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14. Mai 2010

"Helfen wollen ist wie ein Fieber"

LEUTE IN DER STADT:Karl Gremmelspacher vermittelt Kontakte von spendablen Freiburgern zu den Empfängern der Güter in Afrika.

  1. Eine Ladung Hilfe: Charly Gremmelspacher beim Verladen von Gütern Foto: privat

Ein weit verzweigtes Netzwerk leistet in Freiburg vielfältige Hilfe für Afrika. Wenn Karl Gremmelspacher aus dem Stadtteil Haslach für Afrika aktiv wird, geht es vor allem um Hilfslieferungen. Der 58-Jährige ist in der Stadt bekannt. Werden in einem Krankenhaus Betten ersetzt – man ruft ihn an: "Charly, wir haben was für dich!" Braucht eine Hobby-Fußballmannschaft im Senegal Trikots: Charly Gremmelspacher wird mit Sicherheit einen Sponsor finden.

Unter anderem ist Charly Gremmelspacher Mitglied im Afrikarat, in dem sich Freiburger afrikanischer Herkunft in 19 Vereinen zusammengeschlossen haben. Welche Hilfsgüter in welchem Winkel des Kontinents gebraucht werden, erfährt er durch seine persönlichen Kontakte. Je nach Angebot und Nachfrage bringt er dann die Geber und Empfänger zusammen. Es kommt auch vor, dass Freiburger Firmen ihn anrufen, wenn in ihren Warencontainern, die für afrikanische Kunden bestimmt sind, noch Platz ist. Dann kann er zum Beispiel Fahrräder, Rollstühle oder Operationsmaterial als Beiladung unterbringen.

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Dass die Güter veruntreut oder anders als vorgesehen verwendet werden, ist fast unmöglich, denn der Empfang und die Weiterverwendung werden am Zielort dokumentiert: per Bild und Brief, die an Charly Gremmelspacher gesendet werden müssen, will der Empfänger jemals wieder Hilfsgüter bekommen. Der Freiburger leitet die Post dann an die Spender weiter. Dieses System der direkten Verbindung zwischen Geber und Empfänger war seine Idee. Über die Jahre hat er ein dichtes Beziehungsgeflecht zwischen den Kontinenten aufgebaut. Es ist sein Lebenswerk.

Schon seit 1985 schlägt Charly Gremmelspachers Herz für Afrika. Seine erste Hilfsaktion führte ihn nach Mweka im ostafrikanischen Tansania. Dort stattete er eine Wildhüterfachhochschule, die einzige in Afrika, mit ausrangierten deutschen Polizeiuniformen aus. Zur Polizei unterhält er von Dienst wegen gute Kontakte. Denn Charly Gremmelspacher ist Strafvollzugsbeamter in der Justizvollzugsanstalt Freiburg. Wenn er in 14 Monaten pensioniert wird, will er sich noch intensiver in Afrika engagieren. "Wenn man das Elend gesehen hat, ist Helfenwollen wie ein Fieber", sagt er.

Was er an Afrika schätzt, sind die freundlichen, offenen Menschen. Er bewundert, dass sie Zeit füreinander haben, und den Zusammenhalt, den es in Dörfern und Städten gibt. Das Miteinander findet er sehr viel intensiver als in Deutschland. Niemals habe er während seiner Aufenthalte in Hotels gelebt, immer war er mitten drin, unter den Leuten.

Jenseits von Afrika hat er zwei Hobbys: Trike fahren und Modellbau. Seine Spezialität sind Nachbildungen von "Road Trains", überdimensional langen Lastkraftwagen, die in Australien Güter über Land führen. Die Miniaturen im Maßstab 1:87 sind bei Sammlern inzwischen sehr gefragt und nicht gerade billig. Er verkauft sie unter anderem auf Modellbaumessen. Der Erlös geht, na klar, komplett in seine Afrika-Projekte.

Mehr Infos auf Karl Gremmelspachers      Internetseite unter:      http://www.afrika-freiburg.de

Autor: Susanne Filz