Bier-Business

Gabriel Vierling ist der beste Nachwuchsbierbrauer im Bezirk der Handwerkskammer Freiburg

Holger Schindler

Von Holger Schindler

Di, 18. Oktober 2016

Freiburg

Er ist ein Spätberufener: erst mit 23 begann Gabriel Vierling seine Ausbildung als Brauer bei der Hausbrauerei Feierling. Jetzt wurde er als bester Nachwuchsbierbrauer ausgezeichnet.

Eigentlich wollte Gabriel Vierling mal Sport studieren – immerhin ist er passionierter Feldhockeyspieler und bewegt sich für sein Leben gern. Aber dann kündigte sich Nachwuchs an und der junge Mann, der aus Gernsbach bei Baden-Baden stammt, entdeckte eine alte Zuneigung zum Handwerk neu. So entschloss er sich zu einer Lehre als Brauer und Mälzer. Bei der Freiburger Hausbrauerei Feierling fand er einen Ausbildungsplatz. Jetzt, drei Jahre später, ist der mittlerweile 26-jährige Kammersieger in seinem Beruf und begeistert davon, was sich aus Wasser, Hopfen, Malz und Hefe alles machen lässt.

"Ich war damals in Berlin, als meine Freundin mir erzählt hat, dass wir Nachwuchs bekommen – da musste ich mich entscheiden, in welche Richtung ich beruflich gehen will", erzählt Gabriel Vierling. "Und da ich aus einer alten Handwerksfamilie stamme, gerne mit den Händen arbeite und gerne körperlich im Einsatz bin und weil es mir das Produkt Bier sehr angetan hat, habe ich damals entschlossen, eine Brauerlehre zu machen", berichtet er weiter. Es gebe auch Studiengänge in diesem Bereich, doch ihm sei wichtig gewesen, am Schluss nicht am Schreibtisch oder am Computermonitor zu landen.

Nach Bewerbungen in ganz Baden-Württemberg bekam er schließlich in Freiburg bei der Feierling-Brauerei die Chance, sich zu bewähren – zunächst in Form eines vierwöchigen Praktikums, dann als Hilfsarbeiter und schließlich als Lehrling. Von Herbst 2013 an lernte Vierling systematisch, wie man Bier braut. Im Betrieb werden mehr oder weniger täglich rund 2000 Liter Bier erzeugt. Vierling wurde Teil des dreiköpfigen Brauteams und erfuhr unter anderem, wie man das Malz schrotet, einmaischt (die Maische mit dem Malz ansetzt) und dann die Maische läutert (den Malzzucker aus der Maische vom Trester trennt).

"Für mich ist der Betrieb perfekt, weil er eher klein ist und auf herkömmliche handwerkliche Verfahren setzt", sagt Vierling. Auch bei der praktischen Abschlussprüfung vor der Handwerkskammer Freiburg habe sich das als Vorteil erwiesen. "Kollegen aus größeren Betrieben haben bestimmte Dinge im Betrieb gar nicht mehr regelmäßig ausgeführt", sagt Vierling. Zusammen mit seinen Spitzenergebnissen bei der Theorieprüfung setzte er sich unter den gut einem halben Dutzend Kollegen als Kammersieger durch.

Die Berufsschule war in Ulm, wohin er zweimal pro Lehrjahr für je sechs Wochen Blockunterricht musste. "Das war für uns als junge Familie nicht ganz leicht", berichtet er. "Mich haben die ganzen biochemischen Prozesse, die sich bei der Bierherstellung abspielen, von Anfang an sehr interessiert", erzählt der junge Mann, der auf der Waldorfschule das Fachabitur abgelegt hat. "Wer sich dafür begeistern kann und gerne zupackt, für den ist der Beruf optimal. Es ist einfach faszinierend, wie viele verschiedene Biervarianten man aus den vier Grundzutaten herstellen kann."