Förderprogramm

Gymnasiasten aus nichtakademischem Elternhaus sollen zum Studieren motiviert werden

Barbara Meyer

Von Barbara Meyer

Sa, 04. Oktober 2014

Freiburg

Förderprogramm will Gymnasiasten aus nichtakademischem Elternhaus zum Studieren motivieren.

Das neue Schuljahr hat gerade erst angefangen, doch für viele Gymnasiastinnen und Gymnasiasten, die in die elfte Klasse gekommen sind, stellt sich bereits jetzt die Frage, ob sie nach dem Abitur studieren oder eine Ausbildung machen möchten. Keine einfache Entscheidung. Manche nichtakademische Elternhäuser scheuen den Weg an die Hochschule. Das Förderprogramm Studienkompass möchte die Hemmschwelle senken. Georg Ortmann ist einer von 15 Stipendiaten aus der Region.

"Ich studiere, ich studiere nicht, ich studiere…." auf das Gänseblümchenorakel möchte Georg Ortmann sich nicht verlassen. Der 16-Jährige besucht die elfte Klasse des Kepler-Gymnasiums im Stadtteil Rieselfeld. Im Sommer 2016 wird er sein Abitur machen. Und dann? "Ich weiß es noch nicht", gesteht er ohne Umschweife. Das gemeinnützige Förderprogramm Studienkompass begleitet seit 2007 Schülerinnen und Schüler, die als Erste in ihrer Familie studieren möchten. Das trifft auf Georg Ortmann eigentlich nicht zu, denn seine Schwester und auch der Bruder studierten schon. Dennoch wurde er in das Programm aufgenommen, weil seine Eltern keine Akademiker sind. Dies ist eine Grundvoraussetzung für Studienkompass.

Drei Jahre Begleitung auf

dem Weg zur Hochschule

"Nur ein geringer Teil der Studierenden an deutschen Hochschulen kommt aus einem Elternhaus ohne akademischen Hintergrund. Das wollen wir ändern", sagt der Regionalkoordinator von Studienkompass Niklas Haarstick, "wir wollen den Schülerinnen und Schülern die Angst vor einem Studium nehmen." Dazu erleben Georg Ortmann und die 14 Stipendiaten Workshops, Exkursionen und ein spezielles Training. Studienkompass ist keine Stiftung im klassischen Sinne, die die jungen Leute mit Geld unterstützt. Die beiden letzten Schuljahre sowie das erste Jahr an der Uni begleitet der Studienkompass Schüler unentgeltlich auf ihrem Weg in die Hochschule, gibt Tipps und Ratschläge, die im Elternhaus womöglich nicht gegeben werden können. Zum Beispiel zu einzelne Fächerkombinationen. "Darin besteht nach unseren Erfahrungen der größte Beratungsbedarf", sagt Niklas Haarstick. Georg Ortmann hat sich darüber auch noch keine größeren Gedanken gemacht. Seine liebsten Schulfächer sind Sport und Biologie. "Vielleicht wäre Medizin etwas für mich", überlegt Georg Ortmann, der in seiner Freizeit gerne Fußball spielt.

Sein Lehrer hatte das Förderprogramm vorgestellt, für das die schwäbische Karl-Schlecht-Stiftung 50 Plätze in Baden-Württemberg finanziert. "Ich war davon gleich begeistert, denn ich weiß noch nicht so genau, was ich nach dem Abi machen will", erzählt Georg Ortmann. Deshalb hat er an dem zweistündigen Auswahlverfahren, das an seiner Schule stattfand, teilgenommen. "Wir mussten bei dem Test auf Zeit Matheaufgaben lösen und den Umgang mit Wörtern zeigen. Der zweite Teil bestand dann aus persönlichen Fragen zu Hobbys, Familie und so was", sagt der Jugendliche. Als Nachrücker hat er es in das Programm geschafft und freut sich auf die kommenden drei Jahre.

Ein erster Workshop hat bereits stattgefunden. "Zukunftsplaner" lautete der Titel. Die Stipendiaten sollten darin ihren gewünschten Lebensweg aufzeichnen und sich mit ihren Stärken und Schwächen befassen. Von den Programmteilnehmern wird erwartet, dass sie sich regelmäßig an den Angeboten beteiligen und sich aktiv einbringen. "Denn so", sagt die Projektleiterin Inga Koehler, "profitieren die Stipendiaten am meisten von Studienkompass." Da passt dann das Zitat, das in Georg Ortmanns Glückskeks steckt, perfekt: "Wer gibt, der empfängt."