Vabo-Klassen

Jugendliche Flüchtlinge versuchen sich als Goldschmiede und als Filmemacher

Holger Schindler

Von Holger Schindler

Do, 08. Dezember 2016

Freiburg

In den Vabo-Klassen der Edith-Stein-Schule sollen Flüchtlinge schnell Deutsch lernen - mit dem Projekt "Talentschmiede" soll's noch schneller gehen.

Mona Salaja (16) will später einmal Ärztin werden. Wenn man sie nach ihrem Berufsziel fragt, muss sie nicht lange überlegen, sondern antwortet wie aus der Pistole geschossen. Sie wisse gut, dass dies noch ein langer Weg ist, sagt die junge Frau. Aber dass er nicht unmöglich ist, darauf deutet hin, wie gut sie ein Jahr nach der Flucht mit ihrer Familie aus dem Irak schon Deutsch kann.

Dazu trägt vor allem ihr Besuch der sogenannten Vabo-Klasse in der Freiburger Edith-Stein-Schule bei. Vabo steht für "Vorqualifizierungsjahr Arbeit/Beruf mit Schwerpunkt Erwerb von Deutschkenntnissen". Damit dies noch besser funktioniert, haben verschiedene Köpfe nun erstmals das Projekt "Talentschmiede" auf die Beine gestellt.

Die Idee dahinter ist eigentlich simpel: Rund 50 Jugendliche aus Vabo-Klassen, darunter auch Mona Salaja, versuchen sich über fünf Wochen als Goldschmiede und als Trickfilm-Macher. Bei der Arbeit verbessern sie ihre Sprachkenntnisse – ohne bewusstes Büffeln. "Wenn die Jugendlichen miteinander arbeiten und planen, wenn sie Fragen haben oder etwas anmerken wollen, müssen sie dafür die deutsche Sprache verwenden", sagt Christian Wilker, stellvertretender Schulleiter der Edith-Stein-Schule. Zudem sei im Vabo-Lehrplan inzwischen kaum noch praktisches Tun vorgesehen, fast nur noch theoretischer Unterricht – schwierig für die Teenager.

Umso dankbarer war Wilker für die Idee der "Talentschmiede". Der katholischer Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit "In Via" kam darauf. Doris Eichhorn, In-Via-Regionalleiterin, und Ulrich Bartel als Projektleiter holten dazu noch das Wissenschaftliche Institut des Jugendhilfswerks Freiburg ins Boot und den Goldschmied und Pädagogen Herwarth Malzy. In der Medienwerkstatt des Jugendhilfswerks entstand ein Trickfilm in Teamarbeit. Bei Herwarth Malzy übten sich die Jugendlichen in der Schmuckherstellung. "Ich habe erlebt, wie die Teilnehmer aufgetaut sind", sagt der Goldschmied, der seine Werkstatt im Kulturbahnhof St. Georgen hat, "und ich habe gestaunt, wie geschickt viele waren. Die Stücke, die sie gemacht haben, können sie auch gut vorweisen, wenn sie sich später um eine Lehrstelle bewerben."

Die Finanzierung der "Talentschmiede" sei nur dank privater Spender möglich gewesen. "Mir hat es große Freude gemacht – und ich habe viel gelernt", sagt Mona Salaja, die mehrere Ringe, Armreife und Anhänger aus Kupfer gefertigt hat.