

Freiburgs SPD-Hochburgen gehen an die AfD

Wie hat Freiburg gewählt? Das ist gar nicht so leicht zu erkennen, denn die Stadt ist in zwei Wahlkreise aufgeteilt. Wir haben nachgerechnet – und so zeigt sich: In allen Freiburger Stadtteilen liegen die Grünen vorne, die SPD kassierte heftige Verluste. Eine Analyse.

Die Freiburger stimmen zum einem Teil im Landtags-Wahlkreis 46 (Freiburg-Ost) ab und zum anderen Teil im Wahlkreis 47 (Freiburg-West). Doch wenn man die Ergebnisse aus den insgesamt 39 statistischen Bezirken zu einem Stadt-Bild zusammenfügt und die Bezirke untereinander sowie mit früheren Wahlen vergleicht, gibt’s etliche interessante Beobachtungen (alle Zahlen im Überblick).

Grünes Innehalten

Landesweit ist das grüne Ergebnis ein Meilenstein – aus Freiburger Sicht sind die Veränderungen überschaubar: Stadtweit stieg der Stimmenanteil nur um 0,1 Prozentpunkte auf nun 43,2 Prozent. Immerhin: Anders als vor fünf Jahren liegen die Grünen jetzt in jedem einzelnen Stadtbezirk vorn. Deutlich nachgelassen hat die Euphorie im "Green City"-Vorzeigequartier Vauban. Die Direktkandidatin und Landtags-Fraktionsvorsitzende Edith Sitzmann, die hier wohnt, kratzte vor fünf Jahren mit 72,8 Prozent noch an der Dreiviertelmehrheit. Nun sind es satte 11,6 Prozentpunkte weniger (61,2 Prozent). Abgeschöpft hat diesen Rückgang aber nicht die AfD, die in Vauban gerade mal 2,5 Prozent schafft, sondern "Die Linke". Die konnte ihren Stimmenanteil auf 15,4 Prozent mehr als verdoppeln (vorher 7,2 Prozent). Zweitbester Grünenbezirk ist Waldsee (52,3 Prozent). Nur in Landwasser und Weingarten gab’s weniger als 30 Prozent. Und: Obwohl die Sozialdemokraten durchweg schwächeln, reichte es in 33 der 39 Freiburger Stadtbezirke zu absoluten Mehrheiten für Rot-Grün (2011 galt das allerdings für alle Bezirke).

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Rotes Tuch für die SPD

Weingarten war 2011 die SPD-Hochburg schlechthin. Hier holte sie seinerzeit ihr stadtweit bestes Ergebnis (32,8 Prozent) und lag sogar vor den Grünen. Letzteres gab’s damals nur noch in Landwasser. Nun erlebten die Sozialdemokraten in diesen beiden Stadtteilen mit klassischer "Kleine Leute"-Klientel ihr absolutes Waterloo. Nicht nur, dass die SPD jeweils auf ungefähr die Hälfte der Stimmen abstürzte: Genau dort hat die AfD mit mehr als 20 Prozent ihre absoluten Bestwerte erreicht. Die SPD hingegen kommt überhaupt nirgends in Freiburg mehr über 20 Prozent (Bestwert: 17,1 Prozent in Haslach-Gartenstadt). Und sie blieb in Vauban sogar einstellig (9,8 Prozent).

Grau statt Tiefschwarz

Das waren noch Zeiten: 2006 lag die CDU in fünf Stadtbezirken – in drei Tuniberg-Orten sowie Lehen und Landwasser – über der 40-Prozentmarke, und der schlechteste Wert in ganz Freiburg waren 18,8 Prozent in St. Georgen-Süd (Vauban wurde noch nicht getrennt ausgewiesen). Dann kam erst 2011 das Fukushima/Stuttgart 21-Desaster – und jetzt wurde noch einer draufgesetzt. Vom städtischen Durchschnittswert 30,2 Prozent ging’s innerhalb von zehn Jahren fast im freien Fall runter bis auf 16,5 Prozent. Noch stärker gebeutelt ist nur die SPD. Mehr als 30 Prozent erzielen die Christdemokraten diesmal einzig und allein in Waltershofen (30,2 Prozent). Aber auch im tiefen Schatten gibt es Lichtblicke: In Vauban ist die Fünf-Prozent-Hürde mit exakt 5,0 Prozent wieder geschafft (2011: 3,8 Prozent). Allerdings ist das der einzige Stadtbezirk mit CDU-Zugewinn.

Ohne Alternative

Hätten alle so gewählt wie die beiden Altstadt-Bezirke, Herdern-Süd, Waldsee, Mittel-, Ober- und Unterwiehre-Nord sowie Vauban, dann wäre die "Alternative für Deutschland" nicht mal im Landtag. Doch das sind die einzigen acht Bezirke, in denen die AfD unter 5 Prozent bleibt. 16-mal hingegen kann die Partei bei ihrer Landtagspremiere zweistellige Ergebnisse einfahren – immer im Westen der Stadt und mit den erwähnten Extremwerten in Landwasser und Weingarten. Das korrespondiert jeweils mit großen Verlusten der SPD, vor allem in Landwasser auch mit einem Absacken der CDU. Insgesamt stimmen 8,7 Prozent der Freiburger Wähler für die AfD. Die Hypothese, die AfD habe ihre Anhänger am besten mobilisieren können, ist übrigens wackelig: Die Wahlbeteiligung stieg überall in Freiburg – nicht nur in den AfD-Hochburgen.

Der Rest vom Fest

Die FDP ist nach dem Absacken 2011 wieder in Normalregionen angelangt (stadtweit 6,2 Prozent). Sie hat in jedem einzelnen Bezirk zugelegt, und nun in Günterstal die meisten Anhänger (12,4 Prozent) und die wenigsten in Vauban (2,3 Prozent). Die Linken legen in Freiburg um 3,8 Punkte auf nun 8,4 Prozent zu, sind in Vauban am populärsten (15,4 Prozent) und in Tiengen am wenigsten (3,0 Prozent). Die anderen Parteien sind nur Zählkandidaten. Einzig die Satire-Truppe von "Die Partei" und die Tierschutzpartei schaffen eine 1 vor dem Komma. Republikaner, NPD, ÖDP und Alfa bleiben im Promillebereich.

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Autor: tj