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29. Dezember 2011
"Jüdische Vielfalt in der Stadt!"
Heide Fischer ist froh über vier Erfolge der liberalen Chawurah Gescher.
Irgendwie "angekommen" ist in diesem Jahr unsere jüdische egalitäre Betergemeinschaft Chawurah Gescher," sagt Heide Fischer. Nach zwölf manchmal recht mühsamen Anfangsjahren war 2011 ein Jahr, in dem sich die Freiburger liberale Gemeinde vor allem nach außen entscheidend gefestigt hat. Die Ärztin Heide Fischer ist Mitglied im neuen Vorstand von Chawurah Gescher und zählt mit großer Freude die vier Ereignisse auf, die 2011 zu einem sehr guten Jahr für die etwa 50 jüdischen Gemeindemitglieder und für die 50 Mitglieder des Freundeskreises machen: "Das Jahr fing schon gleich gut an, denn im Januar hatten wir ein erstes freundschaftliches Gespräch mit dem Restvorstand der Israelitischen Einheitsgemeinde. Das hatten wir lange angestrebt – nun wurde das endlich wahr." Fortgesetzt werden die Gespräche im Januar 2012. Und nicht nur die Einheitsgemeinde ist mit der Chawurah Gescher ins Gespräch gekommen: Auch der Vorsitzende der Israelitischen Religionsgemeinschaft (kurz: IRG) Baden kam nach Freiburg, um mit den Vorstandsmitgliedern zu reden. "Wir hatten die Hoffnung fast aufgegeben, dass die IRG uns offiziell wahrnehmen würde." Klingt nach kleiner Splittergruppe, die um Anerkennung ringt. Tatsächlich aber sind die liberalen Juden weltweit die stärkste Gruppe unter den diversen jüdischen Strömungen. In Freiburg allerdings ist die jüdische Einheitsgemeinde orthodox ausgerichtet und ein Vielfaches größer als die Gemeinschaft der liberalen Juden. Die hegen nach vor die Hoffnung, dass sich die große Vielfalt jüdischen Lebens auch in Freiburg künftig sichtbarer widerspiegeln wird. Heide Fischer wertet als Etappenziel dahin, dass in diesem Jahr die IRG erstmals Gelder für ein liberaljüdisches Gemeindeleben in Baden freigegeben hat. Die Chawurah Gescher hatte als Höhepunkt des Jahres erstmals am hohen Feiertag Jom Kippur die Gelegenheit, ihre Gottesdienste in einer Synagoge zu feiern. Bislang feierte man in Aulas oder Kirchensälen und die Schabat-Gottesdienste werden in privaten Räumen abgehalten. Ein Ziel für die nächste Zeit: "Endlich raus aus dem Privaten und rein in die Öffentlichkeit der Stadt!" Anfang Oktober zu Jom Kippur in der Synagoge in Sulzburg zu Gast zu sein, sei für alle sehr bewegend gewesen. Diese Synagoge war eine der wenigen im Land, die 1938 nicht von den Nazis zerstört wurde – die diesjährigen Jom Kippur-Gottesdienste waren die ersten, die nach der Shoah dort begangen wurden. Nicht nur die Erfolge für die Chawurah Gescher machten 2011 zu einem guten Jahr für Gescher-Vorstandsfrau Heide Fischer. Neben vielem anderen war auch das sehr wichtig: ihre große Cuba-Reise mit Besuchen der dortigen jüdischen Gemeinden. Und nach einer Pause in Sachen Autorinnenschaft, die sich die Ärztin für 2011 verordnet hatte, freut sie sich nun auf ihr nächstes Buch zum Thema Frauengesundheit.
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Autor: Julia Littmann
