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10. Juli 2010

"Ich will aber auch nach vorne schauen"

DREI FRAGEN AN Neville Melvin Gertze, Botschafter Namibias, über seinen Freiburg-Besuch.

  1. Melvin Gertze Foto: ingo schneider

Er wird bald wieder kommen. Das stand für Namibias Botschafter Neville Melvin Gertze nach seinem ersten Freiburg-Besuch am Donnerstag fest. Und dabei geht es ihm nicht nur um die von Namibia gewünschte Rückgabe von Herero-Schädeln, die an der Universität lagern (die BZ berichtete). Welche Pläne Neville Melvin Gertze sonst noch mit Freiburg verbindet, hat er Anja Bochtler erzählt.

BZ: Sind Sie in Freiburg auf Relikte aus dem Kolonialismus gestoßen?

Neville Melvin Gertze: Ja, obwohl ich nur einige Stunden hier war. Ich habe erfahren, dass 1935 vor der Universität eine "Kolonialeiche" gepflanzt wurde, mit Erde von Gräbern deutscher Soldaten in Südwestafrika. Und dass im Hotel Bären, wo ich zufällig gegessen habe, früher der Stammtisch des "Vereins ehemaliger Kolonialkrieger und Kolonialdeutscher" stattfand. Es ist interessant zu entdecken, wie tief die Verwicklungen in die Kolonialgeschichte hier überall sind – ein Beispiel dafür sind natürlich auch die Herero-Schädel an der Universität.

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BZ: Die Universität hat zugesichert, die Schädel an Namibia zurückzugeben, wenn die Regierung das offiziell fordert. Sie hatten jetzt Gespräche an der Universität...

Gertze: Vor etwa einem Jahr gab es erste offizielle Gespräche zwischen der namibischen und der deutschen Regierung zur Rückführung der Schädel. Nun müssen wir klären, wie wir weiter zusammenarbeiten, um diese dunkle Geschichte abzuschließen. Mein Besuch hat der Universität gezeigt, dass wir an der Rückgabe interessiert sind. Das sollte als Rückgabeforderung angesehen werden, denn ich repräsentiere ja die namibische Regierung. Ich will aber auch nach vorn schauen. Ich suche in verschiedenen deutschen Städten Kooperationen: Zwischen Universitäten und Schulen, in Form von Städtepartnerschaften oder Zusammenarbeit bei Wirtschaftsprojekten.

BZ: Hat Freiburg da eine besondere Bedeutung wegen der Herero-Schädel?

Gertze: Nicht unbedingt, auch anderswo gibt es noch solche Relikte. Überall haben jetzt Diskussionen begonnen, auch im Landtag von Baden-Württemberg wurde kürzlich über das Thema gesprochen. Namibia war eine deutsche Kolonie, darum wäre es hilfreich, wenn Deutschland Namibia auch in diesem Bereich unterstützten würde. Abgesehen davon bin ich an einer Kooperation der Universitäten in Freiburg und Namibia interessiert. Bei meinem nächsten Besuch in Freiburg will ich den Präsidenten der Universität von Namibia in Windhoek mitbringen. Freiburg ist gut in der Solarenergie, davon könnten unsere Studenten profitieren.

Autor: anb