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09. Februar 2011

Zehn Monate Besetzung

Gartenstraße: Hausbesetzung nervt Anwohner

Anarchie ist machbar, Herr Nachbar – der alte Spontispruch ist in der Gartenstraße noch immer aktuell. Seit zehn Monaten haben Autonome das Häuschen mit der Nummer 19 in der Altstadt besetzt und scheinen geduldet. Doch einige Nachbarn sind mächtig genervt.

  1. Eine Straße, zwei Welten: Aufruf zur Protestversammlung am Giebel des besetzten Häuschens Foto: Ingo Schneider

Anarchie ist machbar, Herr Nachbar – der alte Spontispruch ist in der Gartenstraße noch immer aktuell. Seit zehn Monaten haben Autonome das Häuschen mit der Nummer 19 in der Altstadt besetzt und scheinen geduldet. Doch einige Nachbarn sind mächtig genervt.

Die Besetzer
Im April 2010 hat die Freiraumkampagne "Plätze-Häuser-Alles" das seit 2004 leerstehende Gebäude in der Gartenstraße 19 besetzt und Gewinnmaximierung bei Immobilien kritisiert. Seither ist ein Kommen und Gehen, die Besetzung geblieben. "Ja, wer hätte das gedacht", sagt Peter. Die lose Gruppe, die sich "G 19" nennt, überlegt, wie sie das Einjährige begeht. Sie hat sich mit Sofa, Büchern, Küche eingerichtet. Das Häuschen ist von der Versorgung abgehängt. Solarpaneel und Autobatterie speisen Leuchtdioden, Wasserkanister stehen vor einem Klo.

"Es ist jetzt mehr als ein leerstehendes Haus", sagt ein anderer, "es ist ein Treffpunkt." Ältere und Schlechtergestellte kämen in den Umsonst-Laden, Studenten schauen rein und Menschen, die erzählen, dass sie bei der legendären Besetzung des Dreisamecks dabei waren. Dienstags ist vegane Volksküche, im Schuppen dahinter eine Radwerkstatt eingerichtet, ab und an Kino und freitags anarcho-syndikalistische Kneipe "auf Spendenbasis".

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"Ein schöner Ort zum Leben", sagt Peter und meint auch die Lage. Es gebe keinen Stress mit dem Besitzer, in den letzten Monaten auch nicht mit Nachbarn. "Wir achten drauf", sagt er und schiebt nach "bestimmt wird es den ein oder anderen Nachbarn stören." Und wie geht es weiter? "Jetzt sind wir drin, jetzt bleiben wir." An der Fassade steht in roter Schrift: Die Anarchie ist unvermeidbar.

Die Nachbarn
Für Jelena Gavranovic vom Kosmetikstudio Skin direkt gegenüber hat die Nachbarschaft zwei Seiten. Die menschliche: "Die sind echt süß und noch jung." Die geschäftliche: Wenn sich die jungen Leute zum Protest sammeln, könne sie keine Kunden wellnessbehandeln. Da treffen zwei Welten aufeinander. Vor allem im Sommer wird draußen gekocht und getrunken, erzählt die Kosmetikerin, es gibt Hunde, Musik und Lagerfeuer. Inzwischen sei die Nummer 19 auch eine Anlaufstelle für Obdachlose. Kurz: "Es ist geschäftsschädigend." Sie muss ihre Ladenmiete zahlen, und wenn sie Stühle aufs Trottoir stellt, verlangt die Stadt Geld. Gegenüber nicht. "Das ist unfair."

Nicht alle Nachbarn haben ein Problem mit der Besetzung. "Es fällt nicht unangenehm auf", sagt zum Beispiel Josefine Rudolph, Verkäuferin im "Morgenland", einem Geschäft für Schmuck, Mode und Meditationsbedarf an der Ecke zur Erbprinzenstraße. Ihr Eindruck: "Sie halten sich eigentlich zurück."

"Es gibt sehr höfliche Leute da", sagt Michael Geis, Besitzer des Nachbarhauses, in dem er ein Büro hat. Aber es gebe eine Gruppe, bei der ihm nicht wohl ist. Die Besetzung ist ihm ein Dorn im Auge. "Nicht weil die Leute anders sind", sagt er, sondern weil sein Gärtchen als Toilette benutzt werde, Essensreste, Müll und Schrott ums Gebäude und im Weg lägen. "Die Stadt macht nix." Und warum gehen die Nachbarn nicht auf die Barrikaden? Dazu fehlt ein triftiger Anlass, sagt Geis.

Der Eigentümer
Der Eigentümer des Gebäudes, der woanders lebt, möchte sich nicht äußern. Und keinen Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs stellen. Von seiner Seite kommt wohl keine Bewegung in die Sache, solange sich die Ausgangslage nicht ändert. Dabei geht es um seinen langjährigen Plan, anstelle des Häuschens ein Mehrfamilienhaus zu bauen, die Ablehnung der Stadtverwaltung und Rechtsstreitigkeiten. Da gibt es noch nichts Neues.

Die Behörden
Kein Strafantrag, keine Räumung, lautet die Devise der Stadtverwaltung. Das Ordnungsamt hatte den Eigentümer anfangs angeschrieben, sagt Leiter Walter Rubsamen. Ohne Reaktion. Die Behörde könnte auch von selbst einschreiten: aus Sicherheitsgründen wie Brandschutz, doch darauf gebe es keinen Hinweis. Tätig werden könnte das Amt auch wegen der Sitzbänke vor dem Häuschen oder der Kneipe dahinter: Die Besetzer brauchen dafür eigentlich eine Erlaubnis für die Möblierung öffentlichen Verkehrsraumes und für den Gaststättenbetrieb – Spenden hin oder her, weil es eine dauerhafte, regelmäßige Einrichtung ist. Aber: "Wir setzen andere Prioritäten", so Rubsamen. Es gebe hin und wieder Beschwerden über Ärgernisse, aber nichts, was ein Eingreifen erfordere. "Es wird offensichtlich noch hingenommen, da betreiben wir keine Eigeninitiative." Die Polizei muss laut Sprecher Karl-Heinz Schmid nicht verstärkt in der Gartenstraße tätig werden.

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Autor: Simone Höhl


16 Kommentare

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Susanne Mayer

Registriert seit: 09.02.2011

Kommentare: 1

09. Februar 2011 - 02:43 Uhr

Eigentlich nicht ganz so schlecht der Artikel. Aber alleine die Überschrift ist schon wieder Hetze. Aber das ist in letzter Zeit ja nichts neues. Deswegen ist wohl auch ein bisschen Farbe bei euch gelandet.

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Theodor Heussmann  

Theodor Heussmann

Registriert seit: 25.03.2010

Kommentare: 1779

09. Februar 2011 - 09:03 Uhr

Das Kuriose ist, dass die Besetzer dem Eigentümer mit der aktuellen Besetzung nutzen und ihren eigenen Zielen eher schaden. Dem Eigentümer kann doch nichts besseres passieren, als die Sache auszusitzen und die Situation hochkochen zu lassen, bis die Stadt einschreiten muss. Erste Widerstände regen sich schon, die Eskalation ist - wenn auch noch abstrakt - absehbar.

BTW: Hat die Großdemo am Samstag stattgefunden? Der Termin war ja groß genug an die Hausfassade gepinselt. Man las nur nichts von einer Demo...

Th. Heussmann

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Petra Klar

Registriert seit: 01.06.2009

Kommentare: 72

09. Februar 2011 - 10:01 Uhr

@ Theodor Heussmann
Ja die Demo fand statt. Es waren 500-600 Menschen auf der Straße. Das sie - und viele andere - davon nichts mitbekommen haben ist mal wieder ein verdienst der BZ. Selbst Der Sonntag hat es geschafft was dazu zu schreiben, in der BZ war nur ein Bild veröffentlicht.
http://www.badische-zeitung.de/freiburg/gleich-zwei-demos

@ BZ Danke für die 'ausgewogene' Berichterstattung!

RDL hat auch was gebracht: http://www.rdl.de/index.php?option=com_content&view=article&id=11517:Demo_gegen_das_Asylbewerberleistungsgesetz_Rueckblick&catid=26

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Petra Klar

Registriert seit: 01.06.2009

Kommentare: 72

09. Februar 2011 - 10:07 Uhr

Da pflichte ich Susanne Mayer bei. Der Artikel ist eigentlich gut. Aber die Überschrift beschreibt wohl das erkenntnisgeleitende Interesse des Artikels (bzw. das was von ner Redaktion daraus gemacht wird): Stimmung gegen die Gartenstrasse 19 zu machen!

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Gelöschter Nutzer #18177

Registriert seit: 17.08.2009

Kommentare: 458

09. Februar 2011 - 10:33 Uhr

"Hetze"? Ich glaub's ja nicht...

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Flemming Kerst

Registriert seit: 24.10.2009

Kommentare: 200

09. Februar 2011 - 12:02 Uhr

Hetze? Stimmungsmache? Der Artikel ist doch völlig neutral und ausgewogen verfasst.
Und wer sich nur an Überschriften aufhängt, und zu faul ist den Rest zu lesen ist bei der Zeitung mit den 4 großen Buchstaben wohl besser aufgehoben. Scheinbar gehören Sie zu diesem einfältigen Klientel? Frau Mayer, Frau Klar?

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Petra Klar

Registriert seit: 01.06.2009

Kommentare: 72

09. Februar 2011 - 12:50 Uhr

"Der Artikel ist doch völlig neutral und ausgewogen verfasst."
Aber genau das habe ich doch geschrieben. Der Artikel ist okay. Aber gerade die Überschrift erinnert an die "Zeitung mit den 4 großen Buchstaben"

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Carsten Azonath  

Carsten Azonath

Registriert seit: 17.05.2010

Kommentare: 137

09. Februar 2011 - 13:10 Uhr

Wenn die Zeitung etwas schreibt, was den Linken gefällt, ist es gut. Schreibt sie etwas, was nicht der Meinung der Linken entspricht, wird sie per Farbbeutelwurf bestraft (siehe erster Beitrag oben). Soviel zu Toleranz und erwünschter Meinungsvielfalt dieser Kreise.

Und zur Überschrift: Wenn ein Artikel davon handelt, dass die Anwohner von jemand genervt sind, dann beschreibt die hier besprochene Überschrift schlicht den Inhalt, was völlig korrekt ist. Wenn der SC schlecht gegen Stuttgart spielt und 1:3 verliert, würde ja auch keiner sagen, die Überschrift "schlechter SC verliert 1:3 gegen Stuttgart" sei tendenziös.

Eine Überschrift wie oben kann also nicht tendenziös, sondern höchstens falsch sein - dann wäre auch der Inhalt des Textes falsch, und man bräuchte sich mit der Überschrift nicht mehr lange aufhalten. Aber inhaltlich scheinen ja selbst die Linken mit dem Text zufrieden zu sein. Glück gehabt, BZ - dann gibts heute keine Farbbeutelbestrafung.

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Gelöschter Nutzer #18177

Registriert seit: 17.08.2009

Kommentare: 458

09. Februar 2011 - 13:50 Uhr

Ich meine, der Artikel gäbe ausreichend Stoff für eine noch viel schärfere Überschrift her - "Hausbesetzung nervt Anwohner" ist da doch eher ein Euphemismus.

Ansonsten verstehe ich die Forderung nach Mäßigung nicht ganz, wenn es andererseits in den anonymen Mitteilungen der Besetzer bzw. deren Sympathisanten etwa in einer Überschrift im Internet vom 5.2.2011 heißt "Bullen vor der Gartenstraße" oder in verteilten Flugblättern und Bannern zu Straftaten aufgerufen wird: "Plätze, Häuser, alles - besetzen, kollektivieren, selbstverwalten"... Wer austeilt, sollte halt auch einstecken können.

Nebenbei kann den Besetzern ein bisschen Publicity ja durchaus nicht schaden - wenn ich da so an die 80er denke, ist das ja heute eher ein laues Kaffeekränzchen...

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Klaus Kamt

Registriert seit: 11.01.2010

Kommentare: 43

09. Februar 2011 - 15:20 Uhr

Es wird tatsächlich so sein, wie es erscheint: Freiburg hat öfters mit dem Rechtsstaat wenig am Hut....

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Ilse Schmidt

Registriert seit: 31.07.2010

Kommentare: 305

09. Februar 2011 - 15:22 Uhr

Der Artikel ist vor allem vom Geist des eingekniffenen Schwanzes geprägt, mit dem in der BZ grundsätzlich über unsere unerträglich selbstgerechten, politisch völlig motivationsfreien Spaßguerilleros geschrieben wird. (War das jetzt gehetzt???)

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Carsten Azonath  

Carsten Azonath

Registriert seit: 17.05.2010

Kommentare: 137

09. Februar 2011 - 15:40 Uhr

Hetze ist alles, was nicht Meinung der Linken ist.

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Phillip Bregner

Registriert seit: 23.11.2009

Kommentare: 83

09. Februar 2011 - 16:26 Uhr

Ich hoffe, die Polizei macht endlich mal Ernst und schmeisst diesen linken Haufen raus

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Erwin Schweizer

Registriert seit: 03.06.2009

Kommentare: 94

09. Februar 2011 - 16:57 Uhr

entweder der Besitzer zeigt an oder er trägt die Folgekosten...

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Klaus Kamt

Registriert seit: 11.01.2010

Kommentare: 43

09. Februar 2011 - 16:59 Uhr

Merke:
Links zu sein bedeutete früher, eine gesellschaftliche Überzeugung zu haben...
Linkssein heute ist (nur bezogen auf unserenFall hier) ein billiges Mäntelchen für unreife, unsoziale,faule,jammernde und benimmlose Menschen, die es halt geniessen, wenn sich einer aufregt.... einfach mal einen Haufen Mist über die Angelegenheit kippen und die kriegen dann auch mit, dass die Sache stinkt...welcher Bauer hat Mitleid?

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Michael Kern

Registriert seit: 20.07.2009

Kommentare: 846

09. Februar 2011 - 19:29 Uhr

""Es fällt nicht unangenehm auf", sagt zum Beispiel Josefine Rudolph, Verkäuferin im "Morgenland", einem Geschäft für Schmuck, Mode und Meditationsbedarf an der Ecke zur Erbprinzenstraße."

Kein Wunder. "Meditationsbedarf"

"Wenn die Zeitung etwas schreibt, was den Linken gefällt, ist es gut. Schreibt sie etwas, was nicht der Meinung der Linken entspricht, wird sie per Farbbeutelwurf bestraft (siehe erster Beitrag oben). Soviel zu Toleranz und erwünschter Meinungsvielfalt dieser Kreise."

"Hetze ist alles, was nicht Meinung der Linken ist."

"Linkssein heute ist (nur bezogen auf unserenFall hier) ein billiges Mäntelchen für unreife, unsoziale,faule,jammernde und benimmlose Menschen, die es halt geniessen, wenn sich einer aufregt...."

Dem ist nicht hinzu zu fügen. Von ganz aussen links ist halt alles rechts, sogar die Mitte.

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