HNO-Ärztin der Uniklinik erhält Preis der Hodeige-Stiftung

Frank Zimmermann

Von Frank Zimmermann

So, 08. Juli 2012 um 14:00 Uhr

Freiburg

Susan Arndt, seit 2003 Ärztin an der Hals-, Nasen- Ohrenklinik der Uniklinik Freiburg, hat am Sonntag den Preis der Eleonore-und-Fritz-Hodeige-Stiftung verliehen bekommen. Die zum 15. Mal vergebene Auszeichnung ist mit 5000 Euro dotiert.

Die 41-Jährige hat seit 2008 erforscht, was ein Cochlea-Implantat bei einseitiger Taubheit bewirkt. Mit der Auszeichnung, deren Preisgeld der Forschungsarbeit zugute kommen wird, sei noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht, kündigt die im mecklenburgischen Ludwigslust geborene Ärztin an: "Es geht weiter."

Ein Mensch, der auf einem Ohr taub ist, kann sich im Prinzip mit einem anderen Menschen gut unterhalten. "Er kann normal hören und hat eine normale Sprachentwicklung", sagt die klinische Oberärztin. Schwierig werde es, wenn andere, beeinträchtigende Geräusche hinzukommen wie Musik oder Lärm aus der Umgebung ("Störlärm") oder wenn sich weitere Gesprächspartner dazugesellen. Eine solche Situation kann etwa im Büro, Theater oder Restaurant auftreten. Die Folge: Die betreffende Person versteht nichts mehr und kann Geräusche nicht mehr lokalisieren. So kann es problematisch werden, nicht verorten zu können, wo ein Auto herkommt. "Viele Patienten isolieren sich deshalb und ziehen sich zurück", weiß Arndt aus Erfahrung. Erwiesen ist, dass sich einseitig taube Kinder in der Schule, wo sie viel Lärm ausgesetzt sind, mehr konzentrieren müssen, mehr Nachhilfe brauchen und häufiger die Klasse wiederholen müssen.

Für die Behandlung von einseitiger Taubheit gibt es mehrere Möglichkeiten: Erstens sogenannte Cros-Hörgeräte – dabei wird auf dem tauben Ohr ein Mikro angebracht, auf dem gesunden ein normales Hörgerät, und über Funk wird das Geräusch vom tauben auf das gesunde Ohr übertragen. Das Problem: Auch der Störlärm wird auf das gesunde Ohr umgelenkt. "Eine Ortungsfähigkeit kann so nicht hergestellt werden", erklärt Arndt, die an der Uni Rostock Medizin studiert und promoviert und sich 2011 in Freiburg habilitiert hat. Bei Möglichkeit Nummer zwei wird ein Hörgerät in den Knochen hinter dem tauben Ohr implantiert. Der Schall wird in Vibration umgewandelt und über den Knochen ins Innenohr des gesunden Ohrs geleitet.

Das Freiburger Implant Centrum ist eines der bundesweit größten

Therapie Nummer drei ist das Cochlear-Implantat. Diese Hörschneckenprothese besteht aus einem äußeren Teil – dem Sprachprozessor mit einem Mikro, das den Schall aufnimmt – und einer Sendespule, die mit Hilfe eines Magneten am Kopf haftet, sowie einem Implantat mit Empfangsspule und dem Elektrodenträger mit Stimulationselektroden; dieses wird ins Ohr operiert. Die Informationen werden durch die Haut über elektromagnetische Induktion nach innen übertragen, der Hörnerv wird durch die Elektroden gereizt. "Wir umgehen das kaputte Innenohr und reizen den Hörnerv direkt", erklärt Arndt: "Wir haben Patienten im Prinzip das Ohr wiedergegeben." Ein Nebeneffekt: Bei 90 Prozent der Patienten verschwindet der Tinnitus ganz oder teilweise. Nicht anwendbar sind Cochlear-Implantate bei Menschen mit geschädigtem Hörnerv. Arndt erinnert sich an einen Kinderarzt, der seine einseitige Taubheit beschrieben hat: Eine Seite des Kopfes sei schwarz und "wie weg" gewesen – "wie in einem Käfig, aus dem man nicht mehr raus kann". Mit dem Cochlear-Implantat habe er sich gefühlt, als ob er aus dem Käfig ausgebrochen sei.

Das Implant Centrum an der Uniklinik Freiburg, dessen stellvertretende Leiterin Arndt ist, ist eines der größten in Deutschland und weltweit führend in der Forschung über einseitige Taubheit. Diese kann erworben sein durch Hörsturz, Tumor, Unfall, Entzündung oder Durchblutungsstörung oder ist angeboren durch eine Infektion, einen genetischen Defekt oder eine Innenohrfehlbildung. Oft ist es nicht möglich, die exakte Ursache zu ermitteln. Arndt und ihre Kollegen haben alle drei Therapieformen miteinander verglichen, beobachtet wurden die Behandlungen von 58 Patienten, darunter drei Kindern. Das Ergebnis: "Cochlear-Implantate erzielen signifikant bessere Ergebnisse. Man hat wieder alle Vorteile des beidseitigen Hörens. Sowohl das Lokalisieren als auch das Hören sind trotz Störlärms wieder hergestellt." Für Krankenkassen sei diese Anwendungsbeobachtung ein wichtiger Nachweis.

Verliehen wurde der Preis im Haus von Eleonore Hodeige im Beisein ihres Sohns, des BZ-Verlegers Christian Hodeige, von Unirektor Hans-Jochen Schiewer, Altrektor Wolfgang Jäger, Ex-Uniklinikchef Matthias Brandis, Oberbürgermeister Dieter Salomon und zahlreichen weiteren Gästen. Hubert Blum, Dekan der medizinischen Fakultät und Direktor der Abteilung Innere Medizin II an der Uniklinik, lobte Arndts "besonders preiswürdige Leistung". Er und Eduard Farthmann, ehemals Direktor der Chirurgischen Klinik, bilden als Kuratoren die Jury.