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09. September 2009
Freiheitsdrang auf kleinem Raum
BZ-SERIE "STIMMEN 2009"(4): Sascha Fiek kandidiert bei der Bundestagswahl am 27. September für die FDP
Auch für einen Fahrlehrer ist es nicht von Nachteil, die wichtigen Stationen seines 35-jährigen Lebens innerhalb einer guten Stunde zu Fuß anlaufen zu können. Sascha Fiek, der für die FDP in Freiburg zum Bundestag kandidiert, weiß diese "kleinen Wege" in seiner Heimatstadt zu schätzen. Und findet es lustig, wie sich da alles miteinander verbunden hat. Oder wie er sein "Freiheits-Gen" auf diesem kleinen Raum zwischen Erwinstraße und Bertoldsbrunnen entdeckt hat.
Alles begann in der elterlichen Wohnung in der Wiehre, wo er in einem Jugendstilhaus aufwuchs und heute nach dem Auszug von Vater und Mutter wieder wohnt. "Als ich zwei Jahre alt war", erzählt Sascha Fiek lachend, "hab’ ich meinen Laufstall fein säuberlich zerlegt – ich konnte es nicht leiden, eingesperrt zu sein." Seinen frühen Freiheitsdrang lebte er gleich um die Ecke auf dem Urach-Spielplatz aus. Viel weiter hatte er es auch nicht zum Kindergarten an der Turnseestraße (heute St. Nikolaus) und zur Turnsee-Grundschule an derselben Straße. Hier lernte er nicht nur schreiben, sondern wurde auch auf das "in meiner Familie vorhandene Schreib-Gen" aufmerksam, auf das er seine 1999 begonnene Tätigkeit als Pressesprecher der Freiburger FDP-Stadträte zurückführt.
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BZ: "Wie haben Sie sich der Politik genähert?"
Fiek: "Über meinen Vater, der BZ-Redakteur und sehr neutral war, hatte ich schon immer mit Politik zu tun, guckte mir mit vier, fünf Jahren schon die Tagesschau an. Ich hab’ mir meine eigenen Gedanken gemacht und kam dann über einen Freund 1998 zu den Jungen Liberalen."
Die Junge Union wäre für ihn überhaupt nicht in Frage gekommen, sagt Sascha Fiek, eher schon die SPD. Doch weil er, der am Berthold-Gymnasium Abitur machte und sich in Gemeinschaftskunde gern zu Wort meldete, sich als "Kind der Aufklärung" und "durch und durch freiheitlich" sieht, wandte er sich der FDP zu, "die die Werte der Aufklärung am ehesten lebt". Auch an der Freiburger Universität, wo er Chemie und Deutsch studierte, sei ihm die Freiheitsgeschichte wichtig gewesen. "Dieser Freiheitsdrang manifestierte sich dann in der Politik."
BZ: "Warum haben Sie Ihr offensichtliches Chemie-Talent verpuffen lassen?"
Fiek: "Naturwissenschaft begeistert mich nach wie vor. Aber mich interessieren auch Geisteswissenschaften. Ich bin ein Typ, der sich mit verschiedenen Dingen beschäftigen möchte."
Nächste Station: die Fischerau mit der Fahrschule seiner Mutter Brida Fiek, wo er mittlerweile Geschäftsführer ist. Und wo er seine Kenntnisse als Lastwagen-Fahrlehrer und Chemiker verbindet, indem er als bei der Industrie- und Handelskammer anerkannter Ausbilder für Gefahrguttransporte arbeitet. Schon als Drei-, Vierjähriger durfte er manchmal im Fahrschulauto mitfahren. Und wahrscheinlich hat Sascha Fiek seitdem auch so etwas wie ein "Fahrschul-Gen" in sich.
BZ: "Warum wollen Sie in den Bundestag – und schaffen Sie es?"
Fiek: "Politik hat mich von Kindesbeinen an begleitet und motiviert, etwas zu gestalten. Aber ich bin gern in Freiburg und muss nicht nach Berlin. Auf Platz 16 der Landesliste werde ich es tendenziell nicht schaffen. Ich wollte so einen Platz, der einerseits ein Mandat weitgehend ausschließt, aber auch nicht ganz unrealistisch ist – und ein bisschen Raum zum Träumen lässt."
Gegenüber der Fischerau die Humboldtstraße, wo eine Zeitlang die BZ-Stadtredaktion untergebracht war, die der Vater Wolfgang Fiek leitete – und wo der Sohn über die "Aktion Weihnachtswunsch" die soziale Not in Freiburg mitbekam. Auch hier macht Sascha Fiek eine elterliche Prägung aus. Ebenso wie bei seinem "Reise-Gen", das ihn in ferne Länder führt: Der Blick für das Elend und die Horizonterweiterung – "das beeinflusst einen schon auch politisch". Keine hundert Meter weiter, in der Kaiser-Joseph-Straße 223, die frühere Kreisgeschäftsstelle der FDP. Der geeignete Standort für den Kandidaten, deutlich zu machen: "Liberale Politik ist mehr als Wirtschaft, und Wirtschaft ist nicht Selbstzweck." Die Gelegenheit auch, an seine Vorbilder Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Gerhart Baum und Burkhard Hirsch zu erinnern.
BZ: "Sie wollen ,Politik mit Ide(al)en’ machen – ist das nicht ein Widerspruch in sich selbst?"
Fiek: "Das glaub’ ich nicht. Man braucht ein Werte-Gerüst, auf dem man aufbaut, ein Ideal, und man braucht Ideen für die Zukunft. Weil ich ehrenamtlich politisch tätig bin, geh’ ich mit Idealen dran. Ich glaub’, es ist möglich, Politik zu betreiben und seinen Idealen treu zu bleiben."
Damit ist die letzte Station auf dem kleinen Spaziergang durch eine alte Stadt und ein junges Leben erreicht; die neue FDP-Zentrale, Kaiser-Joseph-Straße 216. Zeit, noch etwas über das Gefühl zu sagen, wie das ist, überall sein Konterfei plakatiert zu sehen. "Gerade weil ich vom Gemüt her eher zurückhaltend bin und nicht so der Narziss und Exhibitionist, ist das schon eine neue Erfahrung." Doch er habe sich dran gewöhnt, meint Sascha Fiek.Ob aber die Politik das Leben des 35-Jährigen und seiner Partnerin Judith Schweitzer künftig stärker prägen wird (gleichsam als "Politik-Gen"), ist ihm selbst nicht klar. Nur so viel: "Ich brauche die Politik nicht, um glücklich zu sein, aber ich hoffe, dass ich mit ihr glücklich werden kann."
Autor: Gerhard M. Kirk


