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28. Mai 2015

Hilfe beim Überleben und Weiterleben

LEUTE IN DER STADT: Artjom Bulakh aus der Ukraine konnte mit Unterstützung des "S’Einlädele" wieder in Freiburg operiert werden.

  1. Volker Höhlein (links) unterstützt Artjom Bulakh. Foto: ingo schneider

Es war fast wie heimkommen – trotz der Umstände: Als Artjom Bulakh (22) im April in die Uniklinik kam, traf er nicht nur den Arzt G. Björn Stark wieder, der ihn schon vor zehn Jahren operiert hatte, sondern auch zwei Pfleger von damals. Artjom Bulakh stammt aus Nalyaikowka, einem Dorf in der Ukraine. Im Oktober 2003 wurde er beim Spielen in einem Trafohäuschen durch einen 10 000-Volt-Starkstromschlag schwer verletzt. Ohne die Hilfe des "S’Einlädele" aus Freiburg wäre er wahrscheinlich gestorben. Jetzt brauchte er wieder Unterstützung.

Was wäre ohne Schwester Inge aus Artjom Bulakh geworden? Die damalige Leiterin des christlichen "S’Einlädele", die mittlerweile in Berlin lebt, hatte bei einer Reise in der Ukraine den inzwischen verstorbenen Großvater von Artjom Bulakh kennengelernt. Er hatte sich verzweifelt an ein Kinderheim gewandt, das vom "S’Einlädele" unterstützt wird. Der damals elfjährige Artjom Bulakh hatte, nachdem er bei seinem Unfall einen Arm und ein Ohr verloren und sich lebensgefährliche Brandverletzungen zugezogen hatte, eine bedrohliche Bakterieninfektion, sein Kopf war offen und eiterte.

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Schwester Inge brachte ihn 2005 an die Freiburger Uniklinik. Auch diesmal, zehn Jahre später, waren es wieder drei große Operationen und eine kleine: Unter anderem wurde die Titanplatte an Artjom Bualkhs Schädeldecke erneuert, er bekam eine neue Augen-Kunstlinse, der Tränenkanal wurde freigelegt und Nachstar behandelt. Seitdem haben seine Augen wieder 50 bis 60 Prozent Sehkraft, davor hatte er kaum noch sehen können.

Auch sonst sah es düster aus für ihn, bevor er nach Freiburg kam: Zwar hatte er trotz seiner Einschränkungen erfolgreich das Abi gemacht und vier Semester in Kiew Geschichte studiert – dann aber gab er auf. Die Belastungen durch andere Studierende, die ihn wegen der Folgen seines tragischen Unfalls diskriminierten – zu denen auch epileptische Anfälle gehören – waren zu groß. Artjom Bulakh zog sich in sein Heimatdorf zurück, dort war die Lage ebenfalls deprimierend, er resig-nierte immer mehr: Sein Vater ist tot, er lebte bei der alkoholkranken Mutter, ohne Perspektive.

Da war es gut, dass seine Freunde aus Freiburg im vergangenen Herbst nach längerer Pause mal wieder Kontakt zu ihm aufnahmen. Valentin Linevych, der selbst aus der Ukraine stammt, hatte die Verbindung nie abbrechen lassen – bei ihm und seiner Familie hatte Artjom Bulakh während seines ersten Freiburg-Aufenthalts gelebt, seitdem ist er Artjom Bulakhs Ersatzvater.

Perspektive im Europäischen Freiwilligendienst als Ziel

Als Volker Höhlein und Peter Behncke vom "S’Einlädele" erfuhren, wie schlecht es Artjom Bulakh ging, organisierten sie Hilfe: Wie vor zehn Jahren operierte ihn sein Arzt wieder honorarfrei, dennoch sind ähnlich hohe Kosten wie damals angefallen, unter anderem für den Aufenthalt in der Klinik und die Reise: 2005 waren es 25 000 Euro, diesmal sind es 23 000 Euro. Den größten Teil, nämlich 15 800 Euro, haben viele Spender rund ums "S’Einlädele" , die sich teils noch an Artjom Bulakh erinnern konnten, bereits gesichert – genau wie 2005. Doch nun fehlen noch gut 7000 Euro. Und außerdem weitere mindestens 9800 Euro, die Artjom Bulakh eine Perspektive schaffen sollen: Das "S’Einlädele" will Artjom Bulakh im Herbst wieder nach Freiburg holen, zum Europäischen Freiwilligendienst im Laden und im dazu gehörenden "Café Satz". Während der Zeit soll er Deutsch lernen und psychologische Unterstützung bekommen, um danach vielleicht sein Studium in Freiburg fortzusetzen, wünscht sich Volker Höhlein.

Infos und Kontakt: http://www.seinlaedele.de Tel. 0761/280907

Autor: Anja Bochtler