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05. Januar 2012

Iranische Flaggenfrage

Die CDU fordert, die Fahne an der Kaiserbrücke abzuhängen.

Eigentlich fordern Stadträte in schöner Regelmäßigkeit, Flagge zu zeigen. Jetzt fordert Stadtrat Daniel Sander, eine Flagge einzuholen: Die des Irans, die an der Kaiserbrücke flattert. Der Vertreter der CDU-Gemeinderatsfraktion bittet Oberbürgermeister Dieter Salomon in einer Anfrage, das anzuweisen. Es könne nicht sein, dass die Stadt die Fahne eines Landes hisse, "das der Welt mit Krieg droht, deren Staatsspitze die Vernichtung des Staates Israel propagiert und seine eigene Bevölkerung brutal unterdrückt", schreibt Sander.

An der Kaiserbrücke, über die es ins Herz der Altstadt geht, wehen links und rechts Fahnen. Es sind die National- und Landesflaggen von Freiburgs Partnerstädten. Lange flatterten da die Flaggen der Nationen, aus denen die meisten Touristen nach Freiburg kommen. Zu lange: Als die Stadt sich für den Papstbesuch Ende September rausputzte, wurde festgestellt, dass diese Beflaggung unschön in die Jahre gekommen war. Das Garten- und Tiefbauamt änderte sie zugunsten der Partnerstädte, erklärt Rathaussprecherin Edith Lamersdorf. Das Amt ist für die Brücke zuständig.

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"Wir haben eine bestehende Partnerschaft mit Isfahan", sagt Lamersdorf. Der Gemeinderat hat sich zuletzt vor einem Jahr dafür ausgesprochen, daran festzuhalten – nach intensiver Debatte. Freiburg ist die einzige Stadt Deutschlands mit einer solchen Verbindung. Sie besteht seit 2000, liegt aber seit Jahren auf Eis, was die offizielle politische Ebene betrifft. "Auf Arbeitsebene, vor allem im kulturellen Bereich, gibt es immer wieder Kontakte."

Welche Fahnen wann an städtischen Dienstgebäuden und Schulen gehisst werden, legt das Personalamt fest. Gerade hat die Stadt in ihrem Blatt "stadtintern" wieder die Termine für das ganze Jahr veröffentlicht – am 27. Januar zum Beispiel wird zum Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus Halbmast und Trauerflor geflaggt. Brücken fallen nicht unter die städtische Flaggenordnung. Die Anfrage der CDU wird das Rathaus prüfen, sagt Edith Lamersdorf. Das Amt für Internationale Kontakte werde sich äußern, die Verwaltungsspitze in der Flaggenfrage entscheiden. Wird’s ein Politikum, könnte auch der Gemeinderat gefragt sein.

Freiburg hat noch eine Städtefreundschaft, die seit Jahren ruht: mit Monrovia. Mit der Hauptstadt Liberias schloss die Stadt 1971 einen Vertrag, nachdem der Freiburger Hellmuth Dettinger zum Honorarkonsul des afrikanischen Staates geworden war. Der Taxiunternehmer und Stadtrat machte Freiburg zum Reiseziel liberianischer Politiker, der damalige Präsident trug sich ins Goldene Buch ein und steckte dem Kinderchor einen Scheck zu. Freiburger reisten nach Monrovia, schickten Spenden, etwa eine Straßenkehrmaschine. Dann gab es Bürgerkrieg und Massaker. 1990 wurde die Verbindung gekappt und nie wieder aufgenommen. Heute ist Friedensnobelpreisträgerin Ellen Johnson Sirleaf Präsidentin. Dennoch gibt es seitens der Stadtverwaltung derzeit keine Bestrebung, die Verbindung wieder aufzunehmen. Ihre treibende Kraft war Dettinger. Er starb 2005.

Autor: Simone Höhl