Ermittlungserfolg

Gruppenvergewaltigung bei Freiburger Disko: Polizei nimmt 8 Verdächtige fest

Joachim Röderer

Von Joachim Röderer

Fr, 26. Oktober 2018 um 15:28 Uhr

Freiburg

Nach einer Gruppenvergewaltigung einer 18-jährigen Frau nach einem Diskobesuch in Freiburg hat die Polizei sieben Syrer und einen Deutschen festgenommen. Möglicherweise habe es noch weitere Beteiligte gegeben, so die Polizei.

Polizei und Staatsanwaltschaft haben am Freitagnachmittag den Ermittlungserfolg in diesem Fall vermeldet. Die acht Tatverdächtigen konnten demnach in Freiburg und in Gemeinden im Freiburger Umland festgenommen werden.

Die syrischen Verdächtigen sind zwischen 19 und 29 Jahren alt und lebten überwiegend in Asylunterkünften, fünf der sieben Syrer leben in der Stadt Freiburg. Der deutsche Verdächtige soll laut Polizei 25 Jahre alt sein. Fast alle Tatverdächtigen seien polizeilich schon in Erscheinung getreten, unter anderem durch Körperverletzungsdelikte.

Eine 18-Jährige hatte am Samstag vor zwei Wochen eine Technoveranstaltung in einer Diskothek an der Hans-Bunte-Straße in einem Industriegebiet im Freiburger Norden besucht. Dort soll sie in einem der dortigen Clubs von einem ihr nicht näher bekannten Mann ein Getränk erhalten haben. Gegen Mitternacht habe die Frau dann gemeinsam mit diesem Mann die Disko verlassen.

In einem Gebüsch nahe dem Eingang kam es nach Angaben des Opfers zu einem sexuellen Übergriff durch den unbekannten Begleiter. Dieser holte danach offenbar seine Bekannten aus der Diskothek. So sollen dann noch sieben weitere Männer die längst wehrlose und betäubte Frau vergewaltigt haben.

Ein DNA-Treffer führte zu einem der Männer

Unmittelbar nach der Anzeige der Tat hat die Kripo die Ermittlungsgruppe "Club" gegründet und sich intensiv mit dem Fall beschäftigt. Am Freitag, 19. Oktober, erhielten die Ermittler vom Landeskriminalamt die Rückmeldung, dass eine DNA-Spur, die am Opfer gesichert werden konnte, zu einem Treffer in der DNA-Datenbank geführt hatte. Der syrische Staatsangehörige konnte dann am nächsten Tag in einer Freiburger Flüchtlingsunterkunft festgenommen werden. "Danach folgten hintereinander weg die weiteren Festnahmen", so Polizeisprecherin Laura Riske.

Es folgten weitere intensive Ermittlungen, Vernehmungen, kriminaltechnische Untersuchungen und auch Observationen. Dies alles brachte die Kripo auf die Spur weiterer Verdächtiger. Am Donnerstag, 25. Oktober, konnten die Fahnder den letzten der bislang acht Tatverdächtigen in einer Flüchtlingsunterkunft in einer Umlandgemeinde festnehmen. Die Polizei könne derzeit nicht ausschließen, dass es noch weitere Beteiligte gegeben habe, so Sprecherin Riske. Die Ermittlungen laufen weiter.

Zum konkreten Ablauf der Tat in der Nacht zum 14. Oktober hat die Kripo weitere Ermittlungen geführt. Die bisherigen Ergebnisse legen nahe, dass beim Opfer eine Beeinflussung durch berauschende Mittel vorlag. Art, Umfang und Ursache dieser möglichen Beeinflussung sind Gegenstand weiterer Untersuchungen, heißt es. Es wird nicht ausgeschlossen, dass die Täter der Frau K.-o.-Tropfen verabreicht haben, um sie handlungsunfähig zu machen.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Freiburg befinden sich sämtliche Tatverdächtige wegen des dringenden Verdachts der Vergewaltigung in Untersuchungshaft.
Weiterhin sucht die Ermittlungsgruppe "Club" Zeugen, die sachdienliche Angaben zum Tatgeschehen vom 14. Oktober 2018 machen können. Insbesondere Besucher der dortigen Clubs in der Hans-Bunte-Straße, die in der Tatnacht Beobachtungen zum Tatablauf gemacht haben, werden gebeten, sich unter 0761-8825777 zu melden.

OB Martin Horn veröffentlichte eine Stellungnahme

In einer Pressemitteilung äußert Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn seine Bestürzung über diese abscheuliche Tat, die er aufs Schärfste verurteile, wie er schreibt.

Der OB sagt weiter, ihn bestürze, dass unter den Tätern Geflüchtete seien. Er betonte aber auch, dass die Straftaten nicht dazu dienen dürften, die in Freiburg lebenden Geflüchteten pauschal zu verurteilen.

Horn dankt Polizei und Staatsanwaltschaft für ihre Arbeit. "Es gibt keinerlei Toleranz für solche widerwärtigen Verbrechen", heißt es in der Mitteilung. "Wir werden unsere Anstrengungen, die Stadt für alle Menschen sicher zu gestalten, in enger Zusammenarbeit mit der Polizei weiter intensivieren." Nach dem Mord an der Studentin Maria Ladenburger im Oktober 2016 hatte das Innenministerium die Polizeipräsenz in Freiburg erhöht. Seither gibt es auch eine Sicherheitspartnerschaft zwischen Stadt und Land.

Im Velvet-Club, einer der beiden Clubs an der Hans-Bunte-Straße, ist man erleichtert über die Festnahmen: "Wir freuen uns, dass der schlimme Fall so schnell geklärt werden konnte", sagt einer der Betreiber. "Wir sind dankbar für die schnelle Ermittlungsarbeit der Polizei und hoffen, dass wir durch unsere Kooperation dazu beitragen konnten", äußerte er sich weiter und sicherte den Ermittlungsbehörden die fortdauernde Unterstützung zu.