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19. April 2016

Studie

Grundstückspreise und Garagenplätze sind die Kostentreiber im Wohnungsbau

Energetische Standards machen Bauprojekte nicht viel teurer, so eine Studie, schlimmer sind Grundstückspreise und Garagenplätze.

  1. Gedämmte Häuser sind etwas teurer, sparen aber Treibhausgase ein – gut für die Ökobilanz sind sie allemal. Foto: Ingo Schneider

Machen höhere energetische Standards den Wohnungsbau teuer? Nein, sagt eine Studie, die die Stadtverwaltung in Auftrag gegeben hatte: Teuer werde ein Bauprojekt vielmehr durch Grundstückspreise, Tiefgaragenstellplätze oder Rohbaukosten. Während Vertreter der Baubranche skeptisch bleiben und niedrigere energetische Standards fordern, wollen Teile der Öko-Szene genau das Gegenteil, nämlich höhere.

Immer mal wieder waren die hohen energetischen Standards in Freiburg Zielscheibe der Kritik. Vor allem Investoren beschwerten sich, die städtischen Vorgaben verteuerten den Wohnungsbau unmäßig. Deshalb – und im Hinblick auf den geplanten Stadtteil Dietenbach – ließ die Stadtverwaltung genau diese Frage von der Stuttgarter Ingenieursgesellschaft EGS-Plan untersuchen.

Nun liegt das Ergebnis der Studie vor: Die energetischen Standards, so das Fazit, sind nicht das größte Problem bei der Verteuerung, aber sie haben großen Nutzen für den Klimaschutz und sollten deshalb beibehalten werden. "Wer mit KfW 55- oder KfW 40-Standard baut und die Fördermittel abschöpft, baut günstig", sagt Tobias Nusser von EGS-Plan.

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Für die Studie hatten die Gutachter mehr als 100 Versorgungsvarianten für ein standardisiertes Mehrfamilien- und ein Einfamilienhaus untersucht. Bei jeder Variante werteten sie den Kostenanteil für den Energiestandard aus; Referenzvariante für die Berechnung der Mehrkosten war der aktuell gültige gesetzliche Standard der Energieeinsparverordnung (Enev 16). Betrachtet wurden die Investitionskosten und die Jahresgesamtkosten.

Während zum Beispiel bei einem Mehrfamilienhaus in KfW-55-Standard das Grundstück mit 863 Euro pro Quadratmeter zu Buche schlug und die Außenanlagen mit 200 Euro, kostete der KfW-55-Standard nur 30 Euro pro Quadratmeter mehr. Dass andere Gutachter wie der Freiburger Frank Pfaff von sehr viel höheren energetischen Kosten ausgehen, erklärte Klaus von Zahn, der Leiter des Umweltschutzamtes, damit, dass bei solchen Gutachten oftmals Fördermittel nicht eingerechnet würden. Gerade in diesem Jahr wären diese jedoch deutlich erhöht worden.

Mehr dämmen oder erstmal abwarten?

Fazit der Studie: Höchstens 1,5 Prozent teurer würde ein Mehrfamilien-Bauprojekt mit KfW-55-Standard; hätte man noch eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung dazugepackt, wären es maximal 2 Prozent im Vergleich zur Enev 16 geworden. Die Stadtverwaltung hält deshalb die Herabsetzung der energetischen Standards für kontraproduktiv, da der Gebäudesektor die höchsten Einsparpotenziale für Treibhausgase bietet. "Wir machen das auch in Hinblick auf den geplanten Stadtteil Dietenbach", sagt Umweltbürgermeisterin Gerda Stuchlik.

Verschärfen will man die derzeitigen Vorgaben allerdings auch nicht. "Die Frage ist, wollen wir weiter dämmen oder andere Energieversorgungs- und Speichersysteme nutzen?", so Stuchlik. Die Stadtverwaltung wolle die aktuelle Diskussion in Ruhe abwarten. Stuchlik: "Die Antworten werden künftig andere sein als nur zusätzlich weiter zu dämmen."

Erwartungsgemäß lässt sich die Baubranche von der Studie nicht überzeugen. "Wir bleiben dabei, dass die energetischen Standards ein nicht zu vernachlässigender Kostentreiber sind", so Alexander Simon von der Vereinigung Freiburger Wohnungs- und Gewerbeunternehmen. Ganz anders positioniert sich der Verein Ecotrinova: Die Öko-Aktivisten fordern für den Stadtteil Dietenbach mindestens Passivhausstandard für alle Gebäude, alles andere sei "nicht akzeptabel", so Georg Löser von Ecotrinova.

Simon

Ecotrinova

Autor: Simone Lutz