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20. März 2017

Wiedersehen!

In der Kaiser-Joseph-Straße 231 war einst Freiburgs ältestes Lederwarengeschäft

Heute werden in dem Geschäft am Martinstor Kosmetikartikel verkauft. Doch bis 1993 gab es hier Lederwaren.

  1. Gimbels Lederwarengeschäft war in der Urform (auf dem linken Bild das zweite Haus von links, neben der „Freiburger Zeitung“) noch eher unscheinbar (Aufnahme von etwa 1910). Nach dem umfassenden Umbau 1926/27 wurde es zu einer der meistfotografierten Fassaden (Mitte; Aufnahme von etwa 1930). Rechts die heutige Ansicht. Foto: Archiv Manfred Gallo (2)/ Ingo Schneider

  2. Foto: Archiv Manfred Gallo

  3. Foto: Ingo Schneider

1875 machte sich Eduard Gimbel als Sattlermeister in der Kaiserstraße 135 (heute Kaiser-Joseph-Straße 247) an der Ecke zur Fischerau selbständig. Im Oktober 1885 kaufte er das Gebäude beim Martinstor für 48 000 Mark von Säcklermeister Max Metzger. Heute ist der Säckler, der Lederbekleidung herstellt (unter anderem sogenannte "Krachlederne", also zünftige Lederhosen) längst ein Beruf mit Seltenheitswert.

Als das Haus erworben wurde war es ein schlichtes und niedrigeres Gebäude ohne Erker. Im Häuserbuch der Stadt ist es ab 1460 mit dem mittelalterlichen Namen "Zum kleinen eisernen Ring" aufgeführt. Das Jahr und der Name sind auch an der jetzigen Hausfassade ablesbar, wobei dort der eiserne Ring als "Ysenring" bezeichnet ist.

In das eigene Haus verlegte Eduard Gimbel sein Geschäft im Frühjahr 1886. 1910 übernahm Sohn Wilhelm Gimbel den Hausbesitz und die Firma Eduard Gimbel als Inhaber. In seine Zeit fällt der Umbau des Hauses von 1926/27, dessen Vollendung der am 5. Mai 1926 verstorbene Vater nicht mehr erlebt hat.

Bei dem Umbau wurde das Haus um ein Geschoss erhöht und der sehenswerte Eichenholzerker angebracht. Mit der Erhöhung folgte man dem damaligen Trend. Schon 1901 hatte man das nahe gelegene Martinstor aufgestockt, und auch der Anfang 1906 fertiggestellte Neubau der Firma Poppen & Ortmann, Universitätsdruckerei und Verlag, der als Sitz der "Freiburger Zeitung" diente, überragte deutlich das rechts angebaute Haus Gimbel. Der Erker nimmt in den beiden oberen Geschossen nahezu die gesamte Fassadenbreite ein und ist mit einem Giebeldreieck im Mansardengeschoss bekrönt. Durch die markante Gestaltung wurde die Hausfassade zu einer der am häufigsten fotografierten in der Altstadt.

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Spätestens 1886 kam zum Hausbesitz noch das Gebäude Kaiserstraße 125 (heute Kaiser-Joseph-Straße 235) dazu. Es wurde ebenfalls von Max Metzger verkauft und war quasi ein Hinterhaus, das den offiziellen Eingang im heutigen Martinsgässle hatte. Allerdings gab es für beide Häuser einen gemeinsamen Hinterhof. In dieses Hinterhaus wurde das Geschäft nach dem Zweiten Weltkrieg verlegt. Ins Haus beim Martinstor kam nach dem Zweiten Weltkrieg übergangsweise zunächst die Firma Carl Fabel, die als Einzel- und Großhändler Garne, Kurz-, Weiß- und Wollwaren anbot, und später folgte das Schuhhaus Hackenjos.

Erst 1954 eröffnete die Firma Eduard Gimbel wieder einen Laden im Vorderhaus. 1961 übernahm die Tochter von Wilhelm Gimbel, Margarete Pfister, den Familienbetrieb. Und 1973 trat der Täschner Gerhard Pfister, ein Urenkel des Gründers, in die Firma ein.

Im Frühjahr 1993 gab das Unternehmen nach einem Räumungsverkauf dann die Geschäftstätigkeit auf. In Freiburg war es bis zu diesem Zeitpunkt das älteste Fachgeschäft der Lederwarenbranche. Es hatte eine Verkaufsfläche von 150 Quadratmeter und war vom letzten Eigentümer Gerhard Pfister im Jahr 1990 noch umfassend renoviert und modernisiert worden.

Autor: Manfred Gallo