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11. Februar 2014 18:51 Uhr

Sondersteuer

Hotelbetreiberin auf der Haid boykottiert die Bettensteuer

Marlene Carella, Chefin des Bluhotels im Freiburger Gewerbegebiet Haid, weigert sich, die städtische Übernachtungssteuer einzuziehen. Nun droht ihr ein Bußgeld.

Im Gewerbegebiet Haid ist die offene Rebellion ausgebrochen. "Ab sofort treibe ich keine Bettensteuer mehr ein", sagt Marlene Carella, Geschäftsführerin des Bluhotel an der Bötzinger Straße, mit entschlossener Stimme. Sie ist die erste Hotelchefin, die die neue Freiburger Sondersteuer für privat Reisende boykottiert. Nun muss sie mit einem Bußgeld rechnen.

Neben der blaugekachelten Rezeption stehen seit kurzem ein Sessel und ein kleiner Tisch. "Da darf die Stadtkämmerei jemanden hinsetzen, von 15 bis 22 Uhr. Zu dem schicke ich die Gäste dann wegen der Bettensteuer", sagt Marlene Carella. Seit vier Wochen versuche sie, die Eintreibung der Bettensteuer in die Praxis umzusetzen. Jetzt sei sie an ihre Grenzen gelangt, sagt sie – betriebswirtschaftlich, moralisch, gesundheitlich.

"Mir laufen die Gäste weg"

Der Belegkalender des Hotels mit 60 Betten ist ziemlich leer: "Mir laufen die Gäste weg." Wenn sie beim Einchecken erklärt, dass privat Reisende bei einem Zimmerpreis von 69 Euro fünf Prozent mehr zahlen sollen, "sind die Leute schockiert". Außerdem verärgere die Fragerei ihre Gäste: "Zurecht, es geht doch mich nichts an, ob sie privat hier sind."

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Bei Geschäftsleuten müsse sie jedes Mal darauf hinweisen, dass diese ein Formular ausfüllen müssen, wenn sie von der Bettensteuer befreit sein wollen. "Bis vor einer Woche gab’s das nur in Deutsch, unsere ausländischen Gäste haben das gar nicht kapiert", sagt Carella. Ein spezielles Problem sind auch die Online-Buchungsportale mit ihren 15 Prozent Provision – zwei Preise, einen für Private und einen für Geschäftsleute, kann man auf der Homepage nicht darstellen.

"Die Gäste fühlen sich abgezockt", bestätigt Ursula Kauter, Geschäftsführerin des Hotels Löwen an der Herrenstraße. Probleme macht auch die Hotelsoftware. Da die Bettensteuer in einigen Städten gekippt wurde, will der Anbieter bis zur endgültigen gerichtlichen Klärung warten. Vorher pflegt er die Änderungen nicht ein – das bedeutet, die Steuer muss jedes einzelne Mal "von Hand" dazugerechnet werden. "Die Gäste beschweren sich", weiß auch Kirsten Moser, Chefin des Hotels Stadt Freiburg an der Breisacher Straße. Sie verzeichnet Rückgänge bei Reisegruppen: "In dem Geschäft zählt jeder Euro."

Dehoga äußert Verständnis

"Wir von der Dehoga können Frau Carella verstehen", so Geschäftsführer Alexander Hangleiter vom Hotel- und Gaststättenverband. "Doch wir verhandeln mit der Stadt auf sachlicher Ebene." Bis zum 14. Februar hat die Stadtverwaltung noch Zeit, die von der Dehoga unterstützte Klageschrift gegen die Steuer zu erwidern. Außer dem Bluhotel gebe es keine weiteren Boykotte, sagt Rathaus-Pressesprecherin Edith Lamersdorf und weist darauf hin, dass das Oberverwaltungsgericht Schleswig am Montag die Bettensteuer in Flensburg für rechtmäßig erachtet hat. Das Bluhotel habe nun erst mit einem Verspätungszuschlag und dann einem Bußgeld wegen Ordnungswidrigkeit zu rechnen. Marlene Carella ist das egal: "Ich lasse mich doch nicht als Steuereintreiber missbrauchen."
Die Bettensteuer

Seit dem 1.1.2014 gilt in Freiburg die Bettensteuer. Private Hotelgäste müssen fünf Prozent Aufschlag auf den Nettoübernachtungspreis zahlen, Geschäftsreisende nicht, allerdings müssen diese zum Nachweis ihrer Tätigkeit ein Formular ausfüllen. Eintreiben müssen die Hoteliers diese Steuer. Deshalb gab es bereits im Vorfeld heftige Proteste. Die Freiburger Hotelchefin Astrid Späth reichte mit Unterstützung des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga eine Klage beim Verwaltungsgerichtshof in Mannheim ein.

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Autor: Simone Lutz