Freiburger Münster

Fünf Handwerker erzählen, wie sie die Turmsanierung erlebt haben

Claudia Füßler

Von Claudia Füßler

Do, 11. Oktober 2018 um 17:45 Uhr

Freiburg

Alle beteiligten Handwerker schwärmen: Diese Baustelle auf dem Münsterplatz war einfach etwas ganz Besonderes. Zu wissen, dass der Turm dank ihrer Expertise in neuem Glanz erstrahlt, macht sie stolz.

Steinmetz Hannes Koch von der Münsterbauhütte
"Das Material ist für mich das gleiche, egal ob ich in der Bauhütte oder auf dem Münsterturm arbeite. Aber die klimatischen Bedingungen sind schon andere da oben auf dem Turm, viel rauer und kälter. Für uns als Steinmetze in der Münsterbauhütte ist das Turmfinale nicht so besonders wie vielleicht für andere, wir haben ja ständig mit dem Münster zu tun und erleben immer wieder Bauabschnitte, die fertig sind. Allerdings mussten wir uns dieses Mal leider von Kollegen verabschieden, die nur für dieses Projekt bei uns angestellt waren. Was mich freut, sind die Ergebnisse unseres Monitoring-Programmes: Auch unter den ersten Maßnahmen, die ja inzwischen schon einige Jahre zurückliegen, gibt es nichts, was am Turm schon wieder zu reparieren wäre, da können wir durchaus optimistisch sein."



Zimmermann Fridolin Ortlieb von Ortlieb Holzbau
"Ich bin von Anfang an bei der Sanierung des Münsterturmes dabei und bewundere meine Vorfahren als Handwerker täglich. Was die mit einfachen Mitteln erbaut haben, ist einfach großartig und übersteigt die Vorstellungskraft im Hinblick auf Geometrie und Statik. Ich habe zum Beispiel den Fangboden um den Turmhelm herum gebaut: 380 Quadratmeter Fläche, in 72 Meter Höhe, etwa 5,50 Meter auskragend – das war schon spektakulär. Zudem habe ich neben dem Westportal die Werkstatt fürs Turmteam gebaut, eine reine Fachwerkkonstruktion mit 14 Meter Länge, 7,5 Meter Breite und vier Meter Höhe. Darüber hinaus haben die Winterbaumaßnahmen mich sehr in Anspruch genommen: In mehreren Bauabschnitten habe ich ein Dach in Schmetterlingsform im Turminneren eingebaut. Darunter habe ich eine Zwischendecke eingezogen und die acht dazugehörigen Seiten winddicht geschlossen. Dadurch konnten die Steinmetze und Restauratoren auch im Winter arbeiten."



Elektromeister Heiko Horter von Elektro Ullmann
"Baustellenstrom, Sicherheitsbeleuchtung, Brandmeldeanlage, Sprechanlage – die Kombination neue Technik und altes Gebäude ist immer eine Herausforderung. Und im Münsterturm ganz besonders. Wo kann ich eine Leitung hinlegen, dass sie fachlich korrekt verlegt ist, aber gleichzeitig die Besucher nicht stört? Wie befestige ich sie, wenn ich weder bohren noch einen Schlitz in den Stein machen darf? Wir haben daher nicht nur mit der Münsterbauhütte und den anderen Gewerken zusammengearbeitet, sondern uns auch immer eng mit dem Erzbischöflichem Bauamt und dem Denkmalamt abgestimmt. Weil wir uns im Münsterturm in etwas anderen Dimensionen bewegen als normalerweise, sind hier die Leitungen auch etwas anders dimensioniert: 50 bis 60 Meter sind keine Seltenheit. "



Mechaniker Andreas Velz von Hassler Blitzschutz+Elektro
"116 Meter hoch – das ist schon eine exponierte Lage. Ein vernünftiger Blitzschutz für den Münsterturm ist also Pflicht. Wir haben hier Kupferdraht verwendet, weil der haltbarer ist als das sonst übliche Aluminium. Die Halterungen wurden geklebt statt gedübelt. Der Sandstein ist ja recht porös, wenn da Wasser eindringt und gefriert, kann bei Frost schnell mal was abplatzen. Trifft ein Blitz tatsächlich das Münster, wird er mit einer Wahrscheinlichkeit von 97 Prozent über die von uns gelegten Drähte abgeleitet."



Gerüstbauer Denny Waizmann von Gerüstbau Becker
"Ein Gerüst in dieser Höhe – das ist schon eine ganz besondere Herausforderung. Und eine große Ehre, dass uns das Vertrauen entgegen gebracht worden ist. Wir konnten ja nicht wie sonst die Gerüste einfach andübeln und festschrauben, sondern es war alles auf dem Münster aufgesattelt, teilweise durch Stahlträger. Die haben wir von Hand per Aufzug nach oben gebracht und dann um alle Ecken gefädelt, bis das Gerüst endlich stand. Passiert ist nichts, wirklich gar nichts, es ist kein einziges Mal etwas runtergefallen. Wir haben zweimal im Jahr alles nachkontrolliert, und ich kann stolz sagen, dass das wirklich eine extrem sichere Baustelle war."