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13. Februar 2009 11:05 Uhr
Ursachenforschung
Betrunkene junge Frauen – ein Riesenproblem für Freiburg
Freiburg hat sich einen traurigen Rekord gesichert. Nirgendwo in Baden-Württemberg wurden 2007 so viele 13 bis 19 Jahre junge Frauen wegen Alkohol in die Klinik eingeliefert. Was steckt dahinter?
Die Zahl dieser Fälle hat sich im Vergleich zum Jahr 2001 verdreifacht, berichtet Isolde Krug, der Leitende Psychologin an der Uni-Kinderklinik. Bei mehr als 50 Prozent der eingelieferten Jugendlichen wurden, wie es heißt, "chronische Konfliktlagen" und Verhaltensstörungen festgestellt.Die Statistiken zu Jugendlichen und Alkohol liefern unterschiedliche Ergebnisse. So trinken die Jugendliche einerseits insgesamt weniger Alkohol. Diejenigen die trinken, bechern immer mehr. Und immer öfter endet das Komasaufen wirklich mit Bewusstlosigkeit und damit mit einer Blaulichtfahrt in die Klinik. Bei Mädchen und Frauen erreicht die Stadt Freiburg mit statistisch betrachtet 55,6 Fällen auf je 10000 weibliche Einwohner den höchsten Wert in ganz Baden-Württemberg. Der Landesschnitt liegt bei 31,9 Fällen bei alkoholbedingten Krankenhausaufenthalten. Die Statistik nimmt den Wohnort der Patientinnen als Grundlage.
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Sei früher bewusst exzessiver Umgang mit Alkohol eher in Randgruppen zu beobachten gewesen, sei das Trinkverhalten junger Menschen und vor allem dessen unmittelbare Folgen inzwischen ein "gesamtgesellschaftliches Phänomen" geworden, so Lothar Baumann vom Statistischen Landesamt in Stuttgart, das die Zahlen aufbereitet hat. Beliebt sind – gerade bei Mädchen – harte Sachen, vor allem Wodka, mit Saft versüßt.
Die jüngsten waren neun Jahre alt
In der Freiburger Kinderklinik sind im vergangenen Jahr 90 Kinder und Jugendliche mit einer einer Alkoholvergiftung, stationär behandelt worden. Es gibt eine Freiburger Besonderheit, berichtet Psychologin Isolde Krug. "Der Anteil von Jungen und Mädchen ist etwa gleich hoch". Der Altersschnitt der Patientinnen und Patienten liegt im Bereich von 15 Jahren. Die Jüngsten, die eingeliefert worden, waren Neunjährige. Sehr häufig würden junge Menschen mit zwei bis drei Promille eingeliefert.
Suchtexperten besuchen die
Kinder im Krankenhaus
Die Grenze beim Alkohol-Ausprobieren werde immer häufiger überschritten, beobachtet Oberarzt Marcus Krüger, der an so gut wie an jedem Wochenende in der Kinderklinik alkoholisierte Kinder versorgen muss: Besonders viel Arbeit gebe es an Fasnet oder beim St. Georgener Weinfest, berichtet er. Alkoholexzesse sind für junge Menschen hochgefährlich: "Die Stoffwechselleistung reicht einfach nicht aus, um den Alkohol so schnell abzubauen, wie das bei einem Erwachsenen geschieht", so Oberarzt Krüger. Alkohol verstärkt auch die Auskühlung des Körpers oder kann zu Erbrechen führen. Verhindert der Rausch, dass diese Folgen wahrgenommen wird, kann dies tödlich enden.
Auf den Rausch folgt die Beratung
Das geschulte Personal der Kinderklinik und der Kinder- und Jugendpsychiatrie hat ein Auge darauf, ob es sich bei den jungen Patienten um einen Problemfall handelt. Mittlerweile gibt es auch im Rahmen der kommunalen Alkoholprävention ein Programm des Arbeitskreises Suchthilfe und der Stadt Freiburg. Die Suchtberatungsstelle "Frauenzimmer" kümmert sich um die Mädchen. Wer im Vollrausch in einer Klinik eingeliefert wird, bekommt seit diesem Jahr nach der Ausnüchterung Besuch von einer Frauenzimmer-Mitarbeiterin mit einem Brief mit Elterninformation. "Wir wollen diese sensible Situation nutzen", sagen Christrun Oelke und Hanna Schoenemann von "Frauenzimmer".
Gemeinsam mit der Uniklinik hatte der AK Sucht per Befragung im Bermuda-Dreieck für eine Studie das Trink- und Ausgehverhalten erforscht: Ein Viertel aller Befragten hatte angegeben, innerhalb der vergangenen zwölf Monate wenigstens einmal so betrunken gewesen zu sein, dass sie nicht mehr laufen konnten. Das Warmtrinken zu Hause ist bei zwei Drittel der 15- bis 17-Jährigen ein festes Ritual und zwar für beide Geschlechter.
Klinik-Psychologin Isolde Krug fordert, dass der kritische Alkoholkonsum thematisiert werden müsse – in Schule, Familie und in Vereinen: "Es ist wichtig, damit relativ früh zu einzusetzen." Das Einstiegsalter liege heute zwischen 12,8 und 13 Jahren. Den ersten Rausch erleben viele bevor sie 14 sind. Für die Psychologin steht fest: Durch die leichte Zugänglichkeit und die Verfügbarkeit von Alkohol steige auch der Konsum.
Informationen für Eltern oder Jugendliche gibt es bei der Beratungsstelle Frauenzimmer, Tel. 0761/32211.
Autor: Joachim Röderer
