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31. März 2011

Im Auftrag der Lebenden

Organspende-Koordinatoren ringen dem plötzlichen Ende einen Sinn ab – ein Besuch an der Freiburger Uni Klinik.

  1. Organspende-Koordinator Christian Thurow mit einer Spenderniere. Foto: Michael Bamberger

Wie sagt man einem Menschen, dass man die Organe seines gerade verstorbenen Angehörigen braucht, und das bitte schnell? Für Christian Thurow und seine zwei Kollegen an der Freiburger Uniklinik ist diese Frage Berufsalltag. Sie sind Organspende-Koordinatoren und sorgen dafür, dass der Tod des einen das Weiterleben eines anderen Menschen ermöglicht.

"Schwierig wird es, wenn sich der Verstorbene zu Lebzeiten nie zur Organspende geäußert hat und auch keinen Spendeausweis hat", sagt der 42-jährige Thurow, "dann müssen die Angehörigen den mutmaßlichen Willen ihres Verstorbenen ergründen." Denn dieser Wille ist die strikte Richtschnur der Koordinatoren.

Mit zwei weiteren Kollegen aus Heidelberg betreuen die Freiburger Mitarbeiter der Deutschen Stiftung Organspende (DSO) Krankenhäuser in ganz Baden. Von der Nachricht, ein Mensch sei dem Hirntod erlegen (nur dann ist die Spende möglich), bis zur Implantation beim Empfänger, managen die DSO-Koordinatoren den gesamten Prozess. Rund 40 solcher Fälle haben die Freiburger in den vergangenen zwei Jahren begleitet. Die Angehörigen-Gespräche haben Thurow und seine Kollegen dabei nicht immer geführt: "Häufig reden die Ärzte vor Ort selbst mit den Hinterbliebenen, auch wenn es sinnvoller wäre, uns zu rufen", meint Thurow.

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Denn der gelernte Krankenpfleger und seine Mitarbeiter haben nicht nur viele Jahre Berufserfahrung, sondern auch eine psychologische Zusatzausbildung absolviert, um die schwierigen Gespräche zu führen: "Die Menschen müssen den plötzlichen Tod ihres Verwandten erst einmal begreifen, bevor sie sich mit der Frage Organspende beschäftigen können. Aber mittlerweile ist das Thema weit verbreitet und wir erfahren heute weniger Ablehnung als früher", so Thurow. Wie wichtig ihr Einsatz für die Empfänger ist, zeigen diese Zahlen: In nur 17 Prozent aller Fälle haben die Toten einen Spendeausweis und 60 bis 70 Prozent der Angehörigen wissen nicht, wie ihre Verstorbenen über die Organspende dachten.

Doch die Arbeit der Koordinatoren endet nicht mit den Beratungsgesprächen. Diese sind nur das Startsignal für einen komplexen Ablauf, bei dem viele Stellen ineinandergreifen. Liegt die Einwilligung zur Spende vor, wird geprüft, welche Organe überhaupt entnommen werden können. Die Koordinatoren tragen die Ergebnisse zusammen und leiten sie an Eurotransplant weiter, eine Vermittlungsstelle im niederländischen Leiden. Dort sind Patienten aus sieben mitteleuropäischen Ländern registriert und dort wird entschieden, wo welches Organ am dringendsten gebraucht wird. Thurow und seine Kollegen bestellen die Transplantationsteams der Krankenhäuser ein. "Im Idealfall vergehen zwischen der Feststellung des Hirntods und der Transplantation nur zwölf Stunden", so Thurow.

Natürlich wollen die Vermittler zwischen Leben und Tod auch wissen, wie es dem Patienten geht, genau wie die Verwandten des Spenders. Einen direkten Kontakt könnten sie zwar nicht herstellen, ein Dankschreiben zu übermitteln sei aber möglich, sagt Christian Thurow, "nur leider kommt das viel zu selten vor."

ORGANSPENDE

Detaillierte Informationen zum Thema Organspende, zu den gesetzlichen Regelungen und zum genauen Ablauf einer Spende unter http://www.dso.de

Antworten für potenzielle Spender, die ihre Entscheidung noch nicht getroffen haben finden sich unter

http://www.fuers-leben.de

Wer sich entschieden hat und nun einen Spendeausweis haben möchte, kann ihn unter http://www.transplantationszentrum-freiburg.de direkt herunterladen oder ihn bei den Krankenkassen, dem Hausarzt oder dem Transplantationszentrum an der Uniklinik abholen.  

Autor: mkü

Autor: Martin Küper