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27. Mai 2011

"Ich wurde wie ein Popstar begrüßt"

BZ-INTERVIEW mit Gabriele Ehret, 66, die sich als ehrenamtliche Kunstpatin an der Vigelius-Grundschule engagiert .

  1. Gabriele Ehret Foto: thomas kunz

Gabriele Ehret begleitet die Klasse 3 c der Vigelius-Grundschule im Stadtteil Haslach – und zwar vom ersten Schuljahr an. Sie arbeitet als ehrenamtliche Kunstpatin und eng mit den Sozialarbeiterinnen der Schule sowie dem Kinderschutzbund zusammen. Früher war sie Sekretärin im Kreisgymnasium Kirchzarten, heute ist sie selbstständige Grafikerin. Einmal in der Woche kommt sie für zwei Stunden zum Kunstunterricht in die Klasse und gestaltet mit den Schülern eigene kleine Kunstprojekte und Ausstellungen. Claudia Hartmann hat sich mit ihr unterhalten.

BZ: An der Schule sind mehrere Paten im Einsatz. Was war Ihr Motiv, sich vor drei Jahren als Unterrichtsbegleiterin zu bewerben?
Gabriele Ehret: Ich hatte mich vorher beim Sorgentelefon des Kinderschutzbundes engagiert. Viele Pubertierende riefen an, aber auch jüngere Kinder, die allein zu Hause waren, deren Eltern arbeiten mussten oder die einfach nur Unterstützung bei den Hausaufgaben brauchten. Manchmal war diese Aufgabe sehr belastend, weil ich mit den Kindern, nachdem ich aufgelegt hatte, keinen Kontakt mehr hatte. Als ich erfuhr, dass Unterrichtsbegleiter gesucht werden, entschloss ich, mich dieser Herausforderung zu stellen. Es war mir wichtig, dass ich etwas mit Kunst machen konnte, weil ich in diesem Bereich den Kindern am ehesten etwas weitergeben kann.

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BZ: Können Sie tatsächlich etwas bewirken bei Ihrer Arbeit mit den Kindern?

Ehret: Ja, es ist erstaunlich, wie sich Kinder verändern, wenn sie etwas selber kreativ und gut machen können. Ich erinnere mich an einen Jungen, der sich kaum etwas zutraute. Als wir in einer Kleingruppe Abklatschtechnik ausprobierten, war genau er es, der mit seinem fertigen Werk durch das Klassenzimmer rannte und es glücklich und stolz jedem zeigen wollte. Seitdem zeichnet er mit Begeisterung, und seine Mutter schrieb mir, dass er Comiczeichner werden wolle. Solche Erfahrungen sind wunderbar. Ich bekomme weitaus mehr von den Kindern zurück, als ich geben kann. Nach den Sommerferien war die Wiedersehensfreude sehr groß. Ich wurde wie ein Popstar begrüßt. Manchmal ist es aber einfach nur laut und anstrengend. Das muss ich dann auch aushalten können.

BZ: Was machen Sie, wenn Sie das Gefühl haben, dass in der Familie eines Kindes etwas nicht stimmt?

Ehret: In unklaren oder schwerwiegenden Fällen wende ich mich an die Sozialarbeiterinnen der Schule, die dafür ausgebildet sind. Ich stehe mit den meisten Eltern in gutem Kontakt und würde, wenn mir etwas am Kind auffällt, dies dann auch ansprechen. Viele Kinder sehe ich auch nach der Schule noch. Sie kommen in mein Atelier oder ich helfe ihnen bei den Hausaufgaben. Das nimmt oft den Druck von den Eltern, die sich vielleicht um mehrere Kinder kümmern müssen. Auch die Kinder sind froh, wenn eine Bezugsperson nur für sie alleine da ist.

Der Kinderschutzbund Freiburg organisiert für die Vigeliusschule und in Zukunft auch für andere Grundschulen eine ehrenamtliche Schulbegleitung. Interessierte können mit Fabia Vasen vom Kinderschutzbund Kontakt aufnehmen. Weitere Informationen unter http://www.kinderschutzbund-freiburg.de info@kinderschutzbund-freiburg.de oder Tel. 0761 / 71311.

Autor: bz