"Hunde sind auch nur Menschen"

Nikola Vogt

Von Nikola Vogt

Di, 04. Oktober 2011

Freiburg

Pädagogische Konzepte des Menschen haben Bettina Mutschler und Rainer Wohlfahrth auf den Hund übertragen.

Wenn ein Diplompsychologe und eine Hundeerziehungsberaterin sich zusammentun, dann kommt im Fall von Rainer Wohlfarth und Bettina Mutschler ein Buch über Hundeerziehung heraus, bei dem pädagogische Konzepte auf die Vierbeiner übertragen werden. Mit "Die Kunst der Hundeerziehung" hat das Ehepaar am vergangenen Wochenende seine Lektüre in Freiburg vorgestellt.

Als Bettina Mutschler und ihr Mann Rainer Wohlfarth einen verregneten Tag vor zwei Jahren für einen ausgiebigen Hausputz nutzten, ist ungeahnt viel mehr dabei heraus gekommen als entstaubte Regale und glänzende Böden. In einem alten Bücherregal geriet dem Psychologen Wohlfarth das Buch "Die Kunst des Liebens" von Erich Fromm in die Hände. Schnell war der Staubwedel zur Seite gelegt und Wohlfarth vertiefte sich in die Lektüre, in der es um "die Fähigkeit der Liebe als Entwicklungsleistung des Menschen" geht, wie er erklärt. Wohlfarth zeigte seiner Frau, der Hundeerziehungsberaterin, seine Entdeckung und da entstand die Idee: "Gibt es nicht sehr viele Parallelen zwischen der Kunst des Liebens und der Kunst der Hundeerziehung?", fragte sich das Ehepaar. Ja, die gibt es, da waren sie sich einig. Und so schrieben sie gemeinsam das Buch "Die Kunst der Hundeerziehung", das nun, nach zweijähriger Arbeit, im Freiburger Centaurus-Verlag erschienen ist.

Am Wochenende haben die beiden ihr Werk in der Hundeschule von Bettina Mutschler vorgestellt. "Ganz wichtig ist uns, dass das Buch keine Anleitung zur Hundeerziehung ist. Es geht viel mehr darum, das Wesen der Mensch-Hund-Beziehung wirklich zu verstehen", erklärte Wohlfarth dort. Schließlich besitze jeder Hund unterschiedliche Lernbegabungen.

Mutschler eröffnete ihre Hundeschule im Jahr 2005, seit zwei Jahren ist sie hauptberuflich als Hundeerziehungsberaterin tätig. Außerdem arbeitet sie als Ausbilderin für Therapiebegleithunde am Freiburger Institut für tiergestützte Therapie. Dabei setzen Pädagogen Tiere ein, um beispielsweise autistische Kinder oder Schlaganfallpatienten zu therapieren. "Hunde dienen da einfach als guter Eisbrecher, weil sie so einen starken Aufforderungscharakter besitzen", so Mutschler. Ihr Mann arbeitet an der Pädagogischen Hochschule in Littenweiler und ist nebenberuflich Vorsitzender des Instituts für tiergestützte Therapie. Dass man pädagogische Konzepte auf Hunde übertragen kann, davon ist er überzeugt. Und so lag es nahe, dass die beiden die Strukturen von Fromms "Die Kunst des Liebens" in ihrem Hundebuch übernahmen.

Bei dessen Vorstellung zitierte Bettina Mutschler einige Passagen aus der "Kunst der Hundeerziehung". So gibt das Buch zum Beispiel einen Überblick darüber, wie sich die Stellung des Hundes in der Gesellschaft seit dem 19. Jahrhundert verändert hat und es zeigt auf, dass der Hund ein Spiegelbild des Menschen darstellt – alle Kapitel versehen mit Illustrationen des Freiburger Grafikers Ulrich Birtel. Der war auf der Buchvorstellung ebenfalls zu Gast und freute sich mit Mutschler und Wohlfarth, dass ihr Werk vor kurzem "unter den zehn meist verkauften Hundebüchern bei Amazon.de lag", wie sie berichteten.

"Die Kunst der Hundeerziehung. Ein Weg zum Wir.", erschienen im Centaurus-Verlag, 180 Seiten, 18,80 Euro.