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26. August 2014 11:30 Uhr

Wohnungsbau

Gutleutmatten: Parkflächen treiben die Mieten hoch

Die Wohnungen im Neubaugebiet Gutleutmatten sollen günstig sein. Doch obligatorische Tiefgaragenplätze – pro Wohnung einer – treiben die künftigen Mieten in die Höhe. Dabei haben viele zukünftige Bewohner gar kein Auto. Außerdem ist eine Änderung der Landesbauordnung in Reichweite.

  1. Das Neubaugebiet Gutleutmatten von oben. Foto: Nils Theurer

Im Haslacher Neubaugebiet Gutleutmatten haben sich elf Baugruppen zusammengetan. Sie fordern von der Stadtverwaltung, die bislang geltende Regelung zu Parkplätzen – pro Wohnung ein Stellplatz – zu kippen. "Das ist unnütz in Tiefgaragen verbuddeltes Geld", sagt Baugruppen-Sprecherin Karin Jehle. Doch die Stadtverwaltung verweist auf die Landesbauordnung – die sich nächstes Jahr ändern soll.

Anfang Juni trafen sie sich zum ersten Mal zum Austausch: elf Baugruppen, die alle ein Grundstück in Gutleutmatten bekamen. Schnell stellte sich heraus, dass sie ein Problem gemeinsam haben: Pro Wohneinheit verlangt die Landesbauordnung einen Stellplatz. Die Baugruppen bauen jedoch vor allem kleine, günstige Mietwohnungen; das hatte die Stadtverwaltung so verlangt. "Die Stellplatzkosten – wir gehen von 35 000 Euro pro Platz aus – verteuern die kleinen Wohnungen aber immens", so Andreas Henle von der Baugruppe Solaris. Da werde die Finanzierung über Banken schwierig. Mieter von Sozialwohnungen hätten außerdem nicht alle ein Auto, meint Henle, und: "Einige Baugruppenmitglieder würden am liebsten ganz auf ein Auto verzichten."

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Nur fünf von 13 Mietparteien haben überhaupt ein Auto

Auch Karin Jehle von der Baugruppe Lama, eines von drei Projekten des Mietshäusersyndikats in Gutleutmatten, kennt solche Fälle. Lama baut 13 Wohnungen, davon neun geförderte – die 33 Prozent unter Mietspiegel-Niveau liegen – und vier freifinanzierte. Aktuell hätten fünf der 13 Haushalte ein Auto, die anderen nicht, sagt Jehle.

Sie rechnet vor: Der Bau einer öffentlich geförderten 35-Quadratmeter-Mietwohnung würde ohne Tiefgaragenplatz etwa 112 000 Euro kosten (3200 Euro pro Quadratmeter), mit Stellplatz etwa 147 000 Euro (4200 Euro pro Quadratmeter). Damit würde die Kaltmiete von 273 Euro im Monat auf 360 Euro steigen – auch, wenn der Mieter kein Auto hat.

Das Problem ist nicht neu. Bereits vor zwei Jahren hatte Ralf Klausmann, Geschäftsführer der städtischen Wohnbaugesellschaft Stadtbau, in einem Brief an Minister Nils Schmid gebeten, die Landesbauordnung flexibler zu gestalten. Gerade in Freiburg bremse die Vorgabe den Sozialwohnungsbau – und sei oft unsinnig. Die Hälfte könne man sich sparen, findet Klausmann, und das Geld in mehr Wohnraum stecken. "Wir erleben täglich, dass teuer erstellte Tiefgaragen größtenteils leer stehen", schrieb er damals.

Die Stadt bleibt hart – und will kein Gesetz brechen

Für nächstes Jahr sieht die novellierte Landesbauordnung vor, dass Städte und Gemeinden eine eigene Satzung erlassen und damit den Stellplatzschlüssel ändern können – also zum Beispiel auf nur 0,5 Stellplätze pro Wohnung. Dazu hatten verschiedene Ämter der Stadtverwaltung am Dienstag eine Besprechung. "Doch bis so eine Satzung erstellt und gültig ist, dauert es bis Mitte oder Ende nächsten Jahres", sagt Edith Lamersdorf, Pressesprecherin des Rathauses. Für die Baugruppen auf Gutleutmatten gelte bis dahin: ein Stellplatz pro Wohnung. "Alles andere wäre glatter Rechtsbruch."

Die Baugruppen wollen das nicht akzeptieren – nicht mit der Gesetzesänderung in Reichweite. Ihr Vorschlag: die Mobilität der Bewohner anders organisieren, zum Beispiel mit Car-Sharing oder Hol- und Bringdiensten, sowie kleine, dezentrale Tiefgaragen – und natürlich eine andere Stellplatzverordnung. Die Fraktionen der Grünen und der Unabhängigen Listen im Gemeinderat haben bereits reagiert; Ende September soll das Thema im Bauausschuss besprochen werden.

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Autor: Simone Lutz