Günstig wohnen im "Luftschloss"

Simone Lutz

Von Simone Lutz

Mi, 10. Januar 2018

Freiburg

Im Neubaugebiet Gutleutmatten macht das Mietshäusersyndikat vor, wie man die Mieten in Neubauten niedrig hält – für lange Zeit.

FREIBURG-HASLACH. Wie man in Freiburg gute und günstige Wohnungen errichtet, das macht gerade das Mietshäusersyndikat im Baugebiet Gutleutmatten vor. Dort haben Bewohner bereits zwei Syndikatshäuser bezogen – sie heißen "Luftschloss" und "Lama" –, ein weiteres ist im Bau. Wer hier wohnt, zahlt wenig Miete und hat zudem die Garantie, dass diese mindestens 30, oft 55 Jahre lang nicht steigt.

Maria Kenk und Horst Berg sind Ende Juli in ihre Wohnung im dritten Stock der Arne-Torgersen-Straße 24 im Ostteil von Gutleutmatten eingezogen: Hell ist ihr neues Heim, gut gedämmt, extra für Maria Kenk rollstuhlgerecht gestaltet, mit Aufzug, Balkon, Gemeinschafts-Dachterrasse – und das für 6,50 Euro pro Quadratmeter kalt sowie rund 240 Euro Nebenkosten. Das Paar zahlt also für seine 77 Quadratmeter Neubau 740 Euro Miete warm – für Freiburg ein echtes Schnäppchen. Die zwei größten Vorteile sind da noch gar nicht aufgezählt: Die Miete wird die nächsten Jahrzehnte nicht steigen und Kenk und Berg müssen keine Kündigung fürchten. "Wir haben vorher in der Wiehre gewohnt, uns aber entschlossen, hierherzuziehen, weil wir das Projekt so interessant finden", sagt Maria Kenk. Die Nachbarschaft? Wunderbar, meint Horst Berg: "Wir kommen quasi aus einem Altersheim und hier gibt’s junge Leute und Kontakte."

Nachbarin Petra Müller-Stolz ist ebenfalls glücklich mit ihrem neuen Zuhause. Sie ist mit ihren zwei Kindern aus einer Genossenschaftswohnung ins "Luftschloss" gezogen: "Aber die Genossenschaft hat die Mieten ausgereizt, hier sind sie jahrzehntelang stabil, und danach geht’s auch nicht gleich steil bergauf." Dass die neuen Nachbarn noch die Mülltonnen nach vorne zur Eschholzstraße rollen müssen und alle auf einen Bäcker in der Nähe hoffen – "so ist das halt in einem Neubaugebiet", sagt Horst Berg. Doch es sei "total toll in der Wohnung und im Haus", sagen die Nachbarn unisono.

Möglich macht das das Mietshäusersyndikat, ein Verbund selbstorganisierter Hausprojekte. Hier bauen Menschen in Hausprojekten ihre Häuser selbst und erhalten Unterstützung vom Syndikat, gleichzeitig wird sichergestellt, dass die Wohnungen günstig sind und nie verkauft werden können. Architektin Helma Haselberger hat die drei Syndikatsprojekte – knapp zehn Prozent aller Wohnungen in Gutleutmatten – koordiniert. Fast 3,5 Millionen Euro kostete das "Luftschloss", Baukosten pro Quadratmeter: 3200 Euro. Kredite und Zuschüsse kamen von der L-Bank, der Kreditanstalt für Wiederaufbau, der Sparkasse und, ganz wichtig, von solidarischen Geldgebern als Direktkredite.

Damit entstanden 13 Wohnungen, neun geförderte (Miete: 6,50 Euro pro Quadratmeter) und vier frei finanzierte (7 Euro), auch eine Wohnung für Flüchtlinge ist dabei. Gerade diskutiert die Hausgemeinschaft über einen Solidaritätstopf, in den Besserverdienende einzahlen. "Wir treffen grundsätzlich einstimmige Entscheidungen", sagt Maria Kenk, "bisher hat’s geklappt." Der soziale Aspekt sei wichtig. Zu besichtigen ist das auch beim Projekt "Lama" zwei Häuser weiter. Dort gibt es sogar zwei Flüchtlingswohnungen – die Mieter, die sich ihre Nachbarn selbst aussuchen, fanden alle Flüchtlinge, die sich vorstellten, so sympathisch.

Mehr Infos unter http://www.syndikat.org