Geldmangel bremst Ausbau

In der Adolf-Reichwein-Schule tröpfelt der Urin durch die Decke

Anita Rüffer

Von Anita Rüffer

Di, 16. Dezember 2014

Freiburg

Geldmangel bremst den Ausbau der Adolf-Reichwein-Schule / Zumindest die Toiletten sollen im Sommer saniert werden.

Der Bürgerverein Weingarten fürchtet um die "Chancengerechtigkeit" für die Kinder in seinem Stadtteil und fordert von der Stadtverwaltung, mit den Plänen für die Adolf-Reichwein-Grundschule zügig Ernst zu machen. Die hätte zum nächsten Schuljahr offene Ganztagsschule werden und weitere Einrichtungen auf dem Gelände aufnehmen sollen. Aber mit den dafür nötigen Um-, An- und Neubauten ist noch nicht einmal begonnen worden. Nach Einschätzung der Verwaltung kann es frühestens im Januar 2018 losgehen mit dem Ganztagsbetrieb.

Das äußere Erscheinungsbild der Schule mit den frisch getünchten Fassaden lässt nichts zu wünschen übrig. Mit neuen Fenstern, Rollläden und einer Dämmung ist die Außenhaut inzwischen saniert worden. Im Inneren dagegen herrschen nach übereinstimmenden Aussagen des Bürgervereins und von Johannes Schubert, der die inklusiv arbeitende Schule (Grundschule und Schule für Erziehungshilfe unter einem Dach) derzeit kommissarisch leitet, unhaltbare Zustände: undichte Flachdächer, eine unzeitgemäße Elektrik, "ekelhafte" Toiletten: "Da haut’s einen rückwärts wieder raus." In den darunter liegenden Sozialarbeiterraum tröpfele der Urin durch die Decke. Für eine Generalsanierung des bestehenden Gebäudes fehlt nach Auskunft der Stadtverwaltung aber derzeit das Geld. Im Januar sollen dem Gemeinderat Pläne für eine vorgezogene Sanierung zumindest der Toiletten vorgelegt werden. Falls er zustimmt, könnte es damit in den Sommerferien losgehen.

Die Neu- und Anbauten sollen nach dem siegreichen Entwurf eines Architektenwettbewerbs in zwei Phasen realisiert werden. Für beide wird mit Kosten in Höhe von 13,36 Millionen Euro kalkuliert. Fast doppelt so viel wie vor zweieinhalb Jahren angenommen. Damals, so die städtische Pressestelle, habe es sich um eine Groborientierung gehandelt, ohne den tatsächlichen Raumbedarf (4246 statt 2800 Quadratmeter), Gründungsprobleme auf dem Gelände und andere Besonderheiten zu kennen.

Der erste Bauabschnitt mit Mensa und anderen Räumen für den Ganztagsbetrieb (6,8 Millionen) soll im April 2016 begonnen werden, so dass die Ganztagsschule im Januar 2018 starten könnte. Im vergangenen Jahr noch hatte die Verwaltung angekündigt, das gesamte Projekt im Jahr 2016 abzuschließen. Die Verzögerung wird mit anderen dringlichen Schulsanierungen erklärt. Der Wunsch des Bürgervereins wäre gewesen, den Ergänzungsneubau zum Schuljahr 2016/17 fertig zu stellen und "sofort mit der Bestandssanierung zu beginnen".

Der zweite Bauabschnitt ist erst einmal aufgeschoben bis in den Doppelhaushalt 2017/18, so dass mit einer Fertigstellung etwa 2020 zu rechnen sei. Er soll einmal den Schulkindergarten des Hauses Weingarten und eine Kita beherbergen. Ursprünglich hätten drei Schulkindergärten plus Kita auf dem Gelände konzentriert werden sollen. Einer von ihnen aus der Breisacher Straße ist inzwischen integriert worden in den Schulkindergarten Haus Weingarten. Der Sprachheilkindergarten in der Boelckestraße, der schon vor zwei Jahren über enorme Platzprobleme klagte, ist dort noch immer untergebracht und wird es laut Schulamt auf absehbare Zeit auch bleiben.

Weil das Haus Weingarten entgegen ursprünglichen Plänen erst bis 2020 abgerissen werden soll, meint die Verwaltung Zeit gewonnen zu haben mit dem zweiten Bauabschnitt auf dem Gelände der Adolf-Reichwein-Schule.