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19. März 2015

Schule (ge)schafft

Projekt zur Berufsvorbereitung begeistert hörgeschädigte Schüler

Handwerkskammer und Schulamt stemmen gemeinsam sein Projekt zur Berufsvorbereitung.

  1. Zweiradmechaniker-Meisterin Tanja Knöfel zeigt zwei Schülern, wie man ein Rad repariert. Foto: M. Bamberger

"Schule (ge)schafft" – so lauten Titel und Motto eines Kooperationsprojekts der Mooswaldschule für Erziehungshilfe in Freiburg und des Bildungs- und Beratungszentrums für Hörgeschädigte (BBZ) in Stegen. Dabei arbeiten Schüler der Klassen 6 bis 9 ein Schuljahr lang einmal pro Woche in verschiedenen Arbeitsfeldern, um den Arbeitsalltag kennenzulernen und später den Einstieg ins den Beruf besser zu schaffen. Nun wurde das Projekt, in dem viel Engagement, Herzblut und Spendengeld stecken, zur offiziellen Bildungspartnerschaft zwischen Handwerkskammer und dem Staatlichen Schulamt geadelt.

Mittwoch, 10.30 Uhr, in einem der Werkräume der Freiburger Gewerbeakademie: Zehn Schüler tüfteln in Kleingruppen an aufgebockten Fahrrädern herum und fachsimpeln, teils in Gebärdensprache, über Details ihrer Arbeit. Claudia Bielefeld, Lehrerin am BBZ, greift hier und dort unterstützend ein und dolmetscht bei Bedarf in Gebärdensprache. "Können wir das nicht noch fertig machen?", fragt ein Schüler, als zur Pause gerufen wird. "Mal ehrlich: Wann passiert es in der Schule, dass Schüler keine Pause machen, sondern mit ihrem Projekt weiter machen wollen?", fragt Philipp Kahlke, verantwortlicher Lehrer der Mooswaldschule. Dass die Jungen Spaß an der Arbeit haben, ist offensichtlich. "Das liegt einfach daran, dass die Schüler hier direkte Erfolgserlebnisse haben", erklärt Zweiradmechaniker-Meisterin Tanja Knöfel, mit der die Gruppe bei drei Terminen Fahrräder repariert und danch verkauft. Wie sie mit den gehörlosen Jugendlichen kommuniziert? "Das Schöne beim Handwerken ist, dass man ganz viel zeigen kann", so die Meisterin.

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Mohamed und David gehören zur dritten Gruppe von Schülern, die am Projekt teilnehmen. Der 15-jährige David ist Schüler am BBZ. Obwohl er auch ohne sein Hörgerät etwa 60 Prozent hört, würde ihm die Kommunikation in einem Betrieb, der nicht auf Gehörlose eingestellt ist, schwer fallen. "Aber eigentlich ist das kein Problem", so sein Freund Mohamed, "alles Wichtige, kann man ja auch so anzeigen". Die Schüler lernen in den Projekttagen unter Anleitung ihrer Betreuer in einem geschützten Rahmen, nicht nur den Umgang mit den Gerätschaften, sondern auch untereinander. "Ich hatte noch nie so viel Spaß beim Lernen wie hier", erzählt Mohamed. Natürlich seien die Meister auch streng, aber das sei in Ordnung, weil sie einem ja schließlich etwas beibrächten. "Ich war bisher am liebsten in der Goldschmiede", sagt David. "Es ist schön, Dinge zum Glänzen zu bringen." Zwölf verschiedene Arbeitsbereiche lernen die Jugendlichen kennen – von Garten- und Landschaftsbau über Erste-Hilfe-Kurse bis hin zur Altenpflege.

Im November wurde das Projekt mit dem mit 5000 Euro dotierten Preis "Verein(t) für gute Schule" von der Stiftung Bildung und Gesellschaft und der Stiftung Bildung in Berlin ausgezeichnet. "Diese überregionale Anerkennung ist natürlich besonders schön für uns - vor allem, weil wir die erste Sonderschule sind, die diesen Preis bekommt", erzählt Kahlke.

PROJEKTKOSTEN

Die Kosten für das Projekt "Schule (ge)schafft" belaufen sich auf rund 18 000 Euro. Bisher ist alles noch komplett spendenfinanziert und lässt sich nach Angaben der Verantwortlichen nur durch das große Engagement der Lehrkräfte realisieren. Die ersten drei Jugendlichen, die vor drei Jahren an dem Projekt teilnahmen, haben mittlerweile eine Ausbildung begonnen, die anderen Teilnehmer sind derzeit noch im Berufseinstiegsjahr.  

Autor: ehrl

Autor: Annalena Ehrlicher