IMMER WIEDER SAMSTAGS: Die radikale Reformation

Fabian Vögtle

Von Fabian Vögtle

Do, 11. Januar 2018

Freiburg

SAMSTAGS-UNI (10): Michael Hochgeschwender über die USA.

FREIBURG. Nach der Weihnachtspause geht es mit der Samstags-Uni-Reihe weiter. Diese befasst sich im Wintersemester mit der Reformation und Martin Luther. Michael Hochgeschwender ist Professor für Nordamerikanische Kulturgeschichte, Empirische Kulturforschung und Kulturanthropologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München und am Samstag in Freiburg zu Gast. Der Historiker beleuchtet in seinem Vortrag die "Radikale Reformation und Gesellschaftsreform in den USA des 19. Jahrhunderts".

"Das Ergebnis der Reformation des radikalen Postmillenarismus ist eine Umkehr des apokalyptischen Bewusstsein. Das heißt, dass nicht etwa die Gnade Gottes entscheidend ist, sondern die Tatsache, dass die Menschen etwas tun müssen, um Perfektion und Heilung zu erreichen und die Gesellschaft zu verändern. Im Gegensatz zu Luther und auch Calvin hatten die Radikalen Reformer im 19. Jahrhundert in den USA ein viel optimistischeres Menschenbild. Da ging es nicht zwingend um die Erbsünde, sondern darum, dass die Menschen vernünftig auf ihre Umgebung reagieren. Vor allem im Norden der USA hat ein Aktionsbündnis ab den 1820er-Jahren und massiv ab 1834 einiges für die Befreiung der Sklaven und die Abstinenzbewegung getan und auch für eine Reformation der Gefängnisse und der Schulen gesorgt sowie nicht zuletzt die Frauenrechtsbewegung auf den Weg gebracht. Der Versuch, die Gesellschaft umfassend zu reformieren, ging bis 1861 gut. Dann kamen die Evangelikalen mit einem Gegenentwurf. Der Bürgerkrieg zerstörte den Optimismus von vielen Aktivisten. Diese versuchten fortan in der Social-Gospel-Bewegung benachteiligten Gesellschaftsschichten zu helfen und Reformen anzustoßen."

"Radikale Reformation und Gesellschaftsreform in den USA des 19. Jahrhunderts", Vortrag von Michael Hochgeschwender, 13. Januar, 11.15 Uhr, Hörsaal 2004, KG II der Universität, Eintritt frei