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14. Januar 2015 18:36 Uhr

Beispiel Freiburg

Gut gedämmte Häuser haben vermehrt Probleme mit Schimmel

Die Häuser sind neu, doch in der Wohnung lauert die Gefahr: Schimmel. Immer häufiger sind gut gedämmte Räume betroffen, wie das Beispiel Freiburg zeigt. Eine Lösung gibt es, doch daran wird oft gespart.

  1. Lüften hilft da nicht. Foto: Schneider

Neue Fenster und eine gut gedämmte Fassade: Für den Energieverbrauch eines Hauses ist das ideal, und darauf wird in der Ökostadt Freiburg besonderen Wert gelegt. Doch immer häufiger gibt es in dicht eingepackten Häusern Probleme mit Schimmel, selbst gutes Lüften hilft oft nicht. Eigentlich müssten viele Gebäude inzwischen eine automatische Lüftungsanlage haben, sagen Energieberater. Doch die kostet, weshalb meist darauf verzichtet wird.

Als der Energieberater Jörg Maurer zu einem Gebäude im Stadtteil Rieselfeld gerufen wird, traut der Lahrer seinen Augen kaum. Schimmel in der ganzen Wohnung – und Messwerte jenseits von gut und böse. Die Luftfeuchtigkeit liegt bei rund 80 Prozent, die CO2-Werte weit über dem Grenzwert. "Total verrückt", sagt Maurer. Er schätzt, dass es in den übrigen Wohnungen des Hauses Baujahr 2002 nicht viel anders aussieht. Einzelfälle seien dies nicht, sagt er. Neue Fenster und gut gedämmte Fassaden führten immer häufiger zu Schimmel – und oft auch zu Gesundheitsproblemen der Bewohner. Gleiches beobachtet der Freiburger Energieberater Otto Mangold: "Die Häuser sind hermetisch dicht. Da ist Schimmel programmiert."

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Der ideale Nutzer ist nicht immer realistisch

In Freiburg wird viel Wert auf hohe energetische Standards gelegt. Es gibt Förderprogramme und Geld für Besitzer, die Fenster austauschen und dämmen. Die baulandpolitischen Grundsätze der Stadt sehen zudem inzwischen beim Grundstücksverkauf und in neuen Bebauungsplänen vor, dass Gebäude dem KfW-55-Standard entsprechen müssen: Damit sind sie effizienter, als es die bundesweite Energieeinsparverordnung verlangt. Das Problem werde sich also eher verschärfen, meinen die Energieberater. Das Haus im Stadtteil Rieselfeld wurde noch nach niedrigerem Standard gebaut.

Auch der Stadt Freiburg sind die Schwierigkeiten bestens bekannt. "Bei allen Berechnungen wird von einem idealen Nutzer ausgegangen, der vorbildlich lüftet", sagt Klaus von Zahn, Leiter des Umweltschutzamts: "Das ist jedoch nicht immer realistisch." Die Stadtverwaltung achte deshalb beispielsweise darauf, dass Fördermittel für neue Fenster nur derjenige bekommt, der auch eine entsprechend gedämmte Fassade hat. Haben Altbauten nur neue, abgedichtete Fenster, kann die Feuchtigkeit nicht mehr raus und schlägt sich an den kalten Wänden, die nach außen gehen, nieder: Schimmel droht. Bewohner von Neubauten seien noch mehr gefragt, sagt von Zahn – und auch die Architekten, die den Bauherren das Problem vermitteln müssten.

Lüftungsanlage stößt auf Vorbehalte

Das stehe bei ihnen inzwischen auf der Tagesordnung, sagt Manfred Sautter von der Freiburger Gruppe der Architektenkammer Baden-Württemberg. Sein Büro rate bei gut gedämmten Neubauten inzwischen immer zur Lüftungsanlage. Allein: Häufig seien Investoren nicht erpicht darauf, mehr auszugeben. Aber auch Bewohner haben Vorbehalte, berichten die Energieberater: Etwa weil sie fürchten, dass sie nie wieder die Fenster öffnen dürften oder die Lüftung Lärm mache. Beides sei nicht der Fall.

Während bei den energetisch noch höherwertigen Passivhäusern automatische Lüftungsanlagen Standard sind, ist dies bei den KfW-55-Häusern nicht vorgeschrieben. Nur in zwei von zehn Neubauten seien aktuell Lüftungsanlagen enthalten, schätzen die Energieberater. Der Preis einer solchen Anlage hänge vom Gebäude ab. Ein paar tausend Euro kämen aber schnell zusammen, bei größeren Häusern gehe es auch um fünfstellige Beträge. In jedem Fall sei es aber günstiger, die Anlage sofort mit einzuplanen, statt sie später nachzurüsten.
Gutes Klima Daheim

Duschen, Kochen, Wäschetrocknen: Eine vierköpfige Familie produziert in ihrer Wohnung jeden Tag zehn bis zwölf Liter Wasser. Allein im Schlaf schwitzt jeder Mensch etwa einen halben Liter aus. Die Feuchtigkeit muss aus der Wohnung heraus, sonst droht Schimmel. Keinesfalls sollten die Fenster dauerhaft gekippt sein, besser ist Stoßlüften: mehrmals am Tag für zehn bis fünfzehn Minuten weit öffnen und für Durchzug sorgen. Die Raumtemperatur sollte bei rund 20 Grad liegen, die Luftfeuchtigkeit zwischen 50 und 60 Prozent. Für die Kontrolle gibt es Messgeräten für wenige Euro. Teurer sind Geräte, die auch den CO2-Gehalt der Luft bestimmen. Da sich Schimmel bevorzugt an schlecht belüfteten Außenwandflächen bildet, sollten Möbel mit einem Abstand von rund zehn Zentimetern vor der Wand stehen.

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Autor: Jelka Louisa Beule