Neuer Freiburger Stadtteil

Für Dietenbach muss bis zu drei Meter hoch Erde aufgeschüttet werden

Uwe Mauch

Von Uwe Mauch

Do, 28. Juni 2018 um 14:04 Uhr

Freiburg

Die jüngsten Pläne für den neuen Stadtteil zeigen: erste Gebäude sollen erst im Jahr 2024 stehen. Wegen des hohen Grundwasserspiegels muss der Stadtteil zudem bis zu drei Meter hoch aufgeschüttet werden.

Der geplante Stadtteil Dietenbach verzögert sich weiter. Die ersten Gebäude sollen im Jahr 2024 stehen. Das ist der Zeitplan, den die Rathausspitze gestern präsentierte. Bislang waren die Jahre 2020 bis 2022 das Ziel. Fortgeschritten sind Gespräche mit verkaufswilligen Eigentümern. Erste Notartermine sollen im Sommer stattfinden. Wegen des hohen Grundwasserspiegels muss der Stadtteil bis zu drei Meter hoch aufgeschüttet werden. Dazu will die Bauverwaltung eine temporäre Erddeponie einrichten. Der Clou: Das könnte sogar Einnahmen bringen.

Grundstückserlöse sollen Kosten nahezu decken

In seiner Sitzung am 24. Juli soll der Gemeinderat die Satzung für die sogenannte städtebauliche Entwicklungsmaßnahme beschließen. Dann kann die eigens gegründete Gesellschaft der Sparkasse mit Grundstücksbesitzern ins Geschäft kommen. Sie ist aus rechtlichen Gründen zwischengeschaltet, um den Eigentümern 64 Euro pro Quadratmeter bieten zu können statt der vielfach kritisierten 15 Euro, die die Stadt bezahlen dürfte. Laut Projektleiter Rüdiger Engel sind drei Viertel der 400 Grundbesitzer zum Verkauf bereit. Mehrere Dutzend hätten sich noch nicht geäußert. Bis Jahresende können sie noch beim Sparkassen-Deal mitmachen. Engel rechnet damit, dass schlussendlich rund zehn übrig bleiben, die eine Veräußerung ablehnen. Im nächsten Jahr sollen Enteignungsverfahren eingeleitet werden.

Rund 700 Millionen Euro würden Erschließung und Infrastruktur des neuen Stadtteils kosten, schätzt Finanzbürgermeister Stefan Breiter. Doch von Projekten im Wert von 100 Millionen Euro, wie etwa die beiden Schulen und 19 Kitas, profitiere die Gesamtstadt, weshalb sie über den städtischen Haushalt zu finanzieren seien. Die Einnahmen aus den Grundstückserlösen taxiert er auf 592 Millionen Euro. Sie würden dieser Rechnung zufolge die tatsächlichen Ausgaben für Dietenbach in Höhe von 600 Millionen Euro nahezu decken.

Bis zu drei Meter hoch aufgeschüttet werden muss das rund 130 Hektar große Areal. Grund: das Grundwasser. Dafür brauche es mehrere Millionen Kubikmeter Erdaushub. Die "Bürgerinitiative Pro Landwirtschaft" rechnet vor, dass 66 000 Lastwagenfahrten nötig würden. Sie kritisiert das in einer Mitteilung als "ökologischen Irrsinn".

Freiburg könnte sogar bis zu 20 Millionen Euro dafür bekommen

Tatsächlich, räumt Umweltbürgermeisterin Gerda Stuchlik ein, sei das in der Kalkulation für den angestrebten klimaneutralen Stadtteil nicht enthalten. Wobei Baubürgermeister Martin Haag zu bedenken gibt, dass es in der Region einen Bedarf an Erdaushubflächen gebe, weshalb der Regionalverband zwei Deponiestandorte ausweisen wolle. Freiburg könnte also für Entlastung sorgen, dafür sogar rund 20 Millionen Euro an unerwarteten Einnahmen bekommen und lange Lkw-Fahrten vermeiden, was wiederum dem Klima nütze.

Für die Bauern, die den Verlust ihrer Äcker beklagen, hat die Stadt 39 Hektar an Ersatzflächen gefunden. Halb so viel wie benötigt. Ebenfalls schwierig ist die Suche nach ökologischen Ausgleichsflächen, die nun bis Offenburg und Müllheim ausgedehnt wird.

Im neuen Stadtteil sollen 6000 Wohnungen für 15.000 Menschen entstehen. Wer (Genossenschaften, Baugruppen, städtische Wohnungsgesellschaft) was (Reihenhäuser, Stadthäuser, Sozialwohnungen, Eigentum, Miete) wann (mehrere Abschnitte) bauen darf, soll in einem zweijährigen Dialogprozess mit Betroffenen und Interessierten diskutiert werden. Das Ergebnis soll in einen Gemeinderatsbeschluss münden. Die Linke Liste (vier Sitze im Gemeinderat) verlangt die Umsetzung der 50-Prozent-Quote für sozialen Mietwohnungsbau. Und ein Bündnis kleinerer Umweltvereine appelliert an den neuen OB Martin Horn, Dietenbach zu stoppen.

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