Freiburg

Gutachten zu Gutleutmatten vergrößert Graben zwischen Baugruppen und Stadtverwaltung

Sina Gesell

Von Sina Gesell

Do, 12. Mai 2016 um 01:00 Uhr

Freiburg

Beim Energiekonzept für Gutleutmatten zieht der Experte andere Schlüsse als die Stadtverwaltung. Die Baugruppen fühlen sich bestätigt.

Der Streit zwischen Stadtverwaltung und Baugruppen um das Energiekonzept im Neubaugebiet Gutleutmatten in Haslach geht weiter. Auch das vom Rathaus in Auftrag gegebene Gutachten konnte nicht zur Schlichtung beitragen. "Wir werden einen Punkt dran machen", sagte Umweltbürgermeisterin Gerda Stuchlik bei einer Pressekonferenz am Mittwoch.

Als "nicht sehr freundlichen Akt" bezeichnete Stuchlik das Verhalten der Baugruppen. Sie hatten die Einladung zu einem Gespräch ausgeschlagen, weil ihnen das Gutachten erst eine Woche vor dem Termin zuging – zu kurzfristig, wie es in einer Pressemitteilung der Initiative heißt. Die Verwaltung habe das Gutachten zwei Monate unter Verschluss gehalten. Dem widersprach Stuchlik. Die Verwaltung habe die Ausarbeitung erst prüfen und Gespräche mit dem Gutachter, dem Bad Krozinger Ingenieur Peter Schiwek, führen müssen. Die gewünschten Änderungen habe dieser bislang nicht übernommen, wie Stuchlik einräumte.

In einem Schreiben des Umweltamtes an den Gutachter heißt es, dessen Ausarbeitung entspreche nicht der Vereinbarung, die Rechnung werde erst nach Abnahme des Gutachtens vollständig beglichen. Dieses kommt zu dem Ergebnis, dass die von der Badenova-Tochter Wärmeplus geforderten Preise im Vergleich mit anderen Fernwärmenetzen eher im oberen Drittel anzusiedeln seien. Der Experte stuft das Konzept – die Verwaltung beziffert die Investitionssumme auf 3,5 Millionen Euro – als nicht wirtschaftlich ein und bezeichnet die Fernwärmeanlage als "offensichtliche Fehlplanung". Der Gutachter schlägt Alternativen vor wie eine Wärmepumpe mit Photovoltaik oder ein sogenanntes intelligentes Stromnetz. Über die "wenig innovativen" Vorschläge sei er erstaunt gewesen, sagte Klaus von Zahn, Leiter des Umweltschutzamtes. Hingegen stuft der Gutachter das jetzige Konzept als nicht innovativ ein, das unter anderem vom Bund finanziell gefördert und vom Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme (ISE) begleitet wird.

Knackpunkt ist der Wärmepreis: Der liegt in Gutleutmatten bei 21,1 Cent pro Kilowattstunde. Zum Vergleich: In Vauban zahlen die Nutzer 14,2 Cent, in Rieselfeld 12,7 Cent. Die Baugruppen ziehen auch das Güterbahnhofareal heran, wo die Preise weniger als halb so hoch seien. Wärmeplus-Geschäftsführer Klaus Preiser sprach in der Pressekonferenz von einer "ganz anderen Energiedichte". Der Gutachter dagegen befürchtet, wie er in seiner Ausarbeitung deutlich macht, dass das Kartellrecht tangiert sein und damit ein sogenannter Preishöhenmissbrauch vorliegen könnte.

Stadtverwaltung wirft dem

Gutachter Rechenfehler vor

Preiser führte die 21,1 Cent am Mittwoch auf die hohen Fixkosten zurück, die durch den Bau und Betrieb der Anlage in Gutleutmatten entstünden und die bei ökologischen Lösungen üblich seien. Das Konzept sieht Fernwärme in Kombination mit Sonnenkollektoren vor. Für die Baugruppen besteht ein Anschlusszwang ans Fernwärmenetz, den sie gerne aufgehoben hätten. Sie müssen laut Klaus von Zahn nicht mehr für eine vergleichbare Wohnung bezahlen als Bewohner in Vauban oder Rieselfeld. Bei den hochgedämmten Häusern in Gutleutmatten würden weniger Kilowattstunden Wärme benötigt, laufende Kosten seien geringer.

Das Gutachten kommt zu einem anderen Schluss. Während die Stadtverwaltung die Energiekosten pro Quadratmeter berechnet, legt der Gutachter die Kosten je Kilowattstunde zugrunde – ein "Rechenfehler", wie die Vertreter der Verwaltung sagten. Die Meinungen gehen auch bei einer Wärmerückgewinnungsanlage auseinander. Die Stadtverwaltung will nun "um des Friedens willen" die Einsparungen aus der Anlage den Baugruppen zugute kommen lassen.

Über Konzept und Kosten hätten die Baugruppen von Anfang an Bescheid gewusst, sagte Stuchlik. Dem widerspricht die Initiative und beschuldigt die Verwaltung der Täuschung: "Tatsächliche Preise konnten erst nach Planung der Gebäude errechnet werden – zu einem Zeitpunkt, in dem erhebliche Investitionen bereits getätigt waren." Im Vorfeld hatten die Baugruppen der Stadtverwaltung zudem vorgeworfen, ein Gefälligkeitsgutachten in Auftrag gegeben zu haben. Dem sei der Gutachter jedoch nicht gefolgt und habe die Verantwortlichen in Bedrängnis gebracht, wie die Initiative nun mitteilte.