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22. Dezember 2010
Freier Markt für die Stadtführungen
Die FWTM und die Stadt Freiburger verzichten von 2012 an auf einen offiziellen Partner, alle Anbieter sind dann gleich gestellt.
In Freiburg gilt bei Stadtführungen künftig ein völlig freier Markt mit gleichberechtigten Anbietern. Vom 1. Januar 2012 an wird es keinen offiziellen und damit bevorzugten Partner der Stadt mehr geben. Das hat am Montagabend der Aufsichtsrat der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe mit breiter Mehrheit beschlossen. Der Ende des kommenden Jahres auslaufende Vertrag mit Freiburg Kultour wird damit nicht mehr verlängert. FWTM-Chef Bernd Dallmann unterstützt die neue Lösung: "Wir suchen nach dem bestmöglichen Modell für die Touristen".
Bis zum Jahr 1997 organisierte die Stadt Freiburg die Stadtführungen selbst. Vor 13 Jahren nahmen Günter Ebi und sein privates Unternehmen Freiburg Kultour der Stadt die damals defizitäre Sparte ab und baute das Programm aus. Seither ist im Tourismus viel passiert: Freiburg zieht als Reiseziel derzeit jährlich geschätzte 15 Millionen Touristen an, inklusive der Tagesgäste. Genaue Zahlen, wie viele Stadtführungen in Freiburg gebucht werden, gibt es nicht. Die Nachfrage muss aber gestiegen sein. Denn in den vergangenen Jahren sind etliche Anbieter hinzu gekommen – neben dem offiziellen städtischen Partner Freiburg Kultour waren zuletzt 21 weitere Stadtführer-Unternehmen am Markt.Werbung
"So eine Vielfalt und so eine Qualität gibt es in keiner anderen deutschen Stadt", sagt FWTM-Geschäftsführer Dallmann nach einer Vergleichsuntersuchung. Die FWTM geriet in den vergangenen Jahren immer wieder zwischen die Fronten, denn zwischen Freiburg Kultour als Platzhirsch und ihren Mitbewerbern, die sich benachteiligt fühlten, gab es immer wieder Zwist. Dallmann hat mit allen Anbietern, wie er sagt, vertrauensbildende und konstruktive Gespräche geführt – die FWTM hat am Ende selbst vorgeschlagen, dass es von 2012 an keinen offiziellen Partner mehr geben wird.
Das kommende Jahr will man nutzen, ein neues Konzept umzusetzen: Die FWTM will mit allen Anbietern einen Vertrag schließen, wenn diese die Ansprüche an Qualität und Zuverlässigkeit erfüllen. "Wichtig ist vor allem, dass es genug offene Stadtführungen gibt" – das sind Führungen, die von Stadtbesuchern ohne Voranmeldungen besucht werden können. Die Anbieter selbst werden sich auf ein Konzept verständigen. Die Tourist-Information der FWTM im Rathaus übernimmt den dort angesiedelten Schalter von Freiburg Kultour und wird künftig bei Anfragen die Liste aller Anbieter aushändigen, analog zum Verfahren bei den Hotels.
"Wir sehen es grundsätzlich positiv, dass es jetzt einen freien Markt gibt", kommentiert Joachim Scheck von Stadtführungen-Anbieter Vistatours die Entscheidung der FWTM-Aufsichtsräte. Die Frage sei nun, wie es gelinge, die offenen Führungen zu organisieren und wie die Zusammenarbeit gelingt. Scheck sagt auch, dass sich die Situation in den vergangenen Jahren schon verbessert habe – 80 Prozent der Führungen würden nämlich über das Internet gebucht: Dadurch hätten sich auch die Vorteile der Monopolstellung für Freiburg Kultour als offiziellen Partner der Stadt immer mehr abgeschwächt.
Caterina Messina von Freiburg Erleben freut sich ebenfalls über die neue Ausrichtung der Stadtführungen. Sie hofft auf ein faires Miteinander mit allen: Natürlich werde es auch weiter Konkurrenzsituationen geben, sagtt sie: "Aber das Problem war die Monopolsituation – und die ist jetzt aufgelöst.
Bei der FWTM geht man davon aus, dass Freiburg Kultour als größter Anbieter weiter am Markt bleiben wird. Geschäftsführer Günter Ebi war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Autor: Joachim Röderer
