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25. April 2014

Geschichten aus der Sprachschatzkiste

An der Pädagogischen Hochschule lebt ein Buchprojekt für nichtdeutschsprachige Kinder auf.

  1. Stolz auf die „Sprachenschatzkiste“: Sigrid Leder-Zuther, Katja Schnitzer, Bergita Badalli und Joanna Zolchikowska. Foto: Michael Bamberger

Für manche war es ein einmaliges Ereignis – Bergita Badalli erinnert sich an einen staunenden Roma-Jungen: "Wahnsinn, ein Buch in meiner Muttersprache!" Immer mehr Kinder wachsen in ihren Familien nicht mit Deutsch auf, etliche haben kein einziges Buch in ihrer Muttersprache. Dem setzt das Buchprojekt "Die Sprachenschatzkiste" neun Geschichten aus Freiburg entgegen – in 22 Sprachen. Der Verkauf läuft schleppend, die Initiatorinnen machen nun nochmal mobil. Auch an der Pädagogischen Hochschule (PH), wo alles begann, soll es weitergehen.

Was macht der kleine Viktor, als sein Bächleboot verschwindet? Er verfolgt seine Spur und landet plötzlich im Mittelalter. Joanna Zdzichowska hat diese Geschichte vorgelesen – auf ihrer Muttersprache Polnisch. Dazu kamen passende Geräusche und technische Tricks, und alles wurde aufgenommen. So entstand ein polnisches Hörspiel.

Joanna Zdzichowska studiert Deutsch als Fremdsprache an der PH, sie hat im vergangenen Winter am Hörspiel-Seminar teilgenommen, das Franziska Trischler und Natalia Hahn geleitet haben. Es war die Fortsetzung eines inzwischen vier Jahre alten Projekts, das Katja Schnitzer begonnen hatte. Damals unterrichtete sie an der PH, inzwischen ist sie nach Liestal in die Schweiz gewechselt.

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Hauptziel ist die Förderung der Muttersprache

Sie ließ ihre Freiburger Studierenden vor vier Jahren in einem Seminar mehrsprachige Geschichten erfinden und illustrieren. Bei der Suche nach Übersetzern halfen die Kontakte der Mitarbeiter vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) in der Flüchtlingsunterkunft an der Bissierstraße. Dort und an Schulen organisierten die Studierenden Vorlesenachmittage für Kinder und Eltern – mit rund 20 Geschichten, die sie immer wieder kopierten. Die Flüchtlingsunterkunft nutzte die Vorlagen außerdem für den Aufbau einer Bibliothek, so DRK-Abteilungsleiterin Sigrid Leder-Zuther. Das passte umso besser, weil die Geschichten helfen, Freiburg kennenzulernen: Sie spielen unter anderem im Münster, auf dem Mundenhof oder am Schlossberg. Hauptziel des Projekts war und ist die Förderung der Muttersprache, betont Katja Schnitzer. Studien belegen, dass Kinder dadurch leichter Deutsch und andere Sprachen lernen. "Das ist so wichtig!" sagt Bergitta Badalli, die aus dem Kosovo stammt, Deutsch als Fremdsprache studiert und als Albanisch-Übersetzerin mitgemischt hat.

Vergangenen Sommer wurden nun neun der Geschichten ausgewählt und über den Jos-Fritz-Verlag veröffentlicht. Jedes Buch ist mehrsprachig, der deutsche Text ist gelb gedruckt, von den 22 anderen Sprachen hat jede ihre eigene Farbe. Es sind gängige Sprachen wie Französisch und Türkisch dabei, aber auch Exoten wie Lettisch oder Ukrainisch. Alle neun Bücher sind in einer Auflage von je 100 Stück erschienen – insgesamt also 900 Bücher. Davon sei bisher etwa ein Drittel verkauft, sagt Tina Bolg von Jos Fritz. Am beliebtesten war bisher das Mundenhof-Buch. Und auch das SC-Buch auf Türkisch und Französisch läuft gut.

"Die Bücher sind noch zu wenig bekannt", ist Katja Schnitzler überzeugt. Ein Infoabend in der Jos-Fritz-Buchhandlung soll das ändern. An der PH sind Seminare geplant, außerdem gibt’s etliche Ideen, von Theaterprojekten bis zu mehrsprachigen Stadtrundgängen für Kinder.

Infoabend zur Reihe "Die Sprachenschatzkiste – mehrsprachige Geschichten aus Freiburg", Montag, 28. April, 20 Uhr, Jos-Fritz-Buchhandlung, Wilhelmstraße 15. Lesungen auf Albanisch, Ukrainisch, Türkisch Spanisch; Hörbuch-Vorstellung auf Polnisch, Englisch, Alemannisch und Französisch. Eintritt frei. Die Bücher kosten 5,90 Euro.

Autor: Anja Bochtler