Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

21. Dezember 2011

Tourismus

Geschäft mit Stadtführungen verändert sich - "Kultour" wird verkauft

Für Freiburgs Stadtführer wird sich zum Jahreswechsel einiges ändern: Die Stadt verzichtet künftig auf einen exklusiven Kooperationspartner, der die Grundversorgung an öffentlichen Führungen ohne Voranmeldung gewährleistet.

  1. Mehr als 20 Gästeführungsunternehmen bieten in Freiburg Touristen ihre Dienste an. Foto: ingo schneider

Gästeführer hatten kritisiert, dass dieses Modell den Wettbewerb verzerre. Künftig haben alle Anbieter von Gästeführungen den gleichen Status. Währenddessen hat Günter Ebi, Inhaber von "Freiburg Kultour", dem bisherigen alleinigen Partner der Stadt, die Neuregelung zum Anlass genommen, sich aus der Branche zurückzuziehen.

Die "Freiburg, Wirtschaft, Touristik und Messe GmbH (FWTM)" zieht damit die Konsequenzen aus jahrelangen Streitereien unter Gästeführern; immer wieder sah sie sich dem Vorwurf ausgesetzt, mit dem Exklusivpartner-Modell ein einzelnes Unternehmen zu bevorzugen. "Der Tourismus in Freiburg hat sich in den vergangenen 15 Jahren in hohem Maße weiterentwickelt", erklärt FWTM-Geschäftsführer Bernd Dallmann die Abkehr vom alten Modell. Zu dieser Weiterentwicklung gehört auch ein breit gefächertes Angebot von Gästeführungen – von klassischen Münster-, Bächle- und Solartechniktouren bis hin zu Führungen mit Schauspielern, die in historische Rollen schlüpfen.

Eingeführt hatte die FWTM das Modell 1997. Zuvor hatte die Stadtverwaltung sich selbst um Gästeführungen gekümmert, damit aber "ein sechsstelliges Defizit angehäuft", erinnert sich Dallmann. Für ein Exklusivpartnermodell habe man sich entschieden, um die Grundversorgung an öffentlichen Gästeführungen ohne Voranmeldung abzudecken. Drei Mal ging Günter Ebi mit seiner Firma "Freiburg Kultour" als Gewinner aus der auf fünf Jahre befristeten Ausschreibung hervor. Mittlerweile sei die Grundversorgung auch ohne Exklusivpartner gewährleistet, findet Dallmann. "Es gibt genug Potenzial, dass einer für den anderen in die Bresche springen kann." Mit 20 Anbietern hat die FWTM Kooperationsverträge für zunächst einmal drei Jahre abgeschlossen, nur zwei haben dies abgelehnt. In diesen Verträgen enthalten sind Spielregeln, die einen fairen Umgang unter den Wettbewerbern sicherstellen sollen. Wer dagegen verstößt, dem kann die FWTM den Kooperationsvertrag kündigen, wobei ein Ausschuss mit Vertretern der FWTM und der Gästeführer in die Entscheidung mit eingebunden wird. "Es herrscht eine richtige Aufbruchstimmung", sagt Dallmann. Gästeführer Fernando Schüber von "Freiburg aktiv" hält die Neuregelung in jedem Fall für eine Verbesserung: "Sensationell. Die Wettbewerbsverzerrung ist endlich weg."

Werbung


Treffpunkt für die Gästeführungen ist künftig der Rathausplatz, einen Schalter für Gästeführungen, wie ihn "Freiburg Kultour" bei der Tourist-Info im Rathaus hatte, wird es nicht mehr geben. Stattdessen wird in der Tourist-Info ein Flyer mit dem gesamten Angebot ausgegeben, darin wird kein Anbieter mehr hervorgehoben präsentiert; außerdem gibt es eine monatliche Agenda mit den öffentlichen Führungen. Ein Großteil des Geschäfts läuft inzwischen ohnehin übers Internet, laut Ebi etwa 60 Prozent.

Gebucht wird heute viel übers Internet, weniger am Schalter

Buchungen am Schalter, bestätigt Dallmann, seien stark zurückgegangen. Deshalb wird die FWTM Anfang 2012 auch das Häuschen am Eingang der Rathausgasse nahe dem Colombi-Hotel, an dem man telefonisch Hotelübernachtungen buchen kann, abreißen lassen.

Mit Einführung der neuen Regelung hat Ebi sein Unternehmen "Freiburg Kultour" an Sybille Kleinschmitt und Natalia Herrera-Szanto verkauft, für wieviel wollen die Beteiligten nicht sagen. Den neuen Inhaberinnen gehört bereits die Firma "Freiburg Living History", die sich in Freiburg, Basel, Konstanz und Emmendingen auf historisch-biografische Stadtführungen mit Schauspielern spezialisiert hat. Er sei aus Alters- und gesundheitlichen Gründen ausgestiegen, aber auch der Verlust der privilegierten Stellung habe eine Rolle gespielt, sagt der 68-jährige Ebi. "Ich kann mit der neuen Situation leben, aber die vergangene Zeit war schwierig und hat mir auch zugesetzt." Laut Kleinschmitt sollen alle 48 Gästeführerinnen und -führer, die bei Ebi auf Honorarbasis beschäftigt waren, übernommen werden, ebenso zwei festangestellte Mitarbeiterinnen. Allerdings wollen die 48 bei den neuen "Freiburg Kultour"-Chefinnen über eine Honorarerhöhung verhandeln, da sie zusätzliche Aufgaben übernehmen müssten, die bislang am Schalter erledigt wurden, sagt Sprecherin Gabriele Volk.

Autor: Frank Zimmermann