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25. Februar 2012

In Aktion für "Artik" und Bleiberecht

Große Koalition:Eine junge Gemeinderat-Abordnung packt zusammen mit geduldeten Jugendlichen unter dem Siegesdenkmal an.

  1. Geballter Einsatz: Junge Stadträte und jugendliche Migranten. Foto: kunz

Was ist strikt verboten? "Warmes Wasser für den Putz", sagen Kai-Achim Klare (SPD) und Simone Ariane Pflaum (Junges Freiburg) wie aus einem Mund. Sie gehören zu einer fünfköpfigen Abordnung junger Stadträtinnen und Stadträte, die am Donnerstagnachmittag unter dem Siegesdenkmal beim Renovieren der Räume des Vereins "Artik" mitangepackt und einiges gelernt haben. Ihre Unterstützung war eher symbolisch, die von ihren Kollegen – sechs jungen Migranten des "Projektverbunds Bleiberecht" – deutlich tatkräftiger und dauerhafter.

Für Driton Maya (18) ist das hier nichts Neues: Er steht auf einem Schemel und streicht geduldig mit einem Spachtel die Wand entlang. Es ist der erste von drei Durchgängen, die Wand soll ganz glatt werden. Ähnliches ist mit anderen Wänden in den seit Jahren stillgelegten ehemaligen "Z"-Räumen geplant, in denen der Verein "Artik" ein Jugendkulturzentrum schafft. Außerdem müssen Fliesen gelegt, Böden aufgestockt und WC-Räume angesprüht werden. Driton Maya fällt das nicht schwer. Seit acht Jahren ist er in Deutschland daheim, er will Maler werden. Er sucht einen Ausbildungsplatz – aber wird er je einen finden?

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"Es ist schwierig, weil ich nur eine Duldung habe", sagt er. Arbeiten, Führerschein, in Urlaub fahren: Was für viele andere Jugendliche selbstverständlich ist, bleibt für ihn bisher ein Traum. Er geht auf die Friedrich-Weinbrenner-Gewerbeschule, lernt Tapezieren, Schleifen, macht Praktika. Über einen Kumpel ist er in den "Artik"-Räumen gelandet, er kannte sie nicht. "Es ist gut, dass hier wieder etwas entsteht", sagt er. Mit fünf anderen Jugendlichen mit unsicherem Bleiberecht packt er freiwillig mit an, zwei Wochen lang, von zehn Uhr morgens bis zum Abend. Angeleitet werden sie von Arsim Butuci vom "Projektverbund Bleiberecht", der beim Caritasverband angesiedelt ist. Arsim Butuci ist selbst Roma, wie viele der Jugendlichen, für die er Ausbildungs- und Arbeitsplätze sucht – eine Voraussetzung dafür, dass sie sich ein Bleiberecht erkämpfen können.

Auch im Dezember hat Arsim Butuci schon mit einer Truppe zwei Wochen lang in den "Artik"-Räumen losgelegt. Er ist Gipser und mittendrin in seiner Meister-Ausbildung, die Arbeit mit den Jugendlichen ist für ihn eine Vorbereitung auf spätere Ausbildungstätigkeiten. Die Firma Feser, wo er einst seine Ausbildung gemacht hat, stiftete 50 Prozent des Materials, so entstand zusammen mit der Unterstützung aus dem Gemeinderat eine breite Koalition. Neben Kai-Achim Klare und Simone Ariane Pflaum sind Anke Dallmann (Freie Wähler), Timmothy Simms (Grüne) und Sascha Fiek (FDP) mit dabei – alle sind zwischen 29 und 39 Jahren alt und fühlen sich "Jugend"-Themen besonders verpflichtet.

Dieser Aktion, mit der sie sowohl die "Artik"-Räume als auch die Bleiberecht-Jugendlichen unterstützen, sollen weitere folgen, kündigen sie an. Parteiübergreifend, so wie sie sich zusammengefunden haben, weil sie sich gut verstehen. Sie haben bei ihrer Malaktion einiges gelernt – "auch wenn unsere Fehler jetzt korrigiert werden müssen", sagt Sascha Fiek lachend, als er beobachtet, wie Arsim Butuci die Wand direkt nach ihm bearbeitet.

Autor: Anja Bochtler